Ortsteil Broggingen

In Herbolzheim stand schon wieder eine Scheune in Flammen

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Von Lena Jörger & Patrik Müller

Mo, 17. Juni 2019 um 10:06 Uhr

Herbolzheim

Die Brandserie in Herbolzheim geht offenbar weiter: In der Nacht zum Montag brannte eine Scheune in Broggingen. Es ist der fünfte Brand innerhalb von vier Wochen. Die Kripo ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung.

"Das geht schon an die Substanz im Moment", sagt Feuerwehrkommandant Martin Hämmerle mit Blick auf die Serie von Scheunenbränden in den vergangenen Wochen. Seit dem 18. Mai gab es – mit Ausnahme des ersten Juniwochenendes – an jedem Wochenende einen Einsatz für die Feuerwehrleute aus Herbolzheim und den Ortsteilen. Je zweimal standen Scheunen in Wagenstadt und in der Herbolzheimer Innenstadt in Flammen, in der Nacht auf Montag dann die in Broggingen.

Laut Hämmerle meldete um kurz nach 0.30 Uhr ein Zeuge den Brand einer Scheune an der Dragonerstraße im Ortskern von Broggingen. Sämtliche Feuerwehrleute der Herbolzheimer Abteilungen rückten aus, ebenso die Feuerwehr aus der Nachbarstadt Kenzingen. Ein Übergreifen der Flammen auf nebenstehende Gebäude konnten die Einsatzkräfte verhindern. Die Scheune war nach Angaben der Polizei nicht mehr zu retten, die brannte vollständig aus. Verletzt wurde laut Hämmerle niemand. "Der Sachschaden dürfte im sechsstelligen Bereich liegen", teilt die Polizei am Montag mit. Die kriminaltechnischen Maßnahmen am Brandobjekt seien noch nicht abgeschlossen.

Insgesamt waren 96 Feuerwehrleute im Einsatz, der Großteil von ihnen bis gegen 3.30 Uhr. Außerdem blieb eine Brandwache bis 8 Uhr am Montagmorgen am Ort. In der Nacht waren außerdem zwölf DRK-Kräfte und die Polizei im Einsatz.
Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Emmendingen unter 07641/582-200 oder jede Polizeidienststelle entgegen. Wer aktuell etwas Verdächtiges beobachtet, soll laut Polizei direkt den Notruf 110 wählen. Scheunen- und Hofbesitzer, die derzeit Angst um ihr Hab und Gut haben, können sich laut Polizei bei der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle unter Tel. 0761/2960825 beraten lassen und sich Tipps holen. Die Polizei rät Bürgern davon ab, selbst aktiv zu werden oder gar verdächtige Personen anzusprechen. Stattdessen rät sie: Polizei rufen, Personenbeschreibung und Hinweise zu Fahrzeug und Kennzeichen notieren.
Spendenkonto der Stadt: Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau; Stichwort "Notfonds Brandschäden"; IBAN: DE41 6805 0101 0022 0030 78.

Auch Bürgermeister Thomas Gedemer war vor Ort – er war erst eine halbe Stunde vorher von einer Rumänienreise zurückgekehrt. "Meine größte Sorge war, dass die Feuerwehr im Einsatz ist und es noch an anderer Stelle anfängt zu brennen", erzählt er. Auch Bezirksbrandmeister Adrian Wibel, der stellvertretende Kreisbrandmeister Karl Weiß und Kreisbrandmeister Christian Leiberich waren vor Ort. "Ich kann nicht nachvollziehen, was im Kopf von so einem Menschen vorgeht. Da hängen ja auch Existenzen dran", sagt Leiberich über den – oder die – Brandstifter. Er weiß außerdem aus Erfahrung: "Viele Brandstiftungen werden gar nicht erfasst. Es gibt eine hohe Dunkelziffer."

Polizei bittet weiter um Mithilfe

In der Herbolzheimer Brandserie ermittelt die Kriminalpolizei. Am Montagvormittag waren die kriminaltechnischen Maßnahmen am Einsatzort in Broggingen noch nicht abgeschlossen. Zu möglichen Ermittlungsansätzen will Polizeisprecher Jerry Clark aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen, nur so viel: "Wir haben verschiedene Hypothesen, denen wir nachgehen." Die Polizei prüft derzeit auch noch, ob es einen Zusammenhang zwischen der Scheunenbrandserie und Autobränden in Emmendingen und Bombach in der vergangenen Woche gibt. "Die Ermittler gehen intensiv allen vorhandenen Spuren nach und bitten die Bevölkerung um Mithilfe", so die Polizei. Insbesondere hoffen die Ermittler im Zusammenhang mit den Bränden auf Hinweise zu verdächtigen Fahrzeugen oder Personen.

Die Herausforderung, sagt der Bürgermeister, sei nun, aufmerksam zu sein und Hinweise der Polizei zu melden, "ohne in Hysterie zu verfallen". Um allen fünf betroffenen Scheunenbesitzern gleichermaßen und schnell helfen zu können, hat die Stadt ein Spendenkonto eingerichtet. Für die beiden von Privatleuten gestarteten Spendenaktionen sei er aber sehr dankbar, betont Gedemer. Die Stadt hat schon einen Notfonds für Hilfsbedürftige. 3500 Euro daraus stellt die Stadt jetzt als ersten Grundstock für den "Notfonds Brandschäden" bereit.


Dieser Text erschien in einer ersten kürzeren Version am Morgen des 17. Juni und wurde um 18.35 Uhr aktualisiert.