Vom Sterben, Trauern, Trösten

Interview: Welche Ängste Todkranke oft haben

Michael Neubauer

Von Michael Neubauer

Do, 29. April 2021 um 20:00 Uhr

Südwest

BZ-Abo Sterben in Würde: Die Freiburger Palliativmedizinerin Gerhild Becker sieht dieses Schlagwort kritisch. Im Interview erzählt sie von den Sorgen und Wünschen Schwerstkranker – und davon, was am Sterbebett manchmal an Wundern passiert.

Als Diplom-Theologin und Ärztliche Direktorin der Klinik für Palliativmedizin an der Freiburger Universitätsklinik kennt Gerhild Becker die Sorgen und Wünsche todkranker Menschen – und bezeichnet das Schlagwort "Sterben in Würde" kritisch als Modebegriff. Ein Gespräch über den Respekt gegenüber Sterbenden, Wunder am Sterbebett und über eine Medizin, die liebevoll lassen kann.
BZ: Frau Becker, wie würden Sie selbst einmal gerne sterben?
Gerhild Becker: Ich bin froh, dass ich das nicht bestimmen, sondern mit einer gewissen Gelassenheit auf mich zukommen lassen kann. Denn die wirklich wichtigen Dinge in unserem Leben wie die Liebe und das Sterben haben wir nicht in der Hand. Ich finde, das hat etwas Tröstliches.
BZ: Sie erleben in Ihrer Klinik Tag für Tag todkranke Menschen. Was sind deren typischen Ängste und Sorgen?
Becker: Es gibt im Wesentlichen drei Gruppen von Ängsten: Einmal die Angst vor körperlich belastenden Symptomen wie starken Schmerzen oder schlimmer Atemnot. Dann fürchten viele Schwerkranke, dass sie ihren Angehörigen zur Last fallen, etwa weil sie pflegebedürftig werden. Und es gibt oft die Angst, kein natürliches Sterben zu erleben, sondern ein fremdbestimmtes an Apparaten einer Hightech-Medizin. In der Palliativmedizin versuchen wir, auf alle diese Ängste eine Antwort zu geben.
BZ: Wie sehr dürfen Sie diesen schwer kranken Menschen noch Hoffnung machen?
Becker: Es geht bei uns viel um Hoffnungen, um ganz individuelle und konkrete. Sei es, ob jemand noch einmal die Feiertage zu Hause mit gut eingestellten Schmerzmedikamenten verbringen kann. Ob sich seine Atemnot so gut lindern lässt, dass für ihn ein letztes Mal eine Busreise ans Nordkap möglich wird. Oder ob sie oder er noch einmal mit den Angehörigen sprechen kann über wichtige Dinge, um danach in Frieden gehen zu können.
BZ: Wie lässt man jemanden in Würde diese letzten Wochen, Tage, Stunden verbringen?
Becker: Sterben in Würde – dieses Schlagwort ist heutzutage schwer in Mode. Aber es wäre eine Anmaßung, wenn ich sagen würde: Ein Sterben in der Palliativmedizin, bei dem die Krankheitssymptome gut gelindert werden, ist automatisch ein Sterben in Würde. Denn wir Menschen haben alle eine unverlierbare Würde. Diese muss nicht erst hergestellt werden, sie kann auch nie verloren gehen, sie ist uns zu eigen durch das Menschsein – unabhängig von den äußeren Bedingungen unseres Lebens und Sterbens. Menschen sterben so individuell wie sie auch individuell gelebt haben. Deswegen können wir von außen nicht bewerten, was ein Sterben in Würde ist und was nicht.
"Ein Mensch darf so leben und sterben, wie es ihm ...

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