Interview

Ist Politik für Frauen etwas anderes als für Männer, Frau Süssmuth?

Stephanie Streif

Von Stephanie Streif

So, 10. Januar 2021 um 09:52 Uhr

Deutschland

BZ-Plus Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin von 1988 bis 1998, stieß immer wieder auf Widerstände in der Männerwelt der Bonner Republik. Wie ging sie damit um? Was gab ihr Kraft, sich durchzusetzen?

Rita Süssmuths frauenpolitische Modernität hat in den 80er Jahren sogar Politikerinnen der Grünen überrascht: "Die überholt uns links" soll die damalige Bundestagsabgeordnete Christa Nickels einmal gesagt haben. Als Ministerin für Jugend, Familie, Gesundheit und Frauen im Kabinett Helmut Kohls und später als Bundestagspräsidentin stieß Süssmuth immer wieder auf Widerstände, vor allem innerhalb ihrer Partei. Ein Gespräch über ihre Hartnäckigkeit.
BZ: Frau Süssmuth, können Sie in wenige Sätze packen, was Politik für Sie ist?
Süssmuth: Politik, wie ich sie begreife, geht weit über den Bereich des Politisch-Parlamentarischen hinaus. Politik ist das öffentliche Leben, das wir alle mitgestalten sollten. Politik betrifft das Leben eines jeden Menschen und die Gestaltung unseres Planeten, unserer Welt. Es geht entscheidend um unser privates und öffentliches Leben, um Einflussnahme und Gestaltungsmöglichkeiten, um Veränderung zu einem gelingenden Leben auf allen Ebenen: lokal, regional, national, europäisch und global. Die kommunale Ebene ist eine ganz entscheidende Ebene, hier wird gelernt, was politische Gestaltung heißt. Leider haben viele Menschen vergessen, wie wichtig das Kommunale ist, um Politik mitzugestalten.
BZ: Ist Politik für Frauen etwas anderes als für Männer?
Süssmuth: Das ist eine wichtige Frage. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir aus einer Vergangenheit kommen, in der die Politik ein Feld war, das fast ausschließlich von Männern besetzt und gestaltet wurde. Und wenn Frauen, wie zum Beispiel zur Zeit der Französischen Revolution oder in der Weimarer Republik, dieses Feld betraten, leisteten die Männer Widerstand, auch große Gelehrte. Frauen seien zu emotional, hieß es dann. Ein Blick nach Belarus lehrt uns, dass Frauen nicht ohnmächtig sind, sondern sehr wohl etwas bewegen können. Nur leider liegen Frauen, was ihre Beteiligung und Einflussnahme im Politischen angeht, noch immer zurück. Die Politik sollte die Domäne der Männer bleiben. Dagegen haben sich Frauen mit Erfolgen und Rückschlägen zur Wehr gesetzt.
Pro & Contra: Bringt das Gendern des Online-Duden die Geschlechtergerechtigkeit voran?
BZ: Im Sommer 1985 bestellte Sie Helmut Kohl zu sich ins Kanzleramt ein und bot Ihnen – für Sie völlig überraschend – das Ministerium für Familie und Gesundheit an. Damals leiteten Sie das von der CDU eingerichtete Institut Frau und Gesellschaft in Hannover. Was bewog Sie dazu, als Wissenschaftlerin in die Politik zu gehen?
Süssmuth: Ja, damals war ich sehr ...

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