Corona-Verordnung

Jetzt ist nicht die Zeit für Privatpartys – auch nicht zu Hause

Simone Lutz, Jens Schmitz und Oliver Huber

Von Simone Lutz, Jens Schmitz & Oliver Huber

Di, 24. März 2020 um 20:11 Uhr

Südwest

Mit Freunden auf der Terrasse grillen? Die Freundin in ihrer Wohnung treffen? Was davon ist erlaubt? Die Corona-Verordnung wirft etliche Fragen auf. Wir beantworten die wichtigsten.

Ist es in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen verboten, mit zwei Freunden auf der Terrasse zu grillen? Dürfen sich Pärchen, die in getrennten Wohnungen leben, nur noch auf offener Straße treffen? Eine entsprechende Aussage von Freiburgs Oberbürgermeister in einer Berliner Zeitung hatte für Irritationen gesorgt. Sie war aber nur einer Kommunikationspanne geschuldet – die Grenze liegt weiterhin bei fünf Personen.

"Auch im privaten Haushalt sollten die Abstands- und Hygieneregeln sowie räumliche Distanz eingehalten werden." Sprecher des Sozialministeriums
Laut der Corona-Verordnung sind außerhalb des öffentlichen Raums Versammlungen von mehr als fünf Menschen verboten. Ausnahmen gibt es nur, wenn die Betroffenen direkt miteinander verwandt sind oder im selben Haushalt leben. Der Geist dieser Vorschrift ist eigentlich klar – um die Ausbreitung des Virus zu bremsen, sollen soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert werden.

Unklarheit herrschte vielerorts trotzdem darüber, ob die konkrete Vorgabe auch für die eigenen vier Wände gilt. Eine Nachfrage beim zuständigen Sozialministerium bestätigte am Dienstag: Ja, abgesehen von den genannten zwei Ausnahmen sind auch in Privatwohnungen Treffen von mehr als fünf Menschen verboten. Das ist flächendeckend natürlich kaum kontrollierbar. Und auch Kaffeestündchen zu viert oder zu dritt erhöhen das Risiko einer Infektionsweitergabe.
Aktuelle Fallzahlen: Nach einer Mitteilung des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald am Mittwochmorgen gab es – als Momentaufnahme – in der Stadt Freiburg 235 bestätigte Corona-Fälle, im Landkreis 248.

Interview mit OB Martin Horn sorgt für Verwirrung

Deshalb "appellieren wir nochmals eindringlich an die Menschen im Land, dass jetzt nicht die Zeit für Privatpartys oder ähnliches ist", sagte ein Sprecher. "Auch im privaten Haushalt sollten die Abstands- und Hygieneregeln sowie räumliche Distanz eingehalten werden. Je besser sich die Menschen daran halten, umso schneller kommen wir zum Normalzustand zurück. Dafür sollten jetzt alle einen Beitrag leisten."

Doch wie weit gehen die Regelungen? Betreffen sie auch schon Zweier- oder Dreier-Treffen? Einige Verwirrung war hinsichtlich dieser Frage entstanden, weil Freiburgs OB Martin Horn in einem Interview mit dem Tagesspiegel gesagt hatte, "einfach nur privat eine Freundin oder einen Freund zuhause zu treffen, ist untersagt". Das stimmt allerdings nicht; die Aussage hätte bei der Autorisierung des Interviews korrigiert werden sollen, war aber durchgerutscht.

Freiburg war die erste deutsche Großstadt, die vergangene Woche ein Betretungsverbot verhängt hatte. Von der Corona-Verordnung des Landes, die seit Montag gilt, unterscheidet sich die örtliche Allgemeinverfügung grundsätzlich in zwei Dingen. Erstens: In Freiburg sind Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln an einen Zweck gebunden. Leute dürfen zum Arzt fahren, zum Einkaufen, zur Arbeit oder wenn sie ihre Kinder in die Notbetreuung bringen. Fahrten zum Vergnügen sind untersagt. In der Landesverordnung gibt es dagegen keine spezielle Regelung für den ÖPNV.



Zweitens: Freiburgs Betretungsverbot gilt nur für den öffentlichen Raum. Die Regelungen für den Privatbereich stehen nur in der Landesverordnung – gelten aber auch im Breisgau und den anderen Landkreisen in Südbaden. Bei Zweifelsfällen verweisen sie auf die Hotline des Landes unter der Nummer 0711/904-39555.
Die Verordnung in mehreren Sprachen unter: mehr.bz/corona-verordnung

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