Kandergrund wird klimaneutral

Hannes Lauber

Von Hannes Lauber

Sa, 20. März 2021

Binzen

Anker-Projekt in Hof 1 arbeitet mit Erdwärme und Wärmepumpen, gibt damit aber auch Standards für die weiteren Bauherren vor.

. Auf dem früheren Sportgelände von Binzen soll eine klimaneutrale Siedlung entstehen. Der Gemeinderat hat am Donnerstag das Anker-Projekt im ersten von drei Abschnitten des Kandergrund genannten Areals an eine Bieter-Gruppe aus dem Stuttgarter Raum vergeben, die eine Tiefgarage mit 56 Plätzen für die gesamte Wohnanlage sowie zwei Wohnblöcke bauen wird.

Die Gemeinde Binzen strebt im Gebiet Kandergrund eine Bebauung an, die kleinteilig und lebendig sein und deshalb nicht aus einer Hand gebaut werden soll. Die Realisierung ist in drei Höfen vorgesehen, in denen sich mehrere Gebäude um eine zentrale Freifläche gruppieren unter der sich eine Tiefgarage befindet. Die Umsetzung erfolgt in einem zweistufigen Verfahren. Erst wird ein Partner gesucht, der als Anker-Projekt die Tiefgarage baut, die Freiflächen strukturiert und bis zu 30 Prozent der Gebäude übernehmen kann. Die restlichen Gebäude werden an Anlieger-Projekte vergeben, für die interessierte Bauherren Vorschläge einreichen können.

In einem ersten Schritt ist nun Hof 1 in Angriff genommen worden. Der Gemeinderat hat am Donnerstag den Bauherren des Anker-Projekts unter fünf Bewerbern einstimmig ausgewählt. Dessen Projekt sieht vor, dass die Energieversorgung des gesamten Abschnitts (Hof 1) über Erdwärmesonden und Wärmepumpen erfolgt, den nötigen Strom liefern Photovoltaikanlagen. Der Anschluss an diese Wärmeversorgung ist für die übrigen Bauherren verpflichtend. Das Konzept macht es zudem erforderlich, dass alle Gebäude dem Energiestandard KfW 40+ entsprechen. Die Photovoltaik ist so ausgelegt, dass Ladestationen für E-Autos an allen Stellplätzen ober- und unterirdisch möglich sind.

Zudem wird der Ankerpartner einen Gemeinschaftsraum mit 52 Quadratmetern bauen, der später von einem Verein betrieben wird und für gemeinsame Veranstaltungen oder Familienfeiern zur Verfügung steht. In den beiden Wohnblöcken, die die Bietergemeinschaft errichtet, entstehen im einen Fall Eigentums-, im anderen Mietwohnungen, wobei ortsübliche Mieten zugesagt sind.

Der Bietergemeinschaft gehören der Projektentwickler "lpundh" , der Bauträger Projektbau Heiss-Himmelhaus und das Architekturbüro "lpundh", alle aus Kircheim-Teck, der Landschaftsarchitekt Welsner+Welsner aus Nürtingen, der Wärmeversorgungsplaner Schäffler sinnogy aus Freiburg und der Tragwerksplaner Werner & Balci aus Esslingen an.

Im Gemeinderat war man sich einig, dass das ausgewählte Konzept die Anforderungen am besten erfüllt. Frank Krumm wertete es als "bestmögliche Lösung für die Dorfentwicklung", Oliver Baumert nannte es "außergewöhnlich, mit Vorbildcharakter" und kann sich gut vorstellen, dass es Nachahmer finden wird. Bürgermeister Schneucker war "begeistert", weil es eine klimaneutrale Lösung gibt, und hielt fest, dass das Projekt mehrfachen Mehrwert bietet: für die Bewohner wegen der kleinteiligen Lösungen und Synergien sowie des Gemeinschaftsraums, für Binzen, weil ein zum Ort passendes Quartier entsteht, und für das Klima, weil es CO2-neutral sein wird.

Die Pläne der Bietergemeinschaft werden nun weiter ausgearbeitet und im Juni öffentlich vorgestellt. Parallel dazu haben interessierte Bauherren Gelegenheit, sich für ein Anlieger-Projekt zu bewerben. Laut Schneucker gibt es bereits zahlreiche Anfragen. Die Kaufpreise für den Baugrund sind je nach Gebäudetyp auf 535 bis 730 Euro pro Quadratmeter festgeschrieben. Den Zuschlag erhält, wer das überzeugendste Konzept, die beste Idee einbringt. Die Entscheidung liegt im August beim Gemeinderat.

Verkauft werden die Grundstücke aber erst, wenn alle Bauherren ihre Bauanträge eingereicht und die Gemeinde somit die Möglichkeit hatte, die Einhaltung der eingereichten Konzepte zu kontrollieren. Um Grundstücksspekulationen zu vermeiden, hat der Gemeinderat zudem ein Wiederkaufsrecht vorgesehen, das es der Gemeinde erlaubt, frühestens nach 80 Jahren die Grundstücke zum Verkaufswert inklusive Inflationsausgleich und die Gebäude zum Zeitwert zurückzukaufen. Diese Einschränkung wirke offenbar nicht abschreckend, hielt Schneucker fest, sonst hätten sich kaum fünf Bewerber für das Anker-Projekt gemeldet.