Zweite Corona-Welle

Kanderner Ärzte warnen: Das Virus ist vor der Tür

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Di, 27. Oktober 2020 um 17:04 Uhr

Kandern

In Kandern gibt es aktive Corona-Fälle, die den Ärzten bekannt sind. Sie warnen vor einer Verharmlosung der Situation und fordern die Bürger auf, Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Als seine Pflicht sieht es der Hausarzt Joachim Gieringer an, davor zu warnen, dass das Coronavirus auch im Kandertal direkt vor der Haustüre lauert. "In Kandern und Malsburg-Marzell haben wir Hausärzte in den vergangenen Tagen bereits wieder eine zweistellige Zahl Covid-19-Erkrankter gesehen", schreibt er in Absprache mit Kolleginnen und Kollegen. Vor diesem Hintergrund sei die umfassende Information der Bevölkerung ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitsvorsorge, weiß er – auch wenn er sich mit der Preisgabe der Zahlen in Widerspruch zum Landratsamt begibt, das seinerseits das Herunterbrechen der Kreiszahlen auf die betroffene Gemeinden nicht vornimmt und dabei auf den Datenschutz verweist.

Viele unterschätzen die Gefahr

Was die Ärzte Gieringer, Picht-Rothweiler, Reimold sowie das Ehepaar Wiedemann antreibt, ist die Beobachtung, dass viele das Virus immer noch verharmlosen und sich in Sicherheit wiegen in der Meinung, dass in und um Kandern bezüglich Corona noch alles ruhig sei. Immer wieder seien sie damit konfrontiert, so die Ärzte, dass Patienten erzählen, sie hätten ja bisher gar nicht davon gelesen, dass das Kandertal betroffen sei.

Gesundheitssystem bei der Nachverfolgung am Limit

"Die Realität sieht anders aus", treten die Ärzte dem Eindruck entgegen. Zwar seien die Krankheitsfälle bislang eher leicht, ändern werde sich dies aber wohl dann, wenn wieder mehr ältere Mitbürger erkrankten, erklärt Gieringer. Aufgrund der rasanten Ansteckungs-Dynamik sei bereits jetzt die zeitnahe Nachverfolgung von Kontakten kaum möglich, stellt er fest. "Wir Hausärzte appellieren daher an alle, die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen wie Kontakte reduzieren, Abstand halten, Hände waschen, Alltagsmaske, Lüften und Corona-App einzuhalten", schreibt Gieringer. "Jetzt können wir den Verlauf der Pandemie noch beeinflussen, aber jeder Einzelne von uns ist gefordert", legt er jedem ans Herzen.

Das Landratsamt hält weiterhin an seiner Kommunikationsstrategie fest: Die Fälle werden nicht auf die Orte aufgeschlüsselt bekanntgegeben. Dies hatte am Montag ein Sprecher der Behörde bekräftigt.