Kandidaten und Jugendliche kommen ins Gespräch

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Mi, 22. Mai 2019

Efringen-Kirchen

Das Kreisjugendreferat lud in die Aula des Schulzentrums zu "Politik und Pizza" / 20 junge Leute hatten viele Fragen.

EFRINGEN-KIRCHEN (vl). Das Angebot "Politik und Pizza" brachte am Montag in Efringen-Kirchen 14 Gemeinderäte und Kandidaten zur Gemeinderatswahl und 20 Jugendliche zusammen. Wer in die Schulaula gekommen war, war durchaus gespannt, wie das ablaufen würde. Am Ende hieß es aber von beiden Seiten unisono, dass sich das Zusammenkommen gelohnt hat. Und wer von den jungen Leuten schon 16 ist und am Sonntag wählen darf, der wird es auch tun, wie eine Abfrage zeigte.

Eingeladen hatten die AG Jugend im Landkreis Lörrach unter der Leitung des Kreisjugendreferates zusammen mit der Jugendarbeit Efringen-Kirchen und Jugendbetreuer Jens Künster. Von allen vier Gemeinderatsfraktionen waren Vertreter gekommen – von CDU/U, FDP/FB, den Grünen und der SPD. Zu den Jugendlichen gehörten Schüler aus der Gemeinde, junge Leute, die das örtliche Jugendzentrum (Juz) besuchen, aber auch politisch besonders Interessierte aus der Nachbarschaft – etwa aus Haltingen. Während die jungen Leute an ihren Tischen sitzenbleiben konnten, mussten die Kommunalpolitiker wechseln. Eine Gesprächsrunde dauerte dann pro Fraktion 15 Minuten, was durchaus knapp bemessen war. Denn es gab – war das Eis einmal gebrochen – einen lebhaften Austausch.

Da ging es zum einen um grundlegende Fragen wie: "Was macht eigentlich ein Gemeinderat, wofür ist er zuständig?" Karlfrieder Hess (SPD) fand, "das Tolle an der Gemeinderatsarbeit ist, dass es dabei um konkrete Themen der Bürger geht, um die Schule und Straßen, um Baugebiete und die Jugend." Anja Schaffhauser (Grüne) erklärte den demokratischen Entscheidungsprozess, wie man versuchen müsse, bei anderen Fraktionen um Unterstützung für ein Vorhaben zu werben, um Mehrheiten zu bekommen. Es ging aber auch um konkrete Anliegen, um das Jugendzentrum etwa, für das Jugendliche sich eine feste Bleibe wünschen. Wichtig war den jungen Leuten auch ein besserer Nahverkehr. "Ich gehe in Lörrach zur Schule, aber die Verbindung dorthin ist so schlecht, und wenn man abends dort Freunde besucht, kommt man nicht mehr heim", berichtete eine Schülerin. Dazu passte dann, dass zur Halbzeit einige Jugendliche aufbrechen mussten: "Wir müssen auf den Zug".

Auch die Bauplatzvergaberichtlinien wurden gestreift. Viel mehr bewegte die Jugendlichen aber das Fehlen bezahlbarer Wohnungen. "Keiner zieht daheim aus und baut sich ein Haus", meinte ein Abiturient. Stephan Schwarzmüller, junger Kandidat auf der CDU-Liste, bedauerte, "dass, wenn Wohnungen gebaut werden, es nur Luxuswohnungen sind". Er fand: "Dagegen müssen wir etwas tun."

Die Kandidaten genossen es sichtlich, Jugendliche gegenüber zu haben, deren Meinung man erfragen kann. Wie sehen sie zum Beispiel den Vandalismus am Schulzentrum?, wollte man am FDP/FB-Tisch wissen. Eine Schülerin fand da: "Wenn die Toilette schon so ranzig aussieht, meint wohl mancher, da kann man ruhig noch mehr kaputt machen." Ein Schüler schilderte seine Beobachtung von einem kleinen Schaden, der immer größer wurde. "Ach so, dann ist es vielleicht umgekehrt, als wir denken", meinte Rat Kevin Brändlin (FDP/FB). "Wir fürchten, dass wir renovieren und Schüler bald alles wieder kaputt machen, Euch wäre aber eine renovierte Schule wichtig?"

Van Do (18), der in der Nähe des Recyclers Kühl wohnt, bekannte, dass ihm der jüngste Brand Angst gemacht habe. "Warum wird da nichts gemacht?" Die Antwort, der Gemeinderat habe dagegen wenig Handhabe und Kühl Bestandsschutz, stellte ihn nicht zufrieden. Er hatte den Eindruck, "die Politiker weichen aus, einer schiebt die Verantwortung auf den anderen". Für die Veranstaltung hatte Van Do am Ende aber nur Lob: "Es war super, ich habe viel gelernt."Das bestätigten auch die Erstwählerinnen Milena Bauer (16) und Ida Ziereisen (16). "Richtig interessant war es, ich würde es jedem weiterempfehlen", sagte Milena und Ida fand gut, "dass man die Kandidaten kennenlernen, mit ihnen diskutieren konnte."

Die Kandidaten zeigten sich am Ende von den interessierten und engagierten jungen Leute beeindruckt. Für sie bestätigte sich damit, wie wichtig es ist, dass sie sich am politischen Prozess beteiligen. "Kommt auf uns zu, wenn Ihr ein Anliegen habt, und kommt auch mal in den Gemeinderat", so ihr Appell.

Die Gemeinderatskandidaten finden Sie unter mehr.bz/kandidaten2019