Kein Tiertransport nach Kasachstan

Bernhard Walker

Von Bernhard Walker

Mi, 09. Oktober 2019

Wirtschaft

Rinder und Schweine könnten auf der Tausende Kilometer langen Strecke nicht versorgt werden.

BERLIN. Die EU-Regel ist glasklar: Bei Langstreckentransporten müssen Rinder nach maximal 29 Stunden Fahrt abgeladen, gefüttert und getränkt werden. Und diese Bestimmung gilt auch für Transporte in Staaten außerhalb der EU. Eine Recherche von deutschen Amtsveterinären zeigt allerdings, dass es auf der Route nach Zentralasien keine Versorgungsstationen gibt. Deshalb haben die Bundesländer nun Konsequenzen gezogen.

Schon seit geraumer Zeit sind Usbekistan und Kasachstan ein Markt für deutsche Züchter. Dorthin lieferten sie im vergangenen Jahr knapp 11 200 Tiere. Genauso lange jedoch beschleicht Amtsveterinäre und Tierschützer der Verdacht, dass die Transporte nach Zentralasien nicht regelkonform ablaufen und somit gar nicht genehmigt werden dürften. Um die Lage vor Ort zu erkunden, reisten auf Initiative der hessischen Tierschutzbeauftragten Madeleine Martin drei Veterinärinnen nach Russland.

Das Ergebnis: Auf dem Weg nach Kasachstan und Usbekistan gibt es nur zwei Versorgungsstationen. Und sie sind nicht so ausgestattet, wie es die EU-Vorgaben zum Beispiel in puncto Stallgröße, tierärztliche Behandlung oder Wasserversorgung vorsehen. Die Veterinärinnen stellten auch fest, dass es östlich der Region von Smolensk gar keine adäquaten Stationen gibt. Und von dort sind es bis nach Kasachstan und Usbekistan noch Tausende Kilometer. In den Fahrtenbüchern von Transporteuren tauchen zwar Stationen rund um die Stadt Samara auf, die etwa 1000 Kilometer südöstlich von Moskau liegt. Entweder fanden sich unter den genannten Adressen Ruinen ehemaliger Bauernhöfe oder auch schlicht gar nichts.

Martin schildert auch ihr Gespräch mit zwei Veterinären aus Samara: "Beide russische Kollegen machten deutlich, dass es bis zu diesem Tag keinerlei registrierte Versorgungsstationen in der Region Samara gäbe." Deshalb seien die russischen Gesprächspartner erstaunt gewesen, dass in Deutschland überhaupt Tiertransporte abgefertigt würden, die die Region durchquerten. Aus Sicht von Martin und ihrer Reisebegleiterinnen gibt es somit nur ein Fazit: Langstreckentransporte nach Kasachstan, Usbekistan sowie in das südöstliche Russland sind rechtskonform nicht möglich.

Denn den Tieren würden dabei "langanhaltende und erhebliche Leiden und Schäden zugefügt". Sie könnten sich nicht ablegen, seien hungrig und durstig. Es sei auch zu schmerzhaften Todesfällen gekommen, weil Tiere miserables Futter ("Fremdkörper im Heu") bekommen hätten. Die Agrarminister der Länder sehen das genauso. Ende September beschlossen sie auf ihrer Konferenz in Mainz, dass Transporte nach Kasachstan und Usbekistan nicht mehr genehmigt werden.

Dagegen läuft die Züchter-Lobby Sturm. Es sei nicht bewiesen, dass Tiere auf Langstreckentransporten gelitten hätten, sagt Bianca Lind vom "Bundesverband Rind und Schwein." Auch für Exporte nach Usbekistan gebe es Routen, bei denen die Tierschutz-Anforderungen erfüllt würden. Lind lässt aber die Frage offen, welche Routen das sein sollen und wer wann wie geprüft hat, ob es dort tatsächlich Versorgungsstationen gibt.