Baden-Württemberg

Kita-Öffnung bleibt ungewiss – Politik wartet auf Wissenschaft

Axel Habermehl, dpa, BZ

Von Axel Habermehl, dpa & BZ-Redaktion

Do, 21. Mai 2020 um 21:24 Uhr

Südwest

Eltern beschäftigt derzeit kaum etwas mehr, als die Frage, wann die Kitas wieder öffnen. Doch das hängt von Studien ab, die noch laufen – und an denen sich manche Familien beteiligen können.

Ob und wann Stätten der Kinderbetreuung in Baden-Württemberg ihr Angebot wieder ausweiten, ist völlig offen. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) kündigte am Mittwoch im Landtag erneut an, die Entscheidung darüber von Ergebnissen einer Studie abhängig zu machen, die derzeit an den Unikliniken des Landes unter Federführung von Heidelberger Forschern erstellt wird. Ohne wissenschaftliche Grundlage könne sie keinen Beschluss fassen, sagte Eisenmann. Sie selbst neige zu einer weiteren schrittweisen Öffnung.

Die Studie der Landesregierung, auf deren Basis sie entscheiden will, erwartet die Ministerin "in den nächsten Tagen". Wissenschaftler untersuchen, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus spielen. Ursprünglich waren Ergebnisse für Mitte Mai angekündigt. Eine Sprecherin der Uniklinik Heidelberg teilte am Mittwoch mit: "Uns liegen noch keine Infos vor, wann belastbare Ergebnisse kommuniziert werden können."

Freiburger Uniklinik sucht Familien für Studie

Um im Detail zu erforschen, wie das Coronavirus in Familien gelangt und sich darin verbreitet, sucht die Freiburger Uniklinik derzeit nach Familien mit mindestens einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion. "Dieser Teil der Untersuchung ist sehr bedeutsam um aufzuklären, welche Rolle Familien in der Pandemie spielen und wie sie geschützt werden können", sagt Prof. Dr. Philipp Henneke, der Leiter der Sektion für Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg. "Die Studie soll dabei helfen, in Zukunft gezielt auf Infektionshäufungen reagieren zu können."

In einem ersten Studienteil haben die Wissenschaftler untersucht, wie viele Kinder zwischen 1 und 10 Jahren aus rund 2.000 Haushalten nachweislich in Kontakt mit dem Coronavirus gekommen sind. Die Ergebnisse dieses Studienteils werden derzeit für die Veröffentlichung aufbereitet, hieß es.
Die Uniklinik sucht Familien:
  • mit mindestens einem Mitglied, bei dem per Nasen- und/oder Rachenabstrich eine SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen wurde
  • mit Wohnsitz in Baden-Württemberg
  • mit mindestens einem Mitglied unter 18 Jahren
  • ohne schwere Grunderkrankungen
Die Studie wird vom 25. bis 29. Mai in Freiburg durchgeführt und dauert etwa 45 Minuten. Teilnehmer beantworten einen Fragebogen, anschließend wird ein Nasen-/Rachenabstrich sowie eine Blutprobe entnommen – ein Test auf Coronaviren und ein Antikörpertest.

Interessierte Familien können sich unter corona.kinderstudie@uniklinik-freiburg.de melden. Weitere Informationen: www.corona-kinderstudie.de

Ministerin Karliczek warnt vor "Überbietungswettbewerb"

Teile der Opposition warfen Eisenmann Versäumnisse bei der jüngsten Ausweitung der Kinderbetreuung vor. Eine sofortige und komplette Kita- oder Schulöffnung forderte aber keine Fraktion. Seit der neuesten Verordnung vom vergangenen Wochenende dürfen seit Montag maximal 50 Prozent der Kinder wieder in ihren Kitas betreut werden. Die Kommunen bekamen die Verordnung des Landes allerdings so kurzfristig, dass sie noch Zeit für die Planungen benötigen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek warnte vor einem "Überbietungswettbewerb" in der Debatte. "Wir alle wünschen uns, dass Kitas und Schulen möglichst rasch wieder vollständig öffnen können", sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Mit entsprechenden Forderungen dürfe man es aber nicht übertreiben.

Mehrere Medizinerverbände hatten dafür plädiert, die Einrichtungen umgehend zu öffnen. Das Übertragungsrisiko durch Kinder scheine gering, hieß es. Auch Familienministerin Franziska Giffey (SPD) regte eine rasche Öffnung an. Über das Tempo entscheiden die Länder aber selbst – so sind in Sachsen Grundschulen und Kindergärten für alle seit Wochenbeginn wieder geöffnet.