Hanau

Kurz nach dem Attentat kam das Vergessen

Marius Buhl

Von Marius Buhl

Sa, 04. April 2020 um 18:57 Uhr

Deutschland

Im hessischen Hanau erschoss vor rund sechs Wochen ein Mann zehn Menschen. Doch die so wichtige Trauerarbeit ist wegen der Corona-Krise zum Erliegen gekommen. Ein Besuch.

Will man den Oberbürgermeister der Stadt Hanau in diesen Tagen am Telefon erreichen, braucht man es an einem Ort nicht zu versuchen: im Rathaus. An seinem angestammten Amtssitz war Claus Kaminsky von der SPD, 60 Jahre alt, seit Wochen nicht mehr. Zunächst, nach dem Attentat vom 19. Februar, konnte man erfahren, dass er ins Kongresszentrum der Stadt gezogen sei, dort leitete er den Krisenstab. Und dann, im Anschluss? "Sind wir ins Gefahrenabwehrzentrum gewechselt", teilt seine Assistentin mit .
Wie soll Normalität einkehren, wenn es Normalität nicht mehr gibt?
Ein Krisenstab löst den nächsten ab. Ein Bürgermeister regiert aus einem Gefahrenabwehrzentrum. Eine Stadt im Ausnahmezustand vom Ausnahmezustand. "Dieses Virus", sagt Kaminsky schließlich am Telefon, "trifft uns zur absoluten Unzeit. Wir hätten jetzt nichts dringender gebraucht als Zeit. Zeit, um zur Ruhe zu kommen, Trauerarbeit zu leisten, Kraft zu schöpfen." Zeit, die es nicht mehr gibt.
Die Stadt Hanau, 100 .000 Einwohner, bislang vor allem bekannt für seine drei berühmtesten Bürger, die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sowie Rudi Völler, teilt sich jetzt das Schicksal mit Städten wie Brüssel, Christchurch, Halle oder Paris. Sie befindet sich in diesen Tagen in einem Prozess: Steht sie zusammen? Oder lässt sie sich spalten, wie der Attentäter das wollte? Während andere Anschlagsorte ihr Trauma in Ruhe aufarbeiten konnten, stellen sich in Hanau aber zusätzlich ein paar brutale Fragen: Wie soll eine Stadt zusammenrücken, wenn es plötzlich keine Öffentlichkeit mehr gibt? Wie sollen Wunden in der Isolation heilen, ohne Betreuung, Hilfe? Wie soll Normalität ...

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