BZ-Check Hochrhein/Hotzenwald

Laufenburg ist die Nummer eins am Hochrhein

Martin Köpfer

Von Martin Köpfer

Di, 28. Juni 2022 um 00:00 Uhr

Laufenburg

Die BZ hat Bürger aus acht Gemeinden befragt, wie gut es sich am Hochrhein und im Hotzenwald lebt. Die Lebensqualität ist in Laufenburg, der "Perle am Hochrhein" am höchsten.

Die Stadt Laufenburg hat beim BZ-Check in der Region Hochrhein/Hotzenwald unter acht Gemeinden, in denen die Befragung stattgefunden hat, den ersten Platz belegt. In allen Kategorien zusammengenommen erreichte Laufenburg den Wert von 6,4 bei Bewertungen von null bis zehn bei einem Durchschnitt von 5,9 bei allen Gemeinden. Besonders schätzen die Teilnehmer die Lebensqualität, den Einzelhandel und die Sauberkeit in der Stadt.

Laufenburg liegt in acht von 14 Kategorien ganz vorne

"Wir haben einen ganz hervorragenden Mix." Laufenburgs Bürgermeister Ulrich Krieger
Bei der Lebensqualität erreicht Laufenburg mit dem Spitzenwert von 8,3 mit deutlichem Abstand auch den Spitzenplatz unter den acht Städten und Gemeinden. Rickenbach, das im Gesamtranking auf dem zweiten Platz liegt, kommt bei der Lebensqualität auf 7,7 Punkte, was auch hier den zweiten Platz ausmacht.

Dass Laufenburg ganz vorne liegt, freut Bürgermeister Ulrich Krieger, wobei dieser nicht verwundert ist, dass die Stadt beim weit umspannenden Punkt Lebensqualität so gut abschneidet. "Wir haben einen ganz hervorragenden Mix mit einer schönen Altstadt, einem hohen Freizeitwert mit Rhein und Wald, haben überall kurze Wege und können beim Einzelhandel, Schulen sowie Kindergärten und Kitas punkten", kommentiert er auf Nachfrage das Ergebnis der Befragung.

Und tatsächlich wird der Einzelhandel in Laufenburg mit einer Punktzahl von 8,0 am besten bewertet – besser als beispielsweise Bad Säckingen mit der 7,5 auf dem zweiten Platz. Gerade auch der Einzelhandel hat sich nach Kriegers Einschätzung nicht nur quantitativ beispielsweise mit dem Laufenpark, sondern auch qualitativ sehr stark weiterentwickelt. Krieger nennt dabei mit dem "E-Biker" und "Obi" die letzten beiden Groß-Unternehmen, die sich in Laufenburg angesiedelt haben und starke Strahlkraft weit über den Ort hinaus haben.
Der BZ-Check Hochrhein/Hotzenwald, eine große Online-Befragung, lief vom 21. Mai bis 12. Juni. Insgesamt haben 1205 Menschen aus acht Gemeinden des BZ-Redaktionsgebietes Bad Säckingen und darüber hinaus mitgemacht. 107 Teilnehmer und Teilnehmerinnen kamen aus Murg. 27 Prozent aller Teilnehmer waren 65 Jahre und älter, 42 Prozent zwischen 46 und 64 Jahren, 20 Prozent zwischen 32 und 45 Jahren, und die restlichen zehn Prozent verteilen sich auf jüngere Teilnehmer. Der größte Teil der Befragten war mit 59 Prozent verheiratet, 13 Prozent leben in einer festen Beziehung, acht Prozent sind ledig. Die Verteilung der Geschlechter: 53 Prozent der Teilnehmer waren männlich, 45 Prozent weiblich, zwei Prozent machten keine Angaben.

Besonders gut wird in Laufenburg mit einem Wert von 7,3 – dicht gefolgt von Rickenbach mit 7,2 – auch das Sportangebot und generell das Angebot der örtlichen Vereine bewertet. Die Vereine machen "ein unheimlich großes Angebot", freut sich Krieger, und das beileibe nicht nur durch die beiden großen, den TV und den SV 08. Krieger nennt neben den Vereinen aber auch noch beispielsweise die private "Halle 12" mit Tanz, Musik und Boulder, deren Betreiber zusätzlich auch viele andere Aktionen offerieren.

Dass die Stadt mit der eher mäßigen Bewertung von 5,1 noch auf dem ersten Platz landet, spricht eigentlich Bände und gleichzeitig dafür, dass die Bürger und Bürgerinnen quer durch alle Gemeinden mit dem öffentlichen Personennahverkehr und dem Radwegenetz nicht zufrieden sind. Diese Kategorie bildet die am schlechtesten bewertete mit einem Gesamtdurchschnitt von nur 4,2. Laufenburg kann verglichen mit anderen Orten immerhin mit zwei Bahnhöfen punkten, wenn auch eine bessere Taktung durch den durchfahrenden Interrgio-Zug fehlt.

In Sachen ÖPNV gibt’s in den Stadtteilen noch Luft nach oben

In den Ortsteilen gebe es zwar den Stadtbus, der aber vorwiegend die Schüler bedient, da sieht auch Krieger Defizite. "Aber bei acht Stadtteilen können wir natürlich nicht so gute Verbindungen anbieten wie große Städte", gibt er zu bedenken. Probleme gibt es auch bei der Umsetzung des Radverkehrskonzeptes des Landkreises, um schnell von A nach B zu kommen. Zwar gebe es den durchgehenden Radweg von Hauenstein bis zum Laufenpark, doch dann ist Schluss. Eine große Lösung bei der Weiterführung dieses Radweges wird aber wohl noch Jahre brauchen, wie erst jüngst in der Sitzung des Gemeinderates deutlich wurde, als genau dieses Thema auf der Tagesordnung gestanden hat. Für alle, die es etwas gemütlicher haben wollen, gibt es aber einen schönen Radweg am Rhein entlang.

Deutlich besser sieht es wieder beim gastronomischen Angebot aus: Auch hier liegt Laufenburg ganz vorne mit 7,0 Punkten vor Bad Säckingen mit 6,7 bei einem Durchschnitt von 6,0. Gemeinsam den ersten Platz belegen Laufenburg und Bad Säckingen mit 6,2 Punkten beim Thema kulturelles Angebot. Und auch beim Thema, wie gut es sich als Senior in der Stadt leben lässt, sowie beim Thema Kinder und Familie hat Laufenburg wieder die Nase vorn. 6,7 Punkte sind es bei den Senioren, Platz zwei belegt wieder Bad Säckingen mit 6,6. Zwei Sozialstationen, das Pflegeheim, ein sehr engagierter Stadtseniorenrat, aber auch Angebote wie Wandern, Fahrdienste, Sing- und Spielnachmittage, die sehr gut ankommen oder Fahrdienste – der Bürgermeister sieht Laufenburg auch in dieser Hinsicht sehr gut aufgestellt. Und last not least: Auch in der Kategorie Kinder und Familie ist Laufenburg vorn. "Da spiegeln sich die großen Investitionen der vergangenen Jahre in Schulen und Kindergärten wider", freut sich Krieger über den 7,0-Spitzenwert und über engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Bei der Gesundheitsversorgung landet Laufenburg auf dem vierten Platz mit 4,7 Punkten, klar vorne ist hier Rickenbach. Krieger macht für das durchschnittliche Abschneiden die Schließung verschiedener Arztpraxen in den vergangenen Jahren verantwortlich, sieht die Stadt aber trotzdem insgesamt gut versorgt, was auch für Zahnärzte und Physiopraxen gilt.

Gesundheitsversorgung wird in allen Städten und Gemeinden schlecht bewertet

Die auch insgesamt schlechte Bewertung der Gesundheitsversorgung am Hochrhein und Hotzenwald führt er unter anderem auf die Nachwirkungen der Spitalschließung in Bad Säckingen zurück. Gleichzeitig freut sich Krieger über den Standort des Klinikneubaus in Albbruck direkt an Laufenburgs Stadtgrenze.

Gute 7,8 Punkte beim Thema Sauberkeit in der Gemeinde bedeuten aber nur Platz vier, vorne ist Rickenbach ebenso wie beim Thema Sicherheit, wo die Umfrageteilnehmer Laufenburg 6,9 Punkte gaben, was Durchschnitt bedeutet.

Durchschnitt ist Laufenburg bei der Digitalisierung mit 4,9 Punkten und beim Immobilienmarkt (4,9). Die schlechteste Bewertung erhielt die Stadt bei der Verkehrsbelastung mit 4,5 Punkten – trotz der Entlastung durch die Umgehung mit der A 98. Hier hatten wie zu erwarten die Hotzenwaldgemeinden die Nasen vorn. Das Fazit könnte sein: In Laufenburg lässt’s sich gut leben.
Laufenburg liegt auf Platz eins der acht Städte und Gemeinden – umso erstaunlicher deshalb die Kommentare von Befragten, die sich alle kritisch mit Angebot und Zustand befasst haben:

Nur für Schweizer: Gastronomie sowie Einzelhandel vergessen zunehmend, dass die hiesigen Einwohner von Preisen und Angeboten abgehängt werden, da alles nur auf das Schweizer Publikum zugeschnitten ist. Wir überdenken den Wegzug.

Problem Spital: Im Spital benötigen wir dringend eine Abteilung für Kinder. Und die Wege dorthin sind unzumutbar.

Schlechtes Busnetz: Das Busnetz sollte unbedingt ausgebaut werden. Vor allem von den Dörfern aus wie etwa von Binzgen nach Waldshut zu kommen, könnte eigentlich so einfach sein. Das wird aber für Schüler sehr kompliziert gemacht.

Wenig für Kinder: Besonders die Kindereinrichtungen in Laufenburg sind teilweise schlecht. Für berufstätige Eltern gibt es immer wieder Probleme.

Überteuerte Preise: Bezahlbarer Wohnraum wird in Laufenburg nicht geschaffen. Neubauten sind oft dermaßen überteuert, dass es sich Normalverdiener bei weitem nicht leisten können. Außer man will eine 50-Quadratmeter-Wohnung für 250 000 Euro kaufen. Wo soll das enden?

Zu viel Verkehr: Es braucht am Hochrhein eine Verkehrsentlastung durch zügigen Weiterbau der A 98 und zudem Verkehrslösungen für Lkw in Waldshut und Bad Säckingen mit neuen und weiteren Rheinbrücken. Außerdem sollte es einen massiven Ausbau von Fotovoltaik-Anlagen auf allen öffentlichen Dächern geben.

Mehr Fotovoltaik: Fotovoltaik-Anlagen in Gewerbe-und Industriegebieten sollten viel besser gefördert werden oder es sollte sogar entsprechende Bauvorschriften geben. Mehr Kita- und Kindergartenplätze wären gut, am besten kostenlos.

Zu wenig für Jugendliche: Es fehlen Betätigungsmöglichkeiten für ältere Kinder/Jugendliche, zum Beispiel ein Skaterpark oder ein Spielplatz für ältere Kinder. Es fehlt zudem an Möglichkeiten für Jugendliche, sich in einem Jugendraum und in Bars, Diskos oder Kneipen zu treffen.