Leserbriefe

Anke Gehring

Von Anke Gehring (Vogtsburg)

Do, 12. September 2019

Breisach

INSEKTENSCHUTZ UND WEINBAU
"Die Biodiversität hat zugenommen"
Zu Leserbriefen von Engelbert Mayer und Leopold Glaser in der Badischen Zeitung vom Samstag, 10. August, erreichte uns folgende Leserzuschrift:
Das wortgewaltige Plädoyer der beiden Herren für mehr Naturschutz und gegen den Klimawandel ist sehr ehrenwert. Allerdings finde ich es unfair, die Kaiserstühler Winzer und Obstbauern für alles Elend der Welt verantwortlich zu machen. Es ist wohlfeil, das Feindbild der verhassten Agrarlobby zu pflegen und die Initiative "Rettet die Bienen!" nicht zu hinterfragen. Gerade am inneren Kaiserstuhl werden seit Jahren die Vertreter des Naturschutzes in die Planung und Ausführung von Großprojekten mit einbezogen. So hat seit der Anlage des Solarparks in Vogtsburg-Achkarren die Biodiversität auf dem Gelände nachweislich zugenommen. Bei der Rebumlegung "Nonnental" in Vogtsburg-Burkheim wurden Biotop-Inseln angelegt, um Lebensraum und Futterplätze für seltene Vogel- und Insektenarten zu schaffen. Dort vermehrt sich beispielsweise der Bienenfresser fröhlich. Bereits jetzt gibt es gesetzliche Auflagen im Sinne des Naturschutzes, welche den Winzern in den Landschaftsschutzgebieten am inneren Kaiserstuhl die tägliche Arbeit erschweren. Ich stelle nicht in Abrede, dass es auch hier schwarze Schafe gibt, die nicht einsehen, wozu sie sich an die Regeln halten sollen, aber die überwiegende Mehrheit der Winzer und Obstbauern am inneren Kaiserstuhl arbeitet seriös und verantwortungsbewusst. Was die Herren Mayer und Glaser in ihren Leserbriefen übersehen haben, ist der Umstand, dass die geplanten Gesetzesvorhaben der Initiative "Rettet die Bienen!" wesentlich weiter gehen, als es in Bayern der Fall ist. Wer es nicht glaubt, möge sich einmal die Stellungnahme der Grünen-Fraktion im Landtag ansehen, welche mir vorliegt. Sollte der Gesetzentwurf der Initiative "Rettet die Bienen!" eins zu eins umgesetzt werden, so wäre dies das Ende des Weinbaus am inneren Kaiserstuhl, diesem deutschlandweit einzigartig fruchtbaren Gebiet. Dann gäbe es zwei mögliche Szenarien: Entweder es wird von staatlicher Seite aus Geld in die Hand genommen, um die dann arbeitslosen Winzer dafür zu bezahlen, dass sie die Landschaft offenhalten, um die typische Flora und Fauna zu bewahren. Dies ist beispielsweise auf der Schwäbischen Alb bereits der Fall. Ich frage mich nur, wie dies angesichts von geplanter Schuldenbremse und bevorstehendem wirtschaftlichem Abschwung mit einer Verminderung der Steuereinnahmen finanzierbar bleiben soll. Das zweite Szenario sähe folgendermaßen aus: Der Kaiserstuhl verbuscht mangels Landschaftspflege und wird über kurz oder lang zum Urwald, die einstmals so fleißigen Winzer leben von Hartz IV, während der Wein für unsere genussfreudigen Naturschützer mit Unmengen an Schiffsdiesel aus Australien, Südafrika und Kalifornien über die Weltmeere zu uns geschippert wird. Wohl bekomms!
Anke Gehring, Vogtsburg