Leserbriefe

Jürgen Philipp (1. Vorstand FC Zell)

Von Jürgen Philipp (1. Vorstand FC Zell)

Fr, 30. Oktober 2020

Zell im Wiesental

FC ZELL
Prozess war nicht gerecht
Lesermeinung zum BZ-Artikel "Ein schwarzer Tag für den Fußballsport" vom 24. Oktober:
Bei diesem Prozess gab es keine "überraschende Wende", sondern es gab ein erzwungenes falsches Geständnis. Es wurde auch nicht "länger beraten", sondern es wurde sich verständigt. Diese Verständigung wurde auch so bei Gericht deutlich erwähnt. So konnte der zweite Angeklagte zumindest einer noch schlimmeren Strafe entkommen, die er sonst durch die Falschaussagen auferlegt hätte bekommen können. Als Beisitzer einer Spruchkammer weiß ich selbst, wie schwer es ist, sich aus verschiedenen Aussagen ein richtiges Bild zu machen und ein gerechtes Urteil zu fällen. Dies ist hier offensichtlich nicht gelungen. Man wollte den Prozess beenden und wollte nicht mehr von dem sich mühsam konstruierten Bild abrücken. Es ist sicher zum Teil auch den rhetorischen Fähigkeiten der aufgerufenen Zeugen geschuldet, dass es sich so lange hingezogen hat. Aber dann hätte man auch noch weitere Zeugen zulassen und nicht einfach die Mehrzahl der Zeugen als Lügner darstellen müssen.

Die Aussage des Singeners wurde zudem nur aufgenommen, weil er laut Gericht "extra kam und zunächst gar nicht aussagen wollte". Der Deal war aber dort schon eingetütet und die Aussage nur noch schmuckes Beiwerk. Die Aussage des Zeller Vereinsvorsitzenden, die in der Tagesordnung sogar vor der Aussage des Singeners vorgesehen war, war nicht erwünscht. Beim letzten Prozesstag war mit mir noch ein weiterer Augenzeuge vor Ort, der wie die Mehrheit der Zeugen bezeugen konnte, dass der zweite Angeklagte nicht tätlich eingriff und dass auch nicht auf den Geschädigten eingetreten wurde. Dass diese Zeugenaussagen nicht mehr benötigt wurden, verwundert nicht, da sie auch gar nicht mehr in das bereits vorgezeichnete Bild gepasst hätten. Im letzten Zeitungsartikel vom 9. Oktober zu dieser Angelegenheit wurde geschrieben, dass der Schiedsrichter aussagte, der Vereinsvorsitzende hätte das Rufen der Polizei nicht gewollt. Ich als Vereinsvorsitzender hatte noch nie persönlichen Kontakt zu dem Schiedsrichter, es wurden demnach auch keinerlei Gespräche in dieser Sache geführt und ich war auch gar nicht direkt beim Schiedsrichter zugegen. Diesem Schiedsrichter wurde aber uneingeschränkt Glauben geschenkt, obwohl er zudem den Bereich aus dem Kabinengang kaum hätte gut überblicken können und obwohl der Bericht sich auch nicht komplett mit dem des Singener Jugendleiters deckt.

Was man auch hätte erwähnen können, ist das Lob, das der Verein bekommen hat, weil er sich vorbildlich um den Geschädigten gekümmert hat.
Jürgen Philipp, 1. Vorstand FC Zell