Leserbriefe

Regine Staudenmeyer-Türck, Kippenheim

Von Regine Staudenmeyer-Türck & Kippenheim

Fr, 09. Oktober 2020

Lahr

BAUGEBIETE IN LAHR
Landschaftlich reizvolle Gebiete werden geopfert
Zur Entwicklung der Stadt und insbesondere der Baugebiete äußert sich eine BZ-Leserin.
Lahr wächst überdurchschnittlich. Seit 2008 hat die Einwohnerzahl um circa 7000 zugenommen, vor allem aufgrund des Zuzugs von außen. Die Folge: ständig entstehen neue Wohngebiete mit den bekannten negativen Begleiterscheinungen. Die Infrastruktur Lahrs, die Lebensbedingungen und die Lebensqualität haben sich für uns Lahrer verschlechtert.

Landschaftlich reizvolle Gebiete werden geopfert. Der Altenberg und die Heg, einst Lahrer Biotope, die zu Spaziergängen in der Natur einluden, werden und wurden brutal zugebaut. Man fragt sich, welcher Lahrer Berg – der Schutterlindenberg, der Burkhard oder der Langenhard – als nächster dem Immer-mehr-immer-größer-Wahn zum Opfer fallen wird.

Das Baugebiet Hosenmatten II ist ein Paradebeispiel für "gebaute Einförmigkeit" (BZ vom 23. September), die lieblose Verplanung einer der attraktivsten Lagen Lahrs mit vorwiegend braunen Kästen und weißen Würfeln im unteren Bauabschnitt. Ein ähnliches Fiasko droht am Altenberg, "der umstrittensten Baustelle Lahrs" (BZ vom 29. September).

Eine höchst ärgerliche Begleiterscheinung der Bauwut ist, dass Vorgaben oft nicht eingehalten werden: Es wird zu hoch gebaut, klotzige Gabionenzäune prägen häufig das Bild und Schottergärten, seit 1995 verboten, werden überall toleriert. Begründung des Bauamts: Es fehlt an städtischem Personal und an entsprechenden Autos (!), um Verstöße aufzudecken. So bleibt die Schönheit der Architektur und die Umweltverträglichkeit auf der Strecke; entscheidend ist der Kostenfaktor.

Wen wundert es, dass es weniger Klagen der Altenberg-Anwohner gibt, denn allmählich machen sich Resignation und Erschöpfung ob der Erfolglosigkeit der Einsprüche breit. Ein Häuflein Empörter kann nichts ausrichten gegen eine mit einem potenten Investor, der attraktives Bauland erwirbt und dann macht, was ihm dient und woran er verdient, und eine kooperierende Verwaltung. Investoren kommen von auswärts, haben keine emotionale Beziehung zu den Orten, die sie verplanen und ziehen weiter zum nächsten Großprojekt, das ihnen eine Kommune bereitwillig überlassen wird.

Wir bleiben zurück und fragen uns: Ist das noch unsere Stadt? Hätten wir diese Entwicklung nicht verhindern müssen? Bürgermeister Schönebooms Aussage in der BZ vom 25. August "Es fehlt im Moment ein ausformuliertes Ziel, wohin sich die Stadt in den nächsten Jahren entwickeln möchte (oder sollte)" trifft den Punkt.Isabel Sasse, Lahr

GOTTFRIED BERGER
Innovative und spannende Ideen
Lob gibt es für den Ende des Jahres scheidenden Kulturamtsleiter Gottfried Berger.
Ich möchte mich auf diesem Wege bei Gottfried Berger für all das bedanken, was er in Lahr in Sachen Kultur auf den Weg gebracht hat. Er kam vor mehr als zwei Jahrzehnten nach Lahr, voll innovativer und spannender Ideen und offen für die Lahrer Kulturszene. Viele seiner Initiativen sind längst Tradition geworden. Man denke nur an die Lahrer Puppenparade, die ein Projekt für die ganze Ortenau geworden ist.

Auch die Kunstvisite hat er ins Leben gerufen. Nicht zu vergessen sind die jährlich stattfindenden Ausstellungen "Kunst in die Stadt!" sowie die großformatigen Rahmen auf den Lahrer Verkehrsinseln mit wechselnden Reproduktionen von Werken Lahrer Künstler.

Dem Kunstverein L’art pour Lahr hat er vor zwanzig Jahren auf die Sprünge geholfen. Auf seine Anregung hin und mit seiner tatkräftigen Unterstützung gründete die Gruppe im Jahr 2000 einen Verein.

Dies sind nur einige der Dinge, für die ich ihm dankbar bin. Vieles andere noch hat er eher im Stillen bewirkt.
KREISSTRASSE

Ein Umdenken ist dringend notwendig
Ein BZ-Leser kritisiert den Landverbrauch für die geplante Kreisstraße von Ringsheim nach Lahr.
Dass Kippenheim eine Verkehrsentlastung braucht, halte ich für unbestritten. Alles andere an der Planung stelle ich sehr in Frage. Angesichts eines dramatischem Artenrückgangs, Bienensterben, Verschwinden von immer mehr grünen Lebensräumen und einer immer artenärmeren Kulturlandschaft in der Rheinebene halte ich die Planung eines Straßenbaus dieser Dimension im Jahr 2020 für keinen großen Wurf. Auch sind die Bestände an Feldhasen, Fasan und vor allem Rebhuhn in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Die geplante Kreistrasse führt genau durch solche noch einigermaßen intakte Gebiete.

Die Umfahrung ab Ringsheim bis Orschweier ist unnötig. Eine enge Trassenführung sollte um Kippenheim erfolgen, hier ist das Nadelöhr. Das spart Fläche und Kosten. Die Kosten, geschätzte 55 Millionen Euro, werden sie überhaupt ausreichen? Sollten diese Mittel nicht besser in den Öffentlichen Personennahverkehr oder in Radwege investiert werden?

Nimmt man noch die Rheintalbahn und den Ausbau der Autobahn dazu, wo bleibt dann Platz für die Natur? Grünzüge werden ignoriert, ein Wildkorridor oder Generalwildwegeplan mit Grünbrücken wurde nirgends eingeplant. Passt so etwas in die heutige Zeit? Wir schimpfen über Brasilien und einige afrikanische Länder, die den Raubbau an den wichtigen Regenwäldern fürs Klima nicht stoppen. Und bei uns: Straßenbau, Gewerbegebiete, Autolagerparkplatz, Wohngebiete und Parkerweiterung sind kein Problem in Zeiten des Klimawandels. Hier ist ein Umdenken dringend notwendig und es sollte mehr Platz für die Natur gelassen werden. Ohne sie kann der Mensch nicht existieren.

KAPPEL-GRAFENHAUSEN
Es ist mit noch mehr Verkehr zu rechnen
Ein BZ-Leser kritisiert den zunehmenden Verkehr in Kappel-Grafenhausen, der unter anderem durch die geplante Musterhaussiedlung (die BZ berichtete) angelockt werde.
Es erhebt sich der Eindruck, dass in absehbarer Zeit mit noch mehr Fahrzeugverkehr zu rechnen ist. Die Voraussetzungen sind gegeben, da verstärkt Reklame für den Taubergießen und die Wilden Weiden gemacht wurde. Außerdem soll im Gewerbegebiet Grafenhausen auf circa zwei Hektar eine Musterhaussiedlung gebaut werden. Auch hier werden jährlich circa 40 000 Besucher erwartet.

Bürgermeister Jochen Paleit ist der Ansicht, das 98 Prozent der Besucher über die A 5 anreisen. Eine interessante Prognose, da die Ausfahrten Ettenheim und Rust teilweise heute schon überlastet sind und viele Autofahrer in Lahr abfahren. Es erhebt sich jetzt die Frage, wodurch die Fahrzeuge von der A 5 heruntergelockt werden – durch die geplante Kreisstraße von Ringsheim nach Lahr oder durch die Anfahrt zum Taubergießen, zu den Wilden Weiden und zur Musterhaussiedlung, obwohl sich gegen Letztere ein Großteil der Bürger von Kappel-Grafenhausen ausgesprochen haben.

Bei der Ortsdurchfahrt von Grafenhausen kann heute schon der Eindruck entstehen, dass hier die Wilden Weiden beginnen. Durch den ganzen Ort stehen links und rechts der Straße Sträucher und andere Anpflanzungen. Hinzu kommt, dass die Hauptstraße mit den zusätzlichen, unnötigen Kurven und Verkehrsinseln – ich unterstelle mit Absicht – viel zu schmal angelegt wurde für den in Zukunft zu erwartenden Fahrzeugverkehr.

Dabei werden die vielen Fahrradfahrer vergessen. Die vorhandenen Wege befinden sich in einem desolaten Zustand (Schotter und Strassenschäden), so dass es fast unmöglich ist, sie gefahrenfrei zu befahren. Am 23. Mai wurde in der Badischen Zeitung mit großer Aufmachung darüber berichtet, wie Bürgermeister Paleit die erste Fahrradstraße im ländlichen Raum eröffnet. Ich wage zu behauten, dass nicht einmal alle Bürger von Kappel-Grafenhausen diesen Weg finden, geschweige auswärtige Fahrradfahrer.

Walter Hassur, Kappel-Grafenhausen