Leserbriefe

Sigrid Leder-Zuther

Von Sigrid Leder-Zuther (Kenzingen)

Do, 11. Februar 2021

Kreis Emmendingen

SEXUELLE NÖTIGUNG
Eine irritierende Gerichtsverhandlung
Zum Bericht "Viereinhalb Jahre Haft wegen sexueller Nötigung" von Peter Sliwka (BZ vom 6. Februar):
Als Erstes stellt Richter Wolfgang Schmidt-Weihrich das Verfahren zum dritten Anklagepunkt aus verfahrensökonomischen Gründen ein: Der Täter hatte eine junge Frau am Dreisamdamm längere Zeit belästigt und unerwünscht berührt. Was soll die Leserin daraus schließen? Belästigung und körperliches Angehen bleibt ohne Konsequenzen, wenn danach noch andere, schwerwiegendere Taten begangen werden?

Für die beiden anderen Taten beschreibt der Richter das Verhalten des Täters als "notgeil". Der Angeklagte hat zu seinen Motiven konsequent geschwiegen. Statt eigene unqualifizierte Unterstellungen zu äußern, sei dem Richter, wenn er schon wenig Fachkompetenz zu sexualisierter Gewalt zu haben scheint, ein kurzer Blick in die Fachliteratur zu den Hintergründen empfohlen.

"Sexualisierte Gewalthandlungen sind in erster Linie geplante, durchdachte Gewalttaten. Die Ausübung von Macht und Überlegenheit sind zentrale Motive von Vergewaltigungen. Der intime Bereich der Sexualität wird von den Tätern als Mittel gewählt, um die erniedrigende Auswirkung der Gewalthandlung zu erhöhen. Täter wissen, was sie tun" (Frauennotruf Münster). Der vom Richter so wenig sensibel bezeichnete Zustand ließe sich dagegen durchaus mit wenig Aufwand und ohne Gewalt anders beenden.

Bei der zweiten Tat wirft der Täter eine Joggerin im Hecklinger Aubachtal zu Boden, umklammert sie, legt sich auf sie und berührt sie über der Kleidung. Weil er nach erfolgter heftiger Gegenwehr das Handy der Frau aufhebt und sich entschuldigt, sieht der Richter einen "strafbefreienden Rücktritt von einer versuchten Vergewaltigung". Wenn man sich entschuldigt, ist es keine versuchte Vergewaltigung mehr, sondern nur noch Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung? Verändert sich der Tatvorwurf auch bei anderen Straftaten, wenn es einem nur leidtut? Zum Beispiel bei Mord, Totschlag oder Steuerhinterziehung?

Die dritte Straftat wird vom Richter als sexuelle Nötigung mit gefährlicher Körperverletzung eingestuft. Das zeitweise Würgen einer joggenden Abiturientin im Forchheimer Wald mit erheblichen Stauungsblutungen und Todesangst der Frau wird zudem als "eine unter Umständen das Leben gefährdende Behandlung" bezeichnet.

Ob das Gesamturteil für diese Taten mit viereinhalb Jahren Haft gerecht ist, ist diskussionswürdig. Die Art der Verhandlungsführung dagegen nicht.
Sigrid Leder-Zuther, Kenzingen

TENINGER ORTSMITTE
Durchgangsverkehr verhindert Pläne
Zu: "Kronenplatz lebendig Halten" von Michael Sträter (BZ vom 5. Februar):
Es wäre in der Tat wünschenswert, dass sich die Dorfmitte zu einem Ort der Begegnung und Kommunikation entwickelt. Der Beschluss, die gewerbliche Nutzung der Räumlichkeiten im Erdgeschoss entlang der Durchgangsstraße im Bebauungsplan festzulegen, ist an und für sich gut, allerdings von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Solange die L 114 mitten durch die Ortsmitte führt und der Durchgangsverkehr den Kronenplatz beherrscht, wird das Areal weder zum Verweilen noch Bummeln oder Einkaufen einladen. Daran werden weder Nutzungsregeln noch Angebote der Gemeinde etwas ändern. Uwe Reger, Teningen