LESETIPP: Das Spiel mit der FIKTION

Nina Witwicki Lörrach

Von Nina Witwicki Lörrach

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

In seinem Buch "Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten" gewährt der österreichische Autor Daniel Kehlmann Einblick in neun Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch zwischen Fiktion und Wirklichkeit miteinander verwoben sind. Da ist ein Mann, der die Telefonnummer eines anderen bekommt und mit dessen Identität spielt. Ein Schauspieler, der keine Anrufe mehr erhält und sich von seinem Ruhm befreit. Und da ist Rosalie auf ihren Weg in den freiwilligen Tod in der Schweiz, die mit dem Schriftsteller hadert, der sie erdacht hat. Die Charaktere von Daniel Kehlmann sind verschroben, ihre Geschichten tiefgründig – wie in all seinen Büchern und Theaterstücken. Auf wenigen Seiten schafft er es, geistreich und witzig zugleich zu sein. Er erzählt von dem inneren Kampf, sich selbst zu ergründen, ohne pathetisch zu sein und von dem Sturz in Sinnkrisen, die zum Identitätsverlust führen.

Daniel Kehlmann: Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten. Rowohlt Verlag, Reinbek 2009. 208 Seiten, 20 Euro
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