Blindgänger

Liveticker zur Bombe in Freiburg: Der Blindgänger ist entschärft

Joachim Röderer, Carolin Buchheim, Anika Maldacker, Manuel Fritsch, Annika Vogelbacher, Christoph Giese, Valentin Heneka

Von Joachim Röderer, Carolin Buchheim, Anika Maldacker, Manuel Fritsch, Annika Vogelbacher, Christoph Giese & Valentin Heneka

Sa, 14. Januar 2023 um 11:55 Uhr

Freiburg

Nach einem Bombenfund in Freiburg mussten rund 4000 Anwohner ihre Wohnungen verlassen. Der Blindgänger wird nach kurzer Zeit entschärft. Unsere Reporterinnen und Reporter sind vor Ort.

Das Wichtigste in Kürze:
  • Evakuierung: Rund 4000 Menschen mussten seit 7.30 Uhr ihre Wohnungen rund um den Fundort verlassen. Die Evakuierung war um kurz nach 10.30 Uhr offiziell abgeschlossen und etwa eine Stunde später aufgehoben.
  • Uniklinik Freiburg: Das Krankenhaus hat bereits am Freitag 130 Patientinnen und Patienten verlegt – darunter auch beatmete Intensivpatienten. Die Uniklinik meldete bereits gegen 9.30 Uhr, dass die Evakuierung der betroffenen Klinikbereiche vollzogen sei.
  • Entschärfung: Die Entschärfung des Blindgänger hat gegen 11 Uhr begonnen – und war wenige Minuten später beendet.

[Anzeige] Lesen Sie 90 Tage lang alle Artikel auf badische-zeitung.de – für nur 9 Euro. Jetzt Angebot sichern!
Warum werden im Freiburger Westen immer wieder Bomben gefunden?
Auch mehr als 77 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs werden in Freiburg immer wieder Bomben gefunden. Insbesondere die Stadtteile westlich der Innenstadt sind betroffen, da die Luftangriffe auf die Stadt von Westen geflogen wurden und ein Hauptziel der Angriffe die Bahnlinie war.
Viele Bomben fielen auf Freiburg – abgeworfen von deutschen Fliegern (aus Versehen), vor allem von der britischen Royal Air Force, aber auch von der US-Air Force. Von diesen Bomben schlugen unzählige ein, die nicht detonierten. Wie viele dieser Blindgänger noch im Boden liegen, weiß niemand. Nach Schätzungen von Experten sind damals bis zu 15 Prozent nicht explodiert.
Während des Bombenangriffs auf Freiburg am 27. November 1944, bei dem weite Teile der Innenstadt zerstört wurden, wurde auch das Klinikviertel stark beschädigt. So wurde etwa die Lutherkirche am Friedrich-Ebert-Platz in jener Nacht völlig zerstört.

Wie wird eine Bombe entschärft?
Wird ein Blindgänger gefunden, muss die Fundstelle zunächst abgesichert werden. Ist seine Größe, Sprengkraft und Zünderart identifiziert, werden Maßnahmen zur Sicherung der Umgebung getroffen und wenn nötig Evakuierungsmaßnahmen durchgeführt. Oft wird ein Erdwall zum Schutz der direkten Umgebung aufgeschüttet, dann wird die Bombe selbst freigelegt. Feuerwerker – so nennt man die Entschärfer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes – entfernen dann den Zünder. Manche Zünder können vorsichtig herausgedreht werden, andere müssen etwa mit einem Wasserstrahlschneider herausgeschnitten werden. Selten – wie etwa in München 2012 – wird eine Bombe auch direkt am Fundort kontrolliert gesprengt. Ist der Zünder entfernt, werden Zünder und Bombe abtransportiert und vernichtet.
Von wann stammt die Bombe, die heute entschärft wird?
Nach Mitteilung der Behörden handelt es sich bei dem Blindgänger um eine amerikanische 500-Kilo-Fliegerbombe. Die Sprengbombe mit Aufschlagzünder lag rund 78 Jahre im Boden im Stühlinger. Sie muss in den ersten Monaten des Jahres 1945 von der amerikanischen Luftwaffe abgeworfen worden sein. Den verheerenden Luftangriff am 27. November 1944 hatte die britische Royal Air Force geflogen. Am Abend jenes Tages waren bei der Operation Tigerfish in nur 23 Minuten rund 150.000 Brand- und Sprengbomben über Freiburg abgeworfen worden. Rund 3000 Menschen starben.
Wie der Historiker Gerd R. Ueberschär in seinem Buch "Freiburg im Luftkrieg 1939 – 1945" schreibt, hatte es von dann von Januar 1945 noch mehrere Angriffe von amerikanischer Seite gegeben. Vor allem die Bahnlinie war das Ziel der alliierten Jagdbomber. Sie trafen aber auch andere Ziele. So hatten zum Beispiel am 28. Februar 1945 22 B-24-Bomber der US-Luftflotte die Stadt angeflogen. Sie warfen rund 1900 Bomben vorwiegend über dem Stadtteil Herdern ab. Es war der zweitschwerste Angriff nach dem 27. November 1944. Weitere Angriffe gab es dann auch im März 1945.|Der jetzt gefundene Blindgänger könnte aber auch vom letzten Luftangriff auf Freiburg am 16. April 1945 stammen. Ein amerikanischer Jagdbomber der 9.TAF (Tactical Air Force) zielte auf die Gleisanlagen der Reichsbahn. Doch: "Die Bomben fielen in Trümmergebiete im Stühlinger, wo sie nur leichten Schaden anrichteten", schreibt Historiker Ueberschär in seinem Buch.



Mehr zum Thema: