Geschichte

Luther veränderte das Leben der Menschen am Oberrhein

Annemarie Rösch

Von Annemarie Rösch

Sa, 21. Januar 2017 um 10:14 Uhr

Südwest

BZ-Plus Das Tempo ist rasant. Kurze Zeit, nachdem Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine berühmten 95 Thesen in Wittenberg an die Tür der Kirche genagelt hat, finden diese Widerhall am Oberrhein.

In der Druckerwerkstatt des Johannes Froben in Basel werden sie noch im selben Jahr nachgedruckt. Die Stadt ist zu diesem Zeitpunkt ein geistiges Zentrum in Europa. So lebt und lehrt dort der Humanist Erasmus von Rotterdam. Die 95 kirchenkritischen Thesen Luthers und andere seiner wichtigen Schriften, die in Basel gedruckt werden, verändern das Leben der Menschen diesseits und jenseits des Rheins, wie die Porträts mehrerer Persönlichkeiten aus der Region zeigen. 1529 schließen sich Mulhouse und Basel der Reformation an, 1532 Straßburg und 1556 die Markgrafschaft Baden-Durlach, zu der Emmendingen und Lörrach gehören.
Augustin Gemuseus Der erste evangelische Pfarrer von Mulhouse Es ist nicht einfach, sich einen Eindruck vom Leben der Menschen zu machen, die zu Luthers Zeiten gelebt haben. Es gibt nur wenige schriftliche Zeugnisse – und schon gar keine der einfachen Menschen. Bildnisse sind noch seltener. Ein Mann, der Spuren hinterlassen hat, ist Augustin Gschmus (1490 bis 1543), einer der ersten Reformatoren am Oberrhein.
Er ist der Sohn eines geachteten Krämers aus dem elsässischen Mülhausen (Mulhouse). Dort wächst er auf, besucht wohl die Lateinschule in Schlettstadt (Sélestat), die großes Ansehen genießt – auch wegen ihrer bis heute erhaltenen umfangreichen Bibliothek. Die Lehrer verbreiten Gedanken, die neu sind: Der Mensch soll sich bilden, um sein Leben besser gestalten zu können. Auch Schriften der alten Griechen und Römer, die im Mittelalter in Vergessenheit geraten sind, lesen die Schüler. Gschmus ändert seinen Nachnamen, latinisiert ihn, wie viele der Gelehrten, die man heute Humanisten nennt. Gemuseus heißt er fortan.
Erasmus von Rotterdam geht auf Distanz zu Luther
Als 15-Jähriger schreibt er sich an der Universität Basel ein, studiert Theologie, tritt dem Augustinerorden bei und wird Priester. In Basel, das sich 1501 der Eidgenossenschaft anschließt, kommt er mit den Ideen Martin Luthers in Berührung. Er teilt dessen Kritik an der Kirche, die den Gläubigen Vergebung der Sünden verspricht, wenn sie Ablassbriefe kaufen. Als glühenden Verehrer Luthers beschreibt ihn der Regionalhistoriker Philippe Mieg. Gemuseus’ zweites großes Vorbild allerdings, Erasmus von Rotterdam, geht auf Distanz zu Luther.
Gemuseus beginnt, seine neuen Überzeugungen in Mülhausen zu verbreiten, das eine Freie Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation ist und sich 1515 mit der Eidgenossenschaft verbündet hat. Den Rat der Stadt will er überzeugen, sich der Reformation anzuschließen. Einer der ganz Großen ihrer Vordenker ist er nicht, vielmehr ...

Jetzt diesen Artikel lesen!

Entscheiden Sie sich zwischen kostenloser Registrierung und unbegrenztem Zugang, um sofort weiterzulesen.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel/Monat lesen - inkl. BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel
  • Redaktioneller Newsletter mit den wichtigsten Nachrichten aus Südbaden
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten. Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.

Registrieren

kostenlos

  • 5 Artikel pro Monat lesen

  • Redaktioneller Newsletter

  • Nutzung der Kommentarfunktion

Die eingegebene E-Mail Adresse ist bereits registriert.
Hier können Sie sich anmelden
Diese E-Mail-Adresse ist bereits registriert aber nicht aktiv.
Aktivierungslink erneut zuschicken

BZ-Digital Basis

10,90 € / Monat

  • Lesen Sie alle Artikel auf badische-zeitung.de
  • Unbegrenzter Zugang zur News-App mit optionalen Push-Benachrichtigungen
  • Entdecken Sie Südbadens kulinarische Welt mit dem BZ-Straußenführer, BZ-Restaurantführer und BZ-Vesper
  • Abonnenten der gedruckten Zeitung erhalten BZ-Digital Basis zum exklusiven Vorteilspreis

Anmeldung