Basel

Mahnmal an die Hexenverfolgung enthüllt

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Mo, 25. März 2019 um 17:06 Uhr

Basel

An der Mittleren Brücke in Basel wurde eine Gedenktafel enthüllt für die Opfer der Hexenverfolgung. Ein Aufruf gegen Ausgrenzung.

Sie wurden gequält und gefoltert, bis sie gestanden, und anschließend schlimmstenfalls verbrannt oder gefesselt in den Rhein geworfen. Auch wenn Basel sich als Stadt des Humanismus rühmen konnte, wurden auch hier bis ins 17. Jahrhundert hinein vermeintliche Hexen bestialisch ermordet. Zurücknehmen lassen sich die Urteile nicht; auch eine Rehabilitation der Opfer im rechtlichen Sinn sei heute nicht mehr möglich, urteilen Juristen. An der Mittleren Brücke wurde nach langer Vorgeschichte jetzt aber ein Band der Erinnerung an die Verfolgten enthüllt.

Das Mahnmal, das der Basler Bildhauer Markus Böhmer geschaffen hat, verbindet jetzt zwei Sätze, die durch 14 Köpfe von unterschiedlichsten Physiognomien und Geschlecht getrennt sind. Auf der einen Seite gedenkt die Stadt hier "der Menschen, die in früheren Jahrhunderten der Hexerei bezichtigt, verfolgt, gefoltert und getötet worden sind". Auf der anderen wird der ebenso unverzichtbare Bezug zur Gegenwart hergestellt: "Heute ist dies ein Ort, der uns ermahnt, anderen Menschen ohne Vorurteile zu begegnen und sie nicht auszugrenzen." Angebracht ist die von der Historikerin und ehemaligen "Basta"-Großrätin Brigitta Gerber initiierte langgezogene Tafel jetzt gegenüber des "Käppelijochs", jenem historischen Ort, von wo aus Verurteilte einst ins Wasser gestoßen wurden.

Um einen angemessene Erinnerung war im Vorfeld lange gestritten worden. "Das ist wie verhext, war man während der vergangenen sieben Jahre oft versucht, zu sagen", sagte Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) anlässlich der Enthüllung. Im Herbst 2012 hatte sich die Petitionskommission des Großen Rats, der sie damals vorstand, erstmals mit der Forderung befasst, drei der in Basel zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert hingerichtete Frauen exemplarisch zu rehabilitieren, berichtete Brigitta Gerber, die sich in der Folge sehr für das Thema engagiert hatte. Die Petition wurde gleichwohl nicht angenommen, stattdessen in einen parlamentarischen Vorstoß umgewandelt.

Ans Vergangene erinnern

Ähnliche Vorstöße hatte es zur gleichen Zeit auch in anderen Schweizer Städten gegeben, so etwa in Glarus, wo man noch 1786 Anna Göldi, eine der letzten der Hexerei beschuldigten Frauen, Europas hingerichtet hatte. Während an sie längst eine Gedenktafel erinnert, seien die Basler sehr zögerlich gewesen, so Gerber. Die geforderte Rehabilitation scheiterte an formaljuristischen Gründen – es gäbe zu wenige Dokumente, um die Prozesse neu aufzurollen, lautete die Begründung – und auf Regierungsseite war man sich nicht einig, ob nicht auch an andere Verfolgte erinnert werden müsse, so etwa an das Judenpogrom von 1349, als auf der Basler Rheininsel bis zu 70 Menschen verbrannt wurden, oder auch an die an den Grenzen in der Nazizeit abgewiesenen Flüchtlinge. Von der gefundenen Lösung sind die, die sie einst gefordert hatten, jetzt ebenso überzeugt wie Vertreter der Regierung. Positiv sieht sie auch der Historiker Georg Kreis. Auch das Mahnmal, auf das man sich nun habe einigen können, werde sicher einige stören, sagte der emeritierte Professor bei der Einweihung. Sich an das Vergangene zu erinnern, sei aber immer vonnöten; es komme darauf an, was man aus Geschichte mache. Mit Blick auf die Hexen mahnte Kreis aber auch, dass sich das Abendland längst nicht sicher wähnen könne: "Es wäre vermessen zu glauben, dass wir die Bereitschaft, andere aus dem Leben zu wünschen, endgültig hinter uns gelassen haben."

Basler Verein Frauenstreik

Kreis‘ Erinnerung, dass in männerdominierten Gesellschaften Frauen bis heute gerne für das Unglück der Welt verantwortlich gemacht würden, nahmen Aktivistinnen des Basler Vereins Frauenstreik auf, die sich an der Enthüllung des Mahnmals mit einem symbolischen Trauermarsch vom Rathaus bis zur Brücke beteiligten. "Wir verstehen uns als die Enkelinnen der Hexen, die ihr nicht verbrennen oder im Rhein versenken konntet", ließen sie wissen, entrollten im Hof des Rathauses ein Transparent und trugen unter anderem eine hölzerne Tafel zum Käppelijoch, auf der an den langen Weg der Emanzipation erinnert wurde. Sie wünschen, dass der Erinnerungsort an der Brücke dazu ermutige, gegen jede Form von Diskriminierung aufzustehen.
Stadtrundgang

"Hexenwerk und Teufelspakt" heißt eine Tour des Basler Vereins Frauenstadtrundgang. Viermal im Jahr führt er zu historischen Orten, die mit der Hexenverfolgung zu tun hatten, so etwa zum Barfüßer- und einstigen Richtplatz, wo auch die Gefängnisse und Folterkammern standen. Aktive des 1989 am Historischen Institut der Basler Uni gegründeten Vereins berichten etwa über Foltermethoden und die Hinrichtungen, unter denen das Ertränken schon als Begnadigung galt. Auch das Käppelijoch und die alte Universität am Rheinsprung zählen zu den Stationen, hatte man sich doch bei den Gelehrten, die sich allerdings bald gegen das Foltern aussprachen, Rat geholt. Auch wenn es in Basel keine Inquisition gab, wurden hier nach Hexenprozessen mindestens 29 Frauen umgebracht und unzählige weitere zu lebenslanger Haft verurteilt. Fast immer gingen die Prozesse auf Hinweise aus der Bevölkerung zurück. Betroffen waren mehrheitlich mittellose, alleinstehende und entsprechend wehrlose Frauen. Es konnte aber, sofern sie sich Feinde gemacht hatten, auch andere treffen. Weitere Infos auf der Homepage Frauenstadtrundgang Basel