(Un)Normalität

MARKTPLATZ 11: In parallelen Universen

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Sa, 30. April 2022

Emmendingen

Der Frühling ist eine Zeit des Aufbruchs. Es wird gepflanzt, man trifft sich zum Grillen, geht – "nach Corona" – wieder mehr aus oder plant Reisen. Die Vereine holen Hauptversammlungen nach, in denen sie von zwei unnormalen Jahren nicht viel zu berichten haben, aber motiviert sind, nun durchzustarten. Das normale Leben scheint wieder Fuß zu fassen. Und doch ist es gerade eine seltsame Zeit. Es fühlt sich an wie ein Leben in zwei parallelen Universen: Das eine Bein steht in der Normalität des Alltäglichen, das andere in der Unnormalität des Krieges und der Ungewissheit, was noch alles Schreckliches kommt. Während ich über ein Richtfest schreibe und eine Meldung über eine Tunnelsperrung auf die Seite hieve, lässt Putin Kiew beschießen, wo sich gerade der UN-Generalsekretär befindet. Wie geht das weiter? Erstmal nur mit einem Brief im heimischen Briefkasten, in der ein um 30 Prozent erhöhter Gaspreis ab Juni angekündigt wird – aber man ist ja heute schon froh, wenn Gas aus der Leitung kommt ... Meine Kinder verdrehen die Augen über meine im Vergleich zu Vorjahren gesteigerten Aktivitäten im (Nutz-)Garten und die Kiste neuer Einweckgläser. Ich kann nicht anders. Es ist der Versuch, die zwei Paralleluniversen irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Ach ja, ein bisschen Vereinsarbeit wartet am Wochenende auch noch auf dem Schreibtisch ...