Mehr Recht auf Auskunft über Geld der Kollegen

kna

Von kna

Fr, 26. Juni 2020

Wirtschaft

Bundesrichter entscheiden zugunsten einer Journalistin.

Eine freie Redakteurin der ZDF-Sendung "Frontal 21" hat beim Bundesarbeitsgericht (BAG) im Streit um die gleiche Entlohnung mit ihren männlichen Kollegen einen Etappensieg errungen. Wie die Erfurter obersten Arbeitsrichter am Donnerstag urteilten, steht auch arbeitnehmerähnlichen freien Beschäftigten nach dem Entgelttransparenzgesetz grundsätzlich ein Auskunftsanspruch über die Entlohnung der männlichen Kollegen zu. (AZ: 8 AZR 145/19)

Das seit dem 6. Juli 2017 geltende Entgelttransparenzgesetz wurde eingeführt, um einen "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" zwischen den Geschlechtern zu gewährleisten. Um dies überprüfen zu können, steht den Beschäftigten ein individueller Auskunftsanspruch über den Lohn zu, den vergleichbare, in diesem Fall männliche, Kollegen erhalten. Der Auskunftsanspruch gilt für Arbeitgeber mit mehr als 200 Beschäftigten.

Auch muss zum Beispiel eine auskunftsersuchende Arbeitnehmerin mindestens sechs vergleichbare männliche Kollegen benennen können. Der Arbeitgeber muss bei seiner Auskunft den sogenannten Median mitteilen, also das Gehalt, welches in der zu überprüfenden Gruppe genau in der Mitte liegt.

Im Streitfall hatte die klagende Journalistin angeführt, dass ihre männlichen Kollegen viel mehr verdienten als sie. Sie verlangte vom ZDF daher konkrete Auskunft über die Vergütung. Im Fall einer nicht gerechtfertigten ungleichen Vergütung hofft sie auf eine höhere Entlohnung. Auch eine Entschädigung wegen einer Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts wäre möglich.

Der Sender lehnte die Auskunft ab. Für freie Mitarbeiter gelte das Entgelttransparenzgesetz nicht, sondern nur für Arbeitnehmer oder Beamte. Auch seien die benannten männlichen Kollegen unter anderem wegen unterschiedlicher Berufserfahrung nicht vergleichbar. Andere Vergütungen seien daher gerechtfertigt.

Den Streitfall verwies das BAG an das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg zurück, das nun neu über den Auskunftsanspruch entscheiden muss.