Hochwasserrückhalteraum Breisach-Burkheim

Ministerin holt Startschuss nach

Dirk Sattelberger

Von Dirk Sattelberger

Mo, 15. November 2021 um 17:56 Uhr

Breisach

Am Montag hat Landesumweltministerin Thekla Walker (Grüne) das erste größere Bauwerk für den Hochwasserrückhalteraum Breisach-Burkheim eingeweiht.

Das Einlassbauwerk in Breisach zwischen Rhein und Rheinauen ist fast fertiggestellt. Im kommenden Jahr soll von dort erstmals Rheinwasser in die Rinnen des Rheinwalds (Schluten) geleitet werden. Bei dem Termin bekräftigte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer für den Konflikt um oberirdische Brunnenhäuschen, eine "gute Lösung" finden zu wollen.

Bauwerk aus Beton und Stahl

Fast 60 Personen des öffentlichen Lebens waren zu der Baustelle in der Nähe des Breisacher Klärwerks gekommen, um bei dem symbolischen Spatenstich am Einlassbauwerk dabei zu sein. Er hätte schon vergangenes Jahr stattfinden sollen, war aber wegen der Coronapandemie verschoben worden. In der Zwischenzeit haben die Ingenieure und Arbeiter ganze Arbeit geleistet und in den Rheindamm bereits das Bauwerk aus Beton und Stahl platziert.

Schutz vor Hochwasserereignissen

"Wir brauchen Platz für natürliche Überflutungssituationen. Das Ziel ist, Schaden von den Menschen fernzuhalten", sagte Thekla Walker (Grüne). Die Flutkatastrophe im Ahrtal habe dieses Jahr gezeigt, dass es häufiger zu Hochwasserereignissen kommen könne. Hier in Breisach werde der Schutz vor Hochwasser ambitioniert betrieben, lobte der Gast aus Stuttgart. Auch an anderen Flüssen seien Schutzmaßnahmen nötig, am größten seien sie aber am Rhein. Dort wurden bislang für alle Hochwasserschutzmaßnahmen des Integrierten Rheinprogramms (IRP) rund 1700 Millionen Euro investiert – dies sei billiger, als am Ende ein Vielfaches mehr Geld auszugeben, um die Schäden einer Hochwasserkatastrophe zu bezahlen, so Walker.

Lösung für Brunnenstuben-Streit

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer aus Freiburg lobte die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen bei dem Projekt und bezog auch die Bürgerinitiave (BI) für eine verträgliche Retention mit ein. Zum aktuellen Konflikt um die sogenannten Brunnenstuben in Burkheim und Breisach-Jägerhofsagte Bärbel Schäfer: "Es gab Irritationen, weil die Bodenbeschaffenheit anders ist als erwartet. Ich verspreche Ihnen, wir finden eine gute Lösung." Das Regierungspräsidium werde den Bedürfnissen der Menschen entgegenkommen. Details nannte sie noch keine. In Richtung BI sagte Schäfer: "Bleiben Sie unsere kritischen Begleiter."

Deutsch-französische Zusammenarbeit

Unter den Rednern war auch der Präfekt aus Colmar, Louis Laugier. Er sagte, dass der Rhein ein Symbol sei für die Trennung von Deutschland und Frankreich, aber auch ein positives Symbol für die "exzellente Zusammenarbeit" der zwei Länder. Er blickte zurück auf die Begradigung des Flusses und den Verlust an natürlicher Auenlandschaft, die einst große Wassermengen aufnehmen konnte. Er rechnete das Volumen des neuen Hochwasserrückhaltetraums in eine anschauliche Größe um: Die Wassermassen entsprechen 2600 olympischen Schwimmbecken.

Wieslocher Experten übernehmen Monitoring

Am Rande der Veranstaltung wurde bekannt, welches Gutachterbüro den sogenannten Schlutentest begleiten soll. Demnach erhielt das Unternehmen "Spang. Fischer. Natschka. GmbH" aus Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) den Zuschlag. Die Expertise der Biologen und Landschaftsplaner wird in einigen Jahren eine wichtige Rolle spielen bei der Frage, ob mit der Füllung der Schluten auf ökologische Flutungen verzichtet werden kann (Schlutentest). Die Städte Breisach und Vogtsburg lehnen diese großflächigen Überfluten im Rheinwald bekanntlich ab, weil sie Schäden für Tiere und Pflanzen fürchten. Außerdem könnte der Rheinwald seine Naherholungsfunktion einbüßen.

Schlutentest beginnt 2022

Durch das fast fertiggestellte Einlassbauwerk soll bereits im nächsten Jahr Rheinwasser in die Schluten strömen und Tiere und Pflanzen an die Hochwasser mit der Zeit gewöhnen. Mit der Fertigstellung des Bauwerks soll nach früheren Angaben auch die monatelange Sperrung des Radwegs (D-Route 8) auf dem Rheinhautdamm aufgehoben werden; derzeit besteht noch eine Umleitung für Radler. Allerdings wird in der Nähe bereits ein zweites, größeres Einlassbauwerk geplant.