Redaktionen Lahr und Ettenheim

Mit Klaus Fischer geht ein Journalist alter Schule in den Ruhestand

Christian Kramberg

Von Christian Kramberg

Sa, 16. Januar 2021 um 12:00 Uhr

Lahr

40 Jahre als Redakteur bei der BZ wollte Klaus Fischer vollmachen, jetzt wurden es 38. Trotzdem lebte er den Beruf in vollen Zügen aus. Ende 2020 ist er in den Ruhestand getreten.

Wenn man von einem Journalisten der "alten Schule" spricht, dann trifft diese Bezeichnung besonders auf Klaus Fischer zu. Wie viele seiner Generation ist der Dinglinger schon in jungen Jahren zu dem Beruf gekommen. Es gibt die Geschichte, wie der Halbwüchsige in den 1960er-Jahren für Gerd Mehl, damals einer der bekanntesten Sportmoderatoren der ARD, bei einer Leichtathletik-Veranstaltung auf der Lahrer Klostermatte das Mikrofon halten durfte. Der Weg zum Sportreporter war damit eröffnet. Als 18-Jähriger wurde Klaus Fischer freier Mitarbeiter der Regionalsportredaktion des Lahrer Anzeiger (heute Badische Zeitung) in Lahr. Für den passionierten Tischtennisspieler und Radfahrer sollte der Sport ein Metier bleiben, dem er viele Jahre lang treu blieb.

Seit 2006 war er Leiter der

Redaktion Ettenheim

Nicht die akademische Ausbildung qualifizierte den heute 64-Jährigen für den Beruf, sondern die Praxis. In einer Broschüre des Badischen Verlags aus dem Jahr 2000 hat Klaus Fischer seinen Werdegang so umschrieben: "Einige Semester blieb das Interesse am Studium der Wirtschaftswissenschaften und Politik an der Uni Freiburg wach, dann war ein Angebot der BZ-Chefredaktion für ein Volontariat verlockender." Schreibmaschine statt Hörsaal, das sollte eine Entscheidung fürs Leben bleiben.

Nach der Ausbildung und fast 14 Jahren als Redakteur und Redaktionsleiter der Sportredaktionen in Bad Säckingen und Lörrach kehrte er 1997 in die Heimat zurück. Einige Jahre leitete er die Lokalredaktion in Offenburg und betreute von 2001 an in der Redaktion Lahr die Gemeinden Friesenheim, Schwanau und Meißenheim, bevor er 2006 die Leitung der Lokalredaktion in Ettenheim übernahm. Dort war er auch für Ringsheim, Rust mit dem Europa-Park, Kappel-Grafenhausen, Kippenheim und Mahlberg zuständig.

Bis zum letzten offiziellen Arbeitstag war er voll motiviert. Am liebsten hätte er am 30. Dezember noch eine große Geschichte für die nächste Ausgabe recherchiert, statt es bei einem Glas Sekt auslaufen zu lassen. So war er es gewohnt.

Kaum ein Redakteur dürfte so viele Zeilen geschrieben haben wie er

Freizeit und Feierabend und damit Familie mussten (zu) oft zurückstecken, wenn letzte Recherchen oder abendliche Gemeinderatssitzungen anstanden. Es dürfte kaum einen Redakteur bei der Badischen Zeitung geben, der in seinen Berufsleben so viele Zeilen in die Schreibmaschine und den Computer getrommelt hat. Wenn in der morgendlichen Konferenz die Frage nach der Hauptstory für die Ettenheimer Ausgabe am nächsten Tag auftauchte, beruhigte er die Redaktion. Klaus Fischer hatte immer noch ein Thema in petto, das er mit ein paar Anrufen rund bekam. "Einer für die Kleinstadt" hat die Berliner tageszeitung vor einigen Jahren ein Porträt über Klaus Fischer betitelt.

Dem Lokaljournalismus verbunden

Im Lokaljournalismus hat er sich am wohlsten gefühlt, im direkten Kontakt mit den Menschen, immer auf der Suche nach etwas Berichtenswertem. In einem Video zu seiner Verabschiedung beschreibt Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz die Berichterstattung als engagiert, konstruktiv und sachkundig. Europa-Park-Chef Roland Mack imponierte, dass Klaus Fischer "immer alles zuerst wissen wollte". Fair in der Berichterstattung, aber mit professioneller Distanz – so kennzeichnet Mack die Zusammenarbeit. Für Holger Knöferl, den stellvertretenden Chefredakteur, bleibt Fischer "einer der ganz besonderen Köpfe in der Badischen Zeitung".

In der Redaktion in Lahr war Klaus Fischer zuletzt der Senior, der sich unter den jüngeren Kolleginnen und Kollegen "sauwohl" gefühlt hat. Er gehe deshalb mit einem Gefühl der Unzufriedenheit, "weil ich dieses Team verlasse. Das tut mir schon weh". Es war eine spontane Bauchentscheidung von ihm im vergangenen Sommer, den vorzeitigen Ruhestand anzukündigen. "Es gab danach auch Tage, an denen ich es bereut habe."

Gemeinderat und Recherche statt Freizeit und Feierabend

Und doch war es eine Entscheidung, die über längere Zeit gereift war. Der Wandel in seinem Beruf, der digitale Journalismus und die sozialen Medien, das war nicht immer seins. Mit Begriffen wie Teasern, Online First und Clicks konnte Fischer wenig anfangen. Er hat zwar die Notwendigkeit gesehen, den Journalismus, so wie er ihn ge- und erlebt hat, an neue Gegebenheiten und Anforderungen anzupassen, diese Aufgabe wollte er aber lieber den Jüngeren überlassen. Es war deshalb für ihn der richtige Zeitpunkt, sich in den Ruhestand zu verabschieden.

40 Jahre als Angestellter wird Klaus Fischer nicht mehr zusammen bekommen, der Redaktion bleibt er aber als freier Mitarbeiter weiterhin erhalten. Den Gemeinden Kippenheim und Ringsheim wird er sich journalistisch widmen, auch im Europa-Park wird man ihn sehen. Denn, so Klaus Fischer, zum Abschied: "Ich kann einfach nicht davon ablassen."