Teller statt Tonne

Steve Przybilla

Von Steve Przybilla

Sa, 29. August 2015

Wirtschaft

Mit Müll kochen? Für viele Wohlstandsbürger eine verrückte Idee / In Resterestaurants zeigt sich, dass es funktionieren kann.

AMSTERDAM. Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit mehr als 800 Millionen Menschen an Unterernährung leiden. Gleichzeitig wird, vor allem in den Industrieländern, ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel weggeworfen. Eine Gruppe junger Leute in Amsterdam will sich damit nicht abfinden. Sie betreiben ein Restaurant, in dem fast nur mit Resten gekocht wird.

An diesem Morgen war die Ausbeute groß. Selma Seddik beugt sich über die Plastikkisten, die gerade eingetroffen sind. Blumenkohlköpfe, Porreestangen, Paprikaschoten und Tomaten stapeln sich darin, Äpfel und Brokkoli. Die Ware ist originalverpackt und mindestens eine Woche haltbar. Gutes Essen also, das trotzdem niemand mehr wollte. Hätte Seddik die Lebensmittel nicht entgegengenommen, wären sie auf dem Müll gelandet – vom Supermarkt in die Tonne.

"Ich konnte das irgendwann nicht mehr mit ansehen", sagt Seddik, die deshalb zum Essenretter geworden ist. So nennen sich alle, die im Instock in Amsterdam arbeiten. "In stock" heißt auf Englisch "auf Lager", und so verstehen die Mitarbeiter des Restaurants ihre Arbeitsweise. Was im Supermarkt übrig bleibt, kommt im Instock auf den Tisch. Mit einem Kleintransporter hat ein Mitarbeiter die Supermärkte abgeklappert, und jetzt ist die Ausbeute da.

Seddik (26) hat früher im Management des niederländischen Ahold-Konzerns gearbeitet, einem der größten Betreiber von Supermärkten weltweit. "Der Job dort hat Spaß gemacht", sagt sie, ...

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