Mittagstisch für Kinder und Senioren soll Dorf beleben

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Sa, 23. Mai 2020

Bad Säckingen

Ortschaftsrat Harpolingen billigt 3000 Euro für die Planung / Er plädiert dafür, am Förderprojekt Quartierimpulse teilzunehmen.

. Wäre ein Mittagstisch für Senioren und Kinder, kombiniert mit Betreuungsangeboten, ein Weg, um das Dorf lebendiger zu gestalten? Der Ortschaftsrat Harpolingen konnte sich mit dieser Idee anfreunden – auch wenn dafür die Küche im Gemeindesaal für 100 000 Euro erneuert werden müsste. Am Dienstag billigte das Gremium einstimmig 3000 Euro für die Planung und plädierte für die Teilnahme an dem Förderprojekt Quartierimpulse.

Wie Ortschaftsrätin Christine Oechslein (WIR) berichtete, hatte die "Allianz für Beteiligung", die Staatssekretärin Gisela Erler (Grüne) angestoßen hatte, ein neues Förderprogramm aufgelegt mit dem Ziel, Projekte für "alters- und generationenübergreifende Gestaltung des Lebensumfelds" in Dörfern und Stadtquartieren zu fördern. Dafür winken Zuschüsse zwischen 20 000 und 85 000 Euro. Kommunen können sich bewerben, wenn sie zusammen mit einem zivilgesellschaftlichen Partner, etwa einem Verein, entsprechende Projekte entwickeln.

In Harpolingen biete sich ein Mittagstisch für Senioren und Kinder an, so Christine Oechslein: "Vor drei Jahren haben wir uns beim Harpolinger Zukunftstag schon überlegt, wie wir den Ort vor dem Aussterben bewahren könnten." 170 Harpolinger sind älter als 65 Jahre, und seit eineinhalb Jahren nehmen 16 bis 25 Personen am "Essen im Dorf" teil. Zudem gibt es 30 Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren, die zum großen Teil außerhalb des Dorfes ganztags betreut werden. "Diese Kinder fehlen später in den Vereinen und der Feuerwehr." Laut Bedarfsanalyse könnten 30 bis 40 Personen an jedem Wochentag zum Mittagstisch kommen. Am Wochenende stünde die Küche den Vereinen zur Verfügung.

Die betagte Küche im Gemeindesaal ist für diesen Zweck nicht geeignet. Die Gesamtkosten für den Umbau hat eine Fachfirma auf 100 000 Euro geschätzt. Harpolingen leistet seinen Eigenanteil durch die Übernahme der Planungskosten von 3000 Euro. Die Stadt könnte ihren Pflichtanteil durch die kostenlose Überlassung des Raumes leisten. "Wir hoffen auf Zuschüsse, aber die bekämen wir nicht für ein paar Vereinsfeste im Jahr", so Oechslein. Der Mittagstisch samt Kinderbetreuung müsste von einem Verein getragen werden, der dafür eine Halbtagskraft anstellen müsste. Kleinere Gerichte könnten in der Küche zubereitet werden, das Hauptmenü würde von Restaurants oder Caterern angeliefert. "Die Kinder hätten dann eine Betreuungsmöglichkeit im Dorf, und die Senioren kämen aus dem Haus und könnten soziale Kontakte pflege", so Oechslein. Ortsvorsteher Torsten Weimer (WIR) begrüßte das Projekt, wies aber darauf hin, dass die Stadt ein Defizit von neun Millionen Euro erwarte.