Provisorische Bleibe

Die Musikschule Freiburg unterrichtet jetzt in der Stadthalle

Stephanie Streif

Von Stephanie Streif

Do, 05. November 2020 um 14:58 Uhr

Freiburg

Die Musikschule Freiburg hat mehr als 3000 Schüler. 500 bis 600 davon können jetzt in der Stadthalle unterrichtet werden – wenigstens bis zum Ende dieses Schuljahres.

Alles sieht hier nach Provisorium aus: Ein Tisch, zwei Stühle, auf einem beigefarbenen Teppich steht ein Notenständer und in einer Zimmerecke liegen drei Laubblätter, die der Wind von draußen hereingeweht hat. Der Raum 163 ist einer von 15 Räumen, die die Musikschule Freiburg in der Stadthalle jüngst bezogen hat. Hier findet seit Montagnachmittag ein Teil des Unterrichtsangebots statt.
Kurz vor den Herbstferien kam von der Stadtverwaltung das definitive Okay: Ja, die Musikschule darf die im hinteren Gebäudeteil liegenden Räume der Stadthalle nutzen. "Das waren gute Nachrichten", sagt Eckhard Hollweg, Leiter der Freiburger Musikschule. Die Situation ist seither entspannter, aber noch lange nicht gut. Bis Sonntag wusste die Musikschule auch nicht, ob sie während des seit Montag geltenden Teil-Lockdowns überhaupt unterrichten darf. Aber sie darf. Stuttgart hat grünes Licht gegeben. Auch darüber sei man sehr froh, so Hollweg.

3100 Schüler hat die Musikschule insgesamt. Davon können jetzt 500 bis 600 in der Stadthalle unterrichtet werden. Hollweg rechnet vor: "15 Räume haben wir, davon kann in 13 unterrichtet werden, acht bis zehn Schüler pro Raum, an fünf Tagen die Woche." Und der Rest? Der werde, so Hollweg, in Gemeindesälen, Musikerateliers und Schulen unterrichtet. Vor Ausbruch der Pandemie war die Musikschule in 30 allgemeinbildenden Schulen präsent. Jetzt darf sie nur noch in sechs Schulen im Stadtgebiet unterrichten – an der Turnseeschule, der Lorettoschule, der Hebelschule, der Lortzingschule, der Emil-Gött-Schule und im Lycée Turenne. Der Grund: Die Schulen brauchen den Platz, um ihre Schüler auch in der Nachmittagsbetreuung auf Abstand zu halten.

Bis Schuljahresende bleibt die Musikschule in der Stadthalle

Weniger Räume, weniger Unterricht: Rund 35 Prozent des ursprünglichen Kursangebotes der Musikschule finde aktuell nicht mehr statt, sagt Hollweg. Weggebrochen sind vor allem Angebote, die viel Platz brauchen, wie die Früherziehung und die Ensembles. Hollweg bedauert das, ist aber froh, dass mit der Stadthalle eine Teillösung gefunden wurde, von der jetzt vor allem Kinder und Jugendliche aus Freiburgs Mitte und Freiburgs Osten profitieren. Es mache schließlich keinen Sinn, dass ein Kind aus dem Stadtteil Rieselfeld wegen einer halben Stunde Musikunterricht einmal quer durch die Stadt fahren oder von seinen Eltern gebracht werden müsse.

Als klar war, dass die Musikschule die Stadthalle nutzen darf, ging für Hollweg das Organisieren los: Tische, Stühle und Teppiche mussten beschafft, Türen und Oberlichter schallisoliert werden. Weiter wurden Trennwände aus Plexiglas gebaut, die vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn Bläser unterrichtet werden. Ein bisschen Deko gibt es auch: Im Flur hängen Plakate zum 70. Geburtstag der Musikschule und neben jeder Tür sind Porträts bekannter Komponisten angebracht. "Viele Lehrkräfte der Musikschule haben mitangepackt", so Hollweg. "Und die meisten Möbel, die jetzt hier stehen, kommen aus der Musikhochschule."

Noch gibt es einiges zu tun. Ein paar Wände müssten dringend gestrichen werden, sagt der Musikschulleiter. Außerdem sei man in Verhandlung mit Klavierbauern. "Wir brauchen noch mehr Klaviere, damit unsere Lehrkräfte ihre Schüler beim Musikmachen begleiten können." Immerhin – drei E-Pianos hat die Musikschule bereits in die Stadthalle gebracht. Das reiche aber nicht, sagt Hollweg. Extra-Miete muss die Musikschule für die Stadthalle keine zahlen. Das wird mit der regulär anfallenden Miete, die die Musikschule für die Nutzung der Schulen jedes Jahr zahlt, verrechnet.

Bis Schuljahresende darf die Musikschule erst einmal in der Stadthalle bleiben. Was danach kommt, ist offen.