Musik verbindet und macht Freude

Gudrun Deinzer

Von Gudrun Deinzer

Do, 09. April 2020

Bonndorf

Hans Jung und Karl-Egbert Jost veranstalten Platzkonzert für Bewohner des Altenheims.

BONNDORF. Die bisher beste Schutzmaßnahme für alle Mitbürger, aber eben insbesondere für die gefährdeten Senioren, ist Kontaktvermeidung. Was unsere Eltern und Großeltern vor schlimmer, allzu oft tödlicher Erkrankung bewahrt, hat aber einen deutlichen Haken: Ausgerechnet das, was die Senioren selbst am meisten erfreut, nämlich Kontakt zu Angehörigen, zu Enkeln, sollten sie zu ihrem Schutz meiden. Einsamkeit – ohnedies ein schlimmes Thema für ältere Menschen – wird also zusätzlich forciert.

Mit Musik sieht die Welt schon anders aus, weiß Hans Jung, seit Jahren ein gern gesehener Musiker-Gast in der Bonndorfer Senioreneinrichtung St. Laurentius. Diese 14-tägigen Konzerte zum Mitsingen fallen derzeit aus besagten Gründen aus. Er packte aber dennoch seine Gitarre und bat Karl-Egbert Jost, den man außer als Bäck’ im weiten Umkreis auch als Stimmungsmusiker kennt, zum Platzkonzert in den Hof des Bonndorfer Seniorenheims, St. Laurentius. "Karl-Egbert hat noch nie gefehlt. Wenn man mit Musik etwas Freude machen kann, ist er dabei", lobt Hans Jung, der ihn auch als Weggefährten schätzt, wenn sie beispielsweise gemeinsam mit den Pflumeschluckern auf diese Weise zur Fasnachtszeit Stimmung in die Caritas-Behindertenwerkstätten in Titisee-Neustadt bringen – seit 33 Jahren übrigens schon.

Das bewährte Team hielt sich also an die Regeln und wahrte Abstand, aber erreichte schier das ganze St. Laurentius mit Gitarre, Harmonica und gut geölten Stimmen. Zur Nachmittagszeit, an diesem Frühlingstag bei fast sommerlichen Temperaturen, genossen die Senioren "ihre Lieder". Die "Schwarzwaldmarie" war ganz vorne dabei, Seemänner und "lustige Zigeuner" fehlten nicht und "zwei kleine Italiener" waren mit von der Partie. "Das hab ich in Paris gelernt", hieß es schelmisch, man schwor sich ewige Treue, denn "schon der Gedanke, dass ich Dich einmal verlieren könnt‘", war unerträglich, aber Abschiede gab es doch: "Akropolis adieu!" Immer mehr Senioren aus den verschiedenen Gebäuden genossen das Ständchen und verfolgten das musikalische Schauspiel vom Fenster aus.

"Wir verstehen natürlich, dass wir unsere Senioren schützen müssen, aber ein bisschen Freude kann man ja dennoch in den Alltag bringen", sagt Karl-Egbert Jost, voll in seinem Element. Als die beiden Musiker ihren Standort wechseln und vor dem Haus Ruth aufspielen, öffnet sich ein Fenster um das andere, wie an einem interaktiven Adventskalender. Vor dem Haus klatschen Pflegerinnen mit. Das Strahlen in den Gesicherten unterscheidet nicht zwischen Zuhörern und Musikern. "Ich bin unheimlich dankbar, dass ich das machen und diese Freude geben darf", meint Hans Jung.

Natürlich haben alle Entscheidungsträger, alle Mitarbeiter von Senioreneinrichtungen im Blick, dass ein herzliches Lachen, ein paar Einheiten Frohsinn, die Tage der älteren Herrschaften verschönern. "Wo Gruppenaktivitäten wegfallen, bemühen wir uns, individuell mehr auf die Senioren einzugehen. Aber solche Angebote, wie von diesen Musikern, werden natürlich gerne angenommen", so die ehemalige und nun designierte neue Leiterin des St. Laurentius, Katja Stark, die den Job übergangsweise gemeinsam mit der sich in den Ruhestand verabschiedenden Gabriele Scheuble stemmt.