Gesicht der Woche

Nach 100 Jahren ist Bettina Frank-Renz die erste Frau an der Spitze des Weinbauinstituts

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

Sa, 20. Februar 2021 um 23:23 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Der Weinbau gehört zu den Wirtschaftszweigen, in denen die männliche Dominanz äußerst beharrlich ist. In Baden hat sich dies nun ein Stück weit geändert.

Mit Bettina Frank-Renz (38) ist diese Woche erstmals nach 100 Jahren und acht Direktoren eine Frau an die Spitze des renommierten staatlichen Weinbauinstituts (WBI) in Freiburg gerückt. Landesagrarminister Peter Hauk überreichte ihr am Donnerstag – im kleinen Kreis und unter strengen Hygieneauflagen – die Ernennungsurkunde. Publikum war nur online zugeschaltet.

Die gebürtige Ulmerin kam erstmals in ihrem Studium der Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim mit Weinbau in Berührung. Bei ihrer studienbegleitenden Tätigkeit an zwei Weingütern in Ludwigsburg und Salem erwachte ihr Interesse am Wein – und ließ sie nicht mehr los.

Nach Studium und Promotion ging sie in die Landwirtschaftsverwaltung am Landratsamt Esslingen. Anschließend absolvierte sie das Landwirtschaftsreferendariat mit Schwerpunkt Weinbau am Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Darauf wechselte sie ins Ministerium für Ländlichen Raum, wo sie zuletzt als Weinbaureferentin arbeitete.

Dann ging es Schlag auf Schlag. 2016 wurde Bettina Frank-Renz stellvertretende Amtsleiterin der unteren Landwirtschaftsbehörde in Breisach, 2019 in der gleichen Behörde im Landratsamt Lörrach Amtsleiterin. Und nach nur eineinhalb Jahren kam der Ruf aus Stuttgart auf die Stelle am WBI. Der bisherige Direktor Rolf Steiner hatte sich nach 16 Jahren in den Ruhestand verabschiedet.

Am WBI in der Merzhauser Straße in Freiburg steht die 38-Jährige seit Beginn dieser Woche einem europaweit bekannten Forschungsinstitut mit eigenem Weingut und Ausbildungsbetrieb für Jungwinzer vor. International wurde das WBI in Weinkreisen vor allem durch die Züchtungserfolge pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (Piwis) bekannt. Piwis brauchen deutlich weniger Pflanzenschutzmittel.

Auch an anderen spektakulären Erfolgen wirkte das Institut mit: etwa an der Methode mit künstlichen Pheromonen Traubenwickler so zu irritieren, dass sich die Schmetterlinge nicht mehr paaren und folglich keine Schäden im Weinbau anrichten können. Sie ersetzen Insektizide. Die nächste Aufgabe, bei der das Ministerium auf das WBI zählt, ist es, den Bioweinanbau im Land massiv auszubauen und Pflanzenschutzmittel im Weinbau um bis zu 40 Prozent bis 2030 zu reduzieren.