Weinernte

Nach dem politischen Weinberg sollen Bürger Rebstück in Gottenheim übernehmen

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Mi, 23. September 2020 um 17:41 Uhr

Gottenheim

Nach 15 Jahren endet mit einem sehr guten Ernte-Ergebnis die Ära des politischen Weinbergs in Gottenheim. In Zukunft soll eine Bürgergruppe die Pflege des knapp neun Ar großen Rebstücks übernehmen.

834 Kilogramm beste Spätburgunder-Trauben in zwei Bottichen, mit einem Zuckergehalt von 108 Grad Öchsle, sind die Ausbeute, die rund 20 Helfer aus Gemeinderat, Verwaltung, Kleinkindbetreuung, Winzern und Ehrengästen jüngst ernteten. Unter ihnen waren auch Peter Schuster, Vorstand des Badischen Winzerkellers, der ehemalige und langjährige Aufsichtsratsvorsitzende der Gottenheimer Winzergenossenschaft, Max Dersch, sowie der langjährige Weinberg-Helfer Heinz Nikola, der im vergangenen Jahr nach 35 Jahren aus dem Gemeinderat verabschiedet worden ist. So früh wie noch nie seit der Anpachtung der drei Rebzeilen im Jahr 2005 wurde diesmal geerntet. Doch noch länger zu warten, hätte keinen Sinn gemacht, weiß der Vorsitzende der Gottenheimer WG, Michael Schmidle. Die Trauben seien schon mehr als reif und würden nach dem trockenen Sommer nur noch Flüssigkeit verlieren.

2005 hatte der damalige Bürgermeister Volker Kieber die Idee, mit einem politischen Weinberg, dessen Reben Gemeinderat und Verwaltung pflegen, in der Gemeinde gemeinsam etwas anzupacken, Zusammenhalt zu demonstrieren und für die Weinbaugemeinde ein Zeichen zu setzen. Bei der Arbeit in den Reben sollte in unkomplizierter Weise ein Gedankenaustausch möglich sein. Seine Idee sei es zudem, sagte Kieber seinerzeit im Gemeinderat, ab und an politische Entscheidungsträger aus dem Umland zum Mitarbeiten einzuladen.

Der rote Selection-Wein wird seitdem separat als Repräsentationswein der Gemeinde ausgebaut und bei offiziellen Anlässen angeboten. Zudem wurde die Gemeinde so aktives Mitglied in der Winzergenossenschaft.

Es sei eine tolle Idee gewesen, im politischen Weinberg gemeinsam zu arbeiten, zu reden und dann auch zu herbsten, betonte Bürgermeister Christian Riesterer nun. Doch es sei immer schwerer geworden, auch Gemeinderäte für die Arbeit im Weinberg zu gewinnen. Aus diesem Grund und nach den tollen Projekttagen mit Grundschülern im vergangenen Jahr habe man sich im Ratsgremium nun entschlossen, das Projekt auf neue Beine zu stellen. Die Idee sei nun eine Art Bürgerweinberg, bei dem insbesondere neue Mitbürger Kontakt zur Arbeit in den Reben bekommen könnten. Um die Mitglieder der neu zu gründenden Bürgergruppe auch fachkundig anzuleiten, hat sich Ex-Gemeinderat Walter Hess bereit erklärt, informierte Riesterer. Ein genaues Konzept für den Bürgerweinberg werde in einer der kommenden Gemeinderatssitzungen vorgestellt.