Neuried-Altenheim

Nach flächendeckenden Tests: 30 Infektionen in Seniorenzentrum

Karl Kovacs

Von Karl Kovacs

Di, 19. Mai 2020 um 18:18 Uhr

Neuried

Am Montag hatte die Zahl der Infektionen noch bei neun gelegen. 73 Menschen leben in der Einrichtung. Die Betroffenen zeigen bislang nur leichte Symptome.

Der rasante Anstieg der Zahl der Infizierten, sagt Alexandra Heizereder, sei auf die flächendeckenden Tests zurückzuführen, die in Pflegeheimen in Baden-Württemberg gemacht werden. Die Nachricht habe die Verantwortlichen deshalb zwar nicht komplett überrascht, so die Pressesprecherin der Evangelischen Heimstiftung Stuttgart, die das Heim in Neuried betreibt. "Aber natürlich sind die Angestellten und die Heimleitung betroffen. Schließlich verbringen sie viel Zeit mit den Bewohnern und haben einen starken Bezug zu ihnen."

Trotz der großen Zahl an Erkrankungen kann Alexandra Heizereder auch eine gute Nachricht überbringen: Die mit dem Coronavirus infizierten Menschen zeigten bislang lediglich leichte Krankheitssymptome. "Stand heute gibt es keine schweren Fälle."

Bewohner werden in drei Gruppen aufgeteilt

In der Einrichtung greifen die Pandemiepläne, die zu Beginn der Corona-Krise ausgearbeitet wurden. Die Kohorten-Isolation bedeutet laut Heizereder, dass die Betroffenen in einen vom Rest des Hauses abgetrennten Bereich gebracht werden und keinen Kontakt mehr zu den Nicht-Infizierten haben. Auch die Angestellten werden so getrennt, dass diejenigen, die mit den Erkrankten arbeiten, keine Berührungspunkte mit jenen haben, die sich um die anderen Bewohner kümmern. Heizereder: "Es gibt getrennte Umkleiden, Eingänge und Treppenhäuser." Ziel sei, das Virus zu isolieren. Insgesamt werden drei Gruppen eingerichtet: kranke, ansteckungsverdächtige und gesunde Senioren. "Gemeinsam mit Mitarbeitern des Gesundheitsamts werden die aktuellen Maßnahmen überprüft, die Kontaktpersonen ermittelt und beraten", sagt Evelyn Bressau, Leiterin des Gesundheitsamts.

Gesundheitsamt entscheidet, wann Isolation aufgehoben wird

Die Betroffenen müssen für mindestens zwei Wochen in Quarantäne. Wann die Isolation aufgehoben wird, entscheide das Gesundheitsamt. Voraussetzung seien mindestens zwei aufeinanderfolgende negative Corona-Tests.

Welche Auswirkungen der Corona-Ausbruch auf das Heim haben wird, kann Alexandra Heizereder derzeit noch nicht sagen. "Es wird aber Auswirkungen geben", ist sie sicher. Fest steht, dass momentan keine Besuche möglich sind, weil noch nicht alle Testergebnisse vorliegen. Sprich: Es könnte sein, dass es weitere Infektionen gibt.

Die Kritik einiger Heimbetreiber an den schrittweisen Öffnungen der Einrichtungen für Bewohner und Besucher teilt Heizereder nicht. "Zu Beginn der Krise Mitte März war es richtig, zum Schutz der Bewohner und Angestellten die Heime zu schließen und Besuche zu untersagen, weil es nicht genug Schutzausrüstung und zu wenig Tests gab." Nun sei die Situation eine andere: Ausrüstung sei vorhanden und es werde deutlich mehr getestet. "Deshalb haben wir darüber nachgedacht, wie man wieder mehr Nähe zulassen kann. Denn klar ist auch: Wenn die Menschen nicht vor die Tür dürfen und keinen Kontakt zu ihren Angehörigen haben, ist das sehr schlecht für sie. Wir stehen hinter den Regelungen."

Es handelt sich um eine einmalige flächendeckende Testung

Die flächendeckenden Tests begrüßt sie. "Wir können dadurch schnell reagieren, wenn es zu Fällen kommt. Gerade bei asymptomatischen Krankheitsverläufen sind die Tests wichtig, um eine Infektion überhaupt zu entdecken." Gleichzeitig müsse es aber auch regelmäßige Nachtests geben, fordert sie.

Bei den Tests handelt es sich laut Landratsamt um eine "einmalige flächendeckende Testung in der stationären Pflege". Sie soll ein Überblick über die Infektionslage in Heimen geschaffen werden.
Corona-Fall in Mahlberg

Auch im Mahlberger "Pflege-Centrum" hat es einen Corona-Fall gegeben. Eine über 80-jährige Bewohnerin war positiv auf das Virus getestet worden, nachdem sie Symptome einer Corona-Infektion gezeigt hatte. Zuvor war sie wegen anderer Beschwerden im Krankenhaus behandelt worden. Ende vergangener Woche verstarb die Frau, ob an oder mit Corona ist unklar. "Wir haben die Bewohnerin von Anfang an isoliert", sagt Betreiber Edgar Kenk. Er halte die Wahrscheinlichkeit, dass sich weitere Bewohner oder Mitarbeiter bei ihr angesteckt haben, daher für sehr gering. "Derzeit zeigt auch niemand entsprechende Symptome", so Kenk am Dienstag. Alle Bewohner und Mitarbeiter der entsprechenden Station seien auf das Coronavirus getestet worden. "Gott sei Dank sind alle negativ", so Kenk. Am Montag seien alle übrigen Bewohner und Mitarbeiter des "Pflege-Centrums" getestet worden. Ergebnisse lagen laut Kenk bis Dienstagmittag noch nicht vor.