Corona

Nachfrage nach Schnelltests ist im Kreis Emmendingen eingebrochen

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Von Gerhard Walser & Marius Alexander

Mi, 13. Oktober 2021 um 16:13 Uhr

Kreis Emmendingen

Was zu erwarten war, ist auch eingetreten: Seit die Covid-19-Antigen-Schnelltests kostenpflichtig sind, ist die Nachfrage bei den derzeit 24 berechtigten Teststellen im Landkreis spürbar eingebrochen.

Einige Anbieter sprechen schon wenige Tage nach dem Ende der Gratis-Testung von einem deutlichen Rückgang und überlegen intern bereits, ihren Dienst demnächst einzustellen. Große Unsicherheit bestehe bei den Kunden über Möglichkeiten der Befreiung von der Gebührenpflicht.

Gebühren zwischen 12,50 und 20 Euro

"Dafür ist in jedem Fall eine schriftliche Bescheinigung vom Arzt oder Arbeitgeber notwendig" sagt Friederike Habighorst-Klemm, Inhaberin der Emmendinger Stadtapotheke und Vorstandsmitglied des Landesapothekerverbands. Viele ihrer Kollegen, die in den Apotheken nach wie vor Schnelltests anbieten – seit Montag jedoch gegen eine Gebühr – registrieren Informationslücken über die neue Regelung, die etwa Kinder und Jugendliche, Schwangere, Stillende oder Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können, von der allgemeinen Gebührenpflicht ausnimmt. Diese fällt durchaus unterschiedlich aus, eine einheitliche Preisvorgabe des Landes, das derzeit 11,50 Euro pro Test übernimmt, gibt es aus Wettbewerbsgründen nicht. Für den Corona-Standardtest berechnet die Stadtapothekerin ihren Kunden 15 Euro. "Seit es was kostet, ist die Nachfrage natürlich eingebrochen", so Habighorst-Klemm. Sie schätzt den Rückgang auf etwa ein Viertel der Buchungen. Das Angebot hat sie inzwischen in die Apothekenräume am Marktplatz integriert und bietet den Service nur noch drei Stunden täglich an: "Wir können das nicht nebenher zaubern." Offen sei, wer künftig Tests am Wochenende anbietet, wo die Nachfrage aufgrund von Freizeitaktivitäten und Restaurantbesuchen besonders hoch sei.

Das Wochenende bleibt interessant

Auch DRK-Kreisgeschäftsführer Alexander Breisacher spricht von einem "deutlichen Nachfragerückgang" im Kreis-Schnelltestzentrum seit Einführung der Kostenpflicht. Am Montag wurden in der Sick-Kantine in Waldkirch 13 Kunden getestet, am Dienstag waren es nur noch sechs – in der Vergangenheit ließen sich dort täglich zwischen 30 und 40 Menschen auf den Erreger testen. Mit 20 Euro ist das Rote Kreuz der teuerste Anbieter im Landreis. Breisacher verweist auf notwendige Standards, die betriebswirtschaftliche kalkuliert werden müssten. Man wolle bewusst "kein Preisdumping betreiben". Nicht verständlich sei, dass ein Waldkircher Anbieter seine Tests nach wie vor für alle umsonst anbiete.

12,50 Euro verlangt die Herbolzheimer Stadtapotheke am Rathaus für einen Test. Auch dort kommen, wie Inhaberin Verena Amann mitteilt, seit Montag täglich maximal fünf bis zehn Kunden zum Test. In der vergangenen Woche seien es noch 20 bis 40 pro Tag gewesen.

Für eine Zwischenbilanz zum kommunalen Testzentrum der Gemeinde Teningen in Köndringen sei es wohl noch "zu früh", sagte Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker auf BZ-Anfrage. Gradmesser sei eher das Wochenende − auch wegen der Sportveranstaltungen. Unter der Woche sei der Zuspruch schon immer eher gering gewesen. "Fürs Erste", sagt Hagenacker, verlange die Gemeinde 18 Euro an Gebühren pro Test. "Es kann auch sein, dass wir runter gehen." Außerdem werde evaluiert, ob die Öffnungszeit von zwei Stunden am Tag nicht reduziert werden müsse.