Karlruhe

Oberstaatsanwalt will Kriegsverbrechen in Ruanda aufklären

Mathias Rittgerott

Von Mathias Rittgerott

Di, 04. Februar 2014

Deutschland

Oberstaatsanwalt Christian Ritscher will vor einem Stuttgarter Gericht grausame Kriegsverbrechen in Ruanda aufklären – und scheitert wohl am Rechtsstaat.

Noch ist nichts verloren, das weiß er. Jedenfalls solange er in Bewegung ist, jeden Montag und Mittwoch die 80 Kilometer von Karlsruhe nach Stuttgart fährt. Christian Ritscher weiß auch, dass er entweder als Held oder Verlierer dasteht, wenn die Zeit des Pendelns vorbei ist. Der Jurist der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe klagt vor dem Oberlandesgericht Stuttgart die Rebellenführer Ignace Murwanashyaka, 48, und Straton Musoni, 50, aus Ruanda wegen Kriegsverbrechen an. Dazu muss er den Richtern die Gräuel aus dem 6300 Kilometer entfernten Zentralafrika vor Augen führen. Als Oberstaatsanwalt Christian Ritscher, 48, im Frühjahr 2011 die Anklage verlas, bebte seine Stimme. Fast 200 Seiten Grauen, ein monströses Verbrechen. Murwanashyaka, der einen Rosenkranz um den Hals trägt, und Musoni sollen für die Ermordung von mindestens 214 Menschen zwischen Anfang 2008 und Ende 2009 verantwortlich sein. Minutiös listet Ritscher die Zahl der Opfer und die jeweilige Tötungsart auf. 13. Februar 2009: 15 Zivilisten in ihren Häusern im Dorf Kipopo verbrannt. 27. bis 29. April: 96 Zivilisten in Busurungi erschossen, erstochen, erschlagen oder zerhackt. Zeugin Z 6 sieben Monate als Sexsklavin gefangen gehalten, täglich mehrfach vergewaltigt.

Weil die mutmaßlichen Rebellenführer Murwanashyaka und Musoni im November 2009 in Deutschland nach langen Ermittlungen festgenommen wurden, versucht die deutsche Justiz, die Kriegsverbrechen zu ahnden. Das Stuttgarter Verfahren fußt auf dem Völkerstrafgesetzbuch. Das gibt es zwar bereits seit 2002, Ritscher aber wendet es als Erster ...

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