Wirecard muss aus dem Dax

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

Fr, 14. August 2020

Wirtschaft

Die Deutsche Börse hat ihre Regeln für ihre Aktienindizes auf Druck von Investoren geändert.

. Die Pleite des Zahlungsabwicklers Wirecard veranlasst die Deutsche Börse, ihr Regelwerk für den Deutschen Aktienindex (Dax) und ihre anderen Börsenindizes zu verschärfen. Insolvente Unternehmen haben dort keinen Platz mehr. Damit wird Wirecard mit Handelsschluss am 21. August aus dem Dax ausgeschlossen. Vermutlich rückt der Essenslieferant Delivery Hero nach.

Wirecard ist der erste Konzern in der über 30-jährigen Geschichte des Dax, der Insolvenz angemeldet hat. Am 25. Juni beantragte der Zahlungsdienstleister die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Der Kurs der Aktie stürzte daraufhin ab. Als der Zahlungsdienstleister im September 2018 in den Dax aufgestiegen war und die Commerzbank ersetzt hatte, lag die Notierung bei fast 200 Euro. Am Donnerstag brach der Kurs weiter zeitweise um rund 12 Prozent auf nur noch 1,42 Euro ein. Der Börsenwert von Wirecard liegt mittlerweile bei weniger als 200 Millionen Euro, zeitweise waren es rund 24 Milliarden Euro.

Schon nach der Pleite war die Verwunderung unter Händlern, Investoren und Fondsmanagern groß, dass die Wirecard-Aktie nicht kurzfristig aus dem Dax ausgeschlossen wurde. Einen solchen Fall sahen die Indexregeln der Deutschen Börse allerdings nicht vor. Ohnehin wird die Zusammensetzung des Dax gemessen am Börsenwert, dem Streubesitz und des Umsatzes mit den Aktien nur alle drei Monate überprüft. Damit wäre die Wirecard-Aktie erst zum 21. September aus dem Dax geworfen worden. Den Unmut der Investoren bekam die Deutsche Börse immer deutlicher zu spüren. Eine von ihr Mitte Juli gestartete Umfrage bestätigt dies. Die Ergebnisse hat die Deutsche Börse jetzt veröffentlicht. Dieser "Marktkonsultation" zufolge bejahen professionelle Investoren wie auch Privatanleger mit klarer Mehrheit, dass insolvente Unternehmen "schnellstmöglich" aus dem Dax ausgeschlossen werden sollen. Diese Regelung gilt aber nicht für Finanz-Unternehmen, die einem Abwicklungs- und Sanierungsverfahren unterliegen. Das seien keine Insolvenzereignisse, heißt es bei der Deutschen Börse.

Die Regeln für die Aufnahme und die Zugehörigkeit zum Dax, aber auch für andere Indizes wie den MDax für mittelständische Unternehmen oder den SDax für kleinere Firmen, werden mit Wirkung zum 19. August geändert. Danach werden Firmen, die zahlungsunfähig sind und für die ein Insolvenzverfahren eingeleitet wird, innerhalb von zwei Handelstagen aus den Indizes entfernt. Mit dem Börsenschluss am Freitag, 21. August, endet die Dax-Ära für Wirecard nach nicht einmal zwei Jahren. Ab Montag, 24. August wird aller Wahrscheinlichkeit nach Delivery Hero den Zahlungsdienstleister im Dax 30 ersetzen. Delivery Hero betreibt weltweit Online-Bestellplattformen für Essen. Als möglicher Dax-Kandidat wird auch Symrise gehandelt, ein Anbieter von Duft- und Geschmacksstoffen.