Naturschützer fühlen sich übergangen

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Sa, 10. Oktober 2020

Breisach

Kritik von Naturschutzverbänden und Bürgerinitiative an der Erweiterung des Rimsinger Baggersees geht weiter/ Transportweg unklar.

Der Naturschutzbund NABU, der Landesnaturschutzverband (LNV) sowie die Bürgerinitiative Rimsingen-Lebenswert (BI) haben sich bei einer Pressekonferenz erneut gegen die geplante Erweiterung des Rimsinger Baggersees für den Kiesabbau ausgesprochen. Sie kritisierten insbesondere, dass beim Erörterungstermin am 17. Juli Fakten auf den Tisch gekommen seien, die bisher kaum oder noch gar nicht thematisiert worden seien.

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Zwei Kritikpunkte, zwei Varianten
An zwei Punkten, so betonte BI-Vorstandsmitglied Herbert Clemens, setze die neuerliche Kritik am Vorhaben und vor allem an der Vorgehensweise der Kiesabbaufirma Hermann Peter KG an. Erstens sei bislang – auch am eigens anberaumten Runden Tisch "Baggerseeerweiterung" – stets von einer Fläche von 1,9 Hektar bei der geplanten ersten, sogenannten "kleinen Erweiterung" ausgegangen worden. Dass es sich hier um die reine Abbaufläche, nicht aber um die gesamte Fläche, die für die Erweiterung des Sees in Anspruch genommen werden soll, handle, sei bisher nicht deutlich kommuniziert worden. Mit Nebenflächen würden 3,2 Hektar benötigt.

Zweitens habe man erstmals bei dem Erörterungstermin im Juli von den Plänen des Kiesunternehmens erfahren, wie und vor allem auf welchen Wegen das bei der Seeerweiterung anfallende Material – insbesondere das Holz der zu fällenden Bäume – abtransportiert werden soll. "Das wurde bislang an keiner Stelle des Antrags erwähnt", ärgerte sich Clemens. Die Fracht, rund 600 Lastwagen, soll, geht es nach dem Antragsteller Hermann Peter KG, auf einem vorhandenen Fahrweg auf der Nordwestseite des Sees abgefahren werden. Diese Route führt zumindest in Teilabschnitten mitten durch das unmittelbar angrenzende Naturschutzgebiet "Zwölferholz". Alternativ sei ein Transportweg auf der Ostseite des Sees genannt worden.

Mangelnde Transparenz
Diesen allerdings habe die Hermann Peter KG ausgeschlossen. Und das, wunderte sich Peter Lutz vom LNV Freiburg-Kaiserstuhl, mit dem Argument, dass Fauna und Flora an dieser Seite durch den Material-Abtransport zu sehr belastet würden. Hier allerdings gebe es zwar durchaus schützenswerte Natur, jedoch kein ausgewiesenes Naturschutzgebiet wie an der Nordwestseite des Sees.

"Wir waren am Erörterungstermin total überrascht, weil wir noch nie von den Transportwegen gehört hatten", ärgerte sich Axel Schwendemann vom NABU-Breisach über das Vorgehen der Hermann Peter KG. Für ihn und seine Mitstreiter kommen weder die Ost-Variante noch die ohnehin rechtlich geschützte Nordwest-Variante in Frage. "Erst gibt es eine Rechtsverordnung, dass dort nicht einmal Pkw fahren dürfen, und dann sollen da Laster rollen", bemängelte Schwendemann. "Wir sind unzufrieden mit dem Verfahrensablauf", legte Lutz nach. Zwar hatte es wenige Wochen nach dem Erörterungstermin einen Vorort-Termin zur Transportwegefrage gegeben, zu dem auch sein Verband eingeladen gewesen sei. Dieser Termin sei jedoch sehr spontan und mitten in den Ferien anberaumt gewesen. Außerdem habe es als Diskussionsgrundlage im Vorfelde keinerlei Planunterlagen in Schriftform gegeben.

Fragwürdige Logik
"Das macht eine Diskussion auf Augenhöhe schwierig", bemängelte Clemens. Nach dem Vorort-Termin, bei dem das Regierungspräsidium offenbar bereits eine Befreiung von den Auflagen im Naturschutzgebiet in Aussicht gestellt habe, seien nun Nachtragsunterlagen von der Firma Hermann Peter KG eingereicht worden, die begründeten, dass ein Abtransport über die Ost-Route aufgrund des Naturschutzes unmöglich sei.

Eine Farce, fand Peter Lutz, denn dies würde andererseits bedeuten, dass die Abfuhr des Materials, auch wenn diese in den Wintermonaten geplant wäre, durch ein Naturschutzgebiet naturverträglicher sei. "Das ist eine mangelnde Wertschätzung der Stellungnahmen von Naturschutzverbänden", ärgerte sich Lutz. An diesem Widerspruch würde der LNV nun seinen Widerspruch gegen die Pläne des Kiesunternehmens festmachen.

Einig sind sich Clemens, Lutz und Schwendemann, dass es auch anders gehhen könnte, wenn die Hermann Peter KG dies wolle. Zum einen könne die Erweiterung am Nordostufer schrittweise und damit der Materialtransport über die künftige Abbaufläche erfolgen. Dies aber sei zeit- und kostenaufwendiger.

Zum anderen zeigten sich alle Drei davon überzeugt, dass auf eine Erweiterung des Baggersees ohnehin verzichtet werden könnte, wenn der Kies in der Tiefe des Sees abgebaut würde. Dies, das hatte hingegen die Hermann Peter KG mehrfach betont und auch entsprechende Untersuchungen dazu angestellt, sei aufgrund der dort abgelagerten und mehrere Meter dicken Sedimentschicht nicht möglich.