Blick ins Elsass

Straßburg baut das Planetarium neu für den Blick ins Universum

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

So, 21. März 2021 um 10:31 Uhr

Straßburg

Kommunale Abwrackprämie: Straßburg schießt drei Millionen Euro für Abschaffung von Dieselfahrzeugen zu – Pop-Kultur liegt am Boden

Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die Europastadt Straßburg. Was sich – auch abseits der Corona-Sorgen – jenseits des Rheins so alles tut, beleuchtet unser "Blick ins Elsass".

Straßburger Sternengucker

Die Universität Straßburg gönnt sich ein neues Planetarium. Die Arbeiten an dem futuristisch anmutenden Gebäude haben bereits begonnen – Ende nächsten Jahres soll es eröffnet werden. Herzstück des 10,4 Millionen Euro teuren Gebäudes ist der neue Projektionssaal mit seinen 138 Plätzen. Das Publikum sitzt dort unter einem domartigen Bildschirm von 15 Metern Durchmesser, um in den Sternenhimmel einzutauchen. Das neue Planetarium ist damit deutlich großzügiger bemessen als das 1982 errichtete bestehende. Dort finden 60 Sternengucker unter einem Rund mit acht Metern Durchmesser Platz. Errichtet wird das neue Planetarium im sogenannten Garten der Wissenschaften der Universität, zwischen dem zoologischen und dem geologischen Institut, flankiert vom Boulevard de la Victoire auf der einen und der Rue de l’Université auf der anderen Seite. Wie besonders die Baustelle ist, zeigt der Umstand, dass in Frankreich laut einem Bericht der Straßburger Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace nur alle zehn Jahre ein neuer Projektionssaal in einem Planetarium gebaut wird. Sechs Projektoren werden die von der Erde aus sichtbaren Sternenbilder in sehr hoher Auflösung über den Köpfen der Zuschauer sichtbar machen. Präsentiert werden sollen in Zukunft auch neuste wissenschaftliche Erkenntnisse der Astronomen. Doch auch wenn der neue Saal komplett digitalisiert wird, so werden auch künftig wissenschaftliche Mitarbeitende in Interaktion mit dem Publikum treten. Mit den Präsentationen möchte man sich gezielt an ein erwachsenes Publikum wenden und weit über die bisherigen Vorführungen für Schulklassen hinausgehen. Außerdem ist eine Zusammenarbeit mit den umliegenden Museen – zum Beispiel dem zoologischen und naturkundlichen Museum geplant, das gerade ebenfalls aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Mitten in der zum Unesco Weltkulturerbe gehörenden Neustadt will sich die Universität mit dem neuen Planetarium zur Stadt und ihren Bewohnern hin öffnen.

Diesel-Abwrackprämien

Mit drei Millionen Euro will die Eurométropole de Strasbourg Einwohnern mit niedrigem Einkommen und kleinen Unternehmen unter die Arme greifen, die ihr altes Gefährt verschrotten müssen, wenn die Umweltzone vom 1. Januar 2022 an mit ihren von Jahr zu Jahr strenger werdenden Abgaswerten eingeführt wird. Mit 500 bis 1000 Euro könnten die staatlichen Hilfen aufgestockt werden. Damit soll die Anschaffung eines gebrauchten Fahrzeugs bezuschusst werden, das die Abgasnormen einhält, will heißen, mit Benzin fährt und nicht mit Diesel. Wer sein altes Auto aufgibt und auf öffentliche Verkehrsmittel oder Carsharing umsteigt, kann laut Planung ebenfalls 1000 Euro erhalten. Damit dieser Umstieg gelingen kann, wird nicht nur das Tramnetz erweitert, es wurden auch Anruflinienbusse eingerichtet, die abseits der normalen Busrouten verkehren. Mit diesem verbesserten Nahverkehrsangebot und den Prämien (auch für den Kauf eines E-Bikes) sowie einem aufwendigen Kommunikationskonzept versucht die grüne Regierung der Eurométropole zum einen die Einwohner, zum anderen aber auch die konservativen Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden der Europometropole von der Umweltzone zu überzeugen. Dabei ist die Frage nicht, ob sie kommt: Dass sie eingerichtet werden muss, ist Gesetz. Frankreich ist ob der zu hohen Luftverschmutzung ins Visier der EU geraten und muss handeln. Umstritten ist der Zeitplan: Während die Regierung der Eurométropole die letzte Stufe und damit die schärfste Form der Umweltzone für Straßburg und den ersten Ring der umliegenden Kommunen 2025 erreicht haben möchte, würden sich einige Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden gerne mehr Zeit lassen und Fahrzeuge mit Dieselmotor erst 2030 vom Gebiet der Eurométropole verbannen.

Seit einem Jahr zu
Es ist seit Jahrzehnten der Ort für Rock, Pop und Jazz in Straßburg: In der Laiterie gibt es in normalen Zeiten Wochen, in denen täglich mindestens ein Konzert stattfindet, manchmal sogar zwei. Inzwischen ist die Institution seit einem Jahr coronabedingt geschlossen. 135 der Konzerte, die nicht stattfinden konnten, wurden verschoben – manche – wie auch in Offenburg – zwei- und dreimal. 95 Musikerinnen und Musiker warten darauf, auf den Bühnen im großen Saal und im Club auftreten zu können. Neun Konzerte konnten im vergangenen Jahr stattfinden – drei davon innerhalb von 24 Stunden, quasi um das Ende der ersten strengen und zwei Monate langen Ausgangssperre zu feiern. Auch ein Konzertereignis im Rahmen des Festivals Musica und in Kooperation mit Ososphère wurde mit einem strengen Hygienekonzept möglich. Als Ende Oktober in Frankreich die Ausgangssperre um 20 Uhr kam, passte die Laiterie ihr Programm an und zog den Beginn der geplanten Veranstaltungen auf 18 Uhr vor – doch kurz darauf wurde der Kulturbetrieb von der französischen Regierung komplett eingestellt. Hoffnungen, Mitte Dezember, dann Mitte Januar, wieder öffnen zu dürfen, haben sich durch steigende Sieben-Tage-Inzidenzen und dem Auftauchen der Virusvarianten immer wieder zerschlagen. Mit Online-Konzerten, auch im Rahmen des alternativen Weihnachtsmarktprogramms hat die Laiterie zu ihren Fans Kontakt gehalten und 21 Künstlern aus der Region die Möglichkeit geboten, die Bühne wenigstens in diesen Schwundstufen des Live-Erlebnisses zu nutzen, um die Zukunft vorzubereiten. An Plänen für die Nach-Corona-Zeit fehlt es den Machern in der Laiterie nicht – in der Schublade liegen bereits Pläne für ein Fest im Bahnhofsquartier, kulturelle Aktionen und Workshops in der Stadt sowie Ausstellungen.

Neue Wirte Chez Yvonne
Seit Ende Oktober sind Gaststätten in Frankreich geschlossen – darunter auch die wohl berühmteste Winstub Straßburgs Chez Yvonne. Das 1873 von Eugène Jacquement unter dem Namen S’Burjestuewel gegründete Lokal hat – nachdem es Yvonne Haller 1956 gekauft hat – soviel Politprominenz gesehen wie wohl kaum ein anderes in der Stadt. Der ehemalige französische Staatspräsident Jacques Chirac hat hier ebenso gerne gegessen, wie die Kanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder. Boris Jelzin war Gast und auch Johnny Hallyday. 47 Jahre hat Yvonne Haller das Restaurant geführt, bevor sie es am 1. Mai 2001 an Jean-Louis de Valmigère übergeben hat. Der wiederum hat es am 1. Mai 2011 an seine Kinder weitergereicht. Erneut zehn Jahre später und wieder am 1. Mai bekommt Chez Yvonne in der Rue du sanglier einen neuen Besitzer: Die Familie Burrus und Cédric Moulot übernehmen das Restaurant mit seinen rund 100 Plätzen. Beide sind keine Unbekannten in der Straßburger Gastronomieszene: Die Familie Burrus nennt die Maison Artzner ebenso ihr Eigen wie das Relais de la Poste und Les Secrets des Grands Express. Cédric Moulut gehört das Crocodile, die Restaurants 1741, 231 East Street und seit Sommer 2020 auch Saint-Sépulcre.