Neubau im Innenhof

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 15. Dezember 2019

Freiburg

Der Sonntag Industrie- und Handelskammer findet eine naheliegende Lösung für ihr Platzproblem.

Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein hat sich in dieser Woche einstimmig für einen Neubau im Innenhof des bestehenden IHK-Gebäudes an der Freiburger Bahnhofsachse ausgesprochen. Damit geht eine 20-jährige Auseinandersetzung zu Ende.

Die IHK ist auf eine erstaunlich günstige und leicht umzusetzende Variante für ihren schon lange geplanten Anbau gestoßen. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, Alwin Wagner, griff eine alte, aber längst verworfene Idee auf und prüfte eine Bebauung des Innenhofes des IHK-Gebäudes an der Bismarckallee. In der IHK war man davon ausgegangen, dass dies aus statischen Gründen wegen der unter dem Innenhof vermuteten Tiefgarage nicht möglich sei. Nun aber stellte Wagner fest, dass es dazu gar kein statisches Gutachten gibt und sich die Tiefgarage zudem nicht unter, sondern neben dem Platz befindet. Damit gab es plötzlich eine neue Option mit einem guten "Kosten-Nutzenverhältnis" wie Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon in einem Pressegespräch sagte. Geschätzte Kosten: gut zehn Millionen Euro, inklusive der Sanierung des Hauptgebäudes. Ein Neubau an einem anderen Standort hätte die IHK locker über 30 Millionen Euro gekostet. Zudem wäre es schwer gewesen, einen so zentralen Ort wie an der Bahnhofsachse zu finden, gab Salomon zu bedenken.

Gegen eine Erweiterung des IHK-Gebäudes auf das Grundstück der benachbarten Discotheken Cräsh und Drifters hatte sich nicht nur eine Mehrheit des Gemeinderats ausgesprochen und sich damit gegen die Stadtverwaltung gestellt; Widerstand kündigten auch die Betreiber des Cräsh und Bewohner des Stadtviertels an.

Erstmals war die IHK im Jahr 2000 mit einem entsprechenden Erweiterungsplan an die Öffentlichkeit gegangen – nur neun Jahre nach dem Neubau an der Bahnhofsachse. Zuletzt hatte die IHK eine Erweiterung auf dem maroden Parkdeck "Faulerpalette" geprüft. Doch auch hier hat sich schnell Widerstand formiert: Anlieger argumentierten unter anderem mit dem Erhalt der Grünspange entlang der Dreisam. In der Bahnhofsvorstadt stellt die IHK mit ihrem modernen Gebäude für etliche Bewohner alternativer Wohnprojekte immer noch einen Fremdkörper dar, weshalb sie die Erweiterungspläne auf Kosten benachbarter Gebäude grundsätzlich skeptisch beäugen.

Dass jetzt eine kostengünstige Lösung gefunden wurde, ist selbstverständlich im Sinn der IHK-Mitglieder, wie Salomon betonte. Damit bleibt den Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Umlage – also des Mitgliedsbeitrags – erspart. IHK-Präsident Steffen Auer betonte, dass die IHK Südlicher Oberrhein mit den niedrigsten Umlagesatz in Deutschland habe, und dabei bleibe es. Auer spricht daher von einem "positiven Kompromiss". Vom "klein beigeben" könne keine Rede sein.

Schon in einem Jahr kann gebaut werden

Die IHK-Vollversammlung mit 32 anwesenden Mitgliedern stimmte in dieser Woche geschlossen für die Bebauung des Innenhofes. Schon in einem Jahr könnte Baubeginn sein.

Der Neubau im Innenhof soll aus zwei Stockwerken bestehen. Eine Aufstockung des IHK-Weiterbildungszentrums gegenüber dem Hauptgebäude um ein Stockwerk behält sich die Kammer vor. Die Stadt hat bereits Zustimmung für das Bauvorhaben signalisiert. Im Anschluss an den Neubau soll das Hauptgebäude saniert werden. Insbesondere beim Brandschutz gebe es Nachholbedarf, sagte Auer.

Die IHK mit ihren 90 Beschäftigten in Freiburg klagt schon lange über das zu kleine, auf nur 50 Mitarbeiter ausgelegte Gebäude an der Bahnhofsachse. Teilweise säßen drei Mitarbeiter in einem Büro, das für einen Arbeitsplatz konzipiert sei, sagte Auer. Der Standort in Lahr mit 39 Beschäftigten ist ebenfalls voll besetzt. In Offenburg, wo es sechs Mitarbeiter gibt, gibt es noch Kapazitäten.

Finanziert werden soll die Erweiterung durch Rücklagen. Etwa 2,5 Millionen Euro habe man angespart, sagte Vorstandsmitglied Thomas Kaiser. Der Rest müsse fremdfinanziert werden.