Nicht aufgeben und sich gut informieren

Michael Sträter

Von Michael Sträter

Di, 04. Mai 2021

Emmendingen

AUSBILDUNGSMARKT IM LANDKREIS (2): IHK will Jugendlichen mit Onlinekompetenztest eine Berufsorientierung ermöglichen.

. Einen Einbruch meldete das Statistische Bundesamt kürzlich bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Danach sank die Ausbildungsquote im vergangenen Jahr bundesweit um rund 9,4 Prozent gegenüber 2019. Auch die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein meldet rückläufige Zahlen.

Im Jahr 2020 registrierte die IHK für den Landkreis Emmendingen 376 abgeschlossene Ausbildungsverträge. Zum Vergleich: Vom 1. März bis 31. März 2020 wurden insgesamt 135 Verträge abgeschlossen, im gleichen Zeitraum dieses Jahres waren es 93. Dies entspricht einem Rückgang von mehr als 30 Prozent. Dabei werden laut Johannes Silberer, stellvertretender Leiter der Aus- und Weiterbildung bei der IHK, weniger Ausbildungsstellen angeboten, "allerdings übersteigt die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen immer noch die Zahl der bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Bewerber", antwortet er schriftlich auf eine Anfrage der BZ.

Trotz eines geringeren Angebots in den besonders von Corona betroffenen Branchen gebe es keinen Mangel an Ausbildungsplätzen. Das Gegenteil sei der Fall: Vielen Betriebe fiele es schwer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, "weil bewährte Plattformen wie Messen, Schulkooperationen oder ähnliches nicht stattfinden können". Für die Unternehmen sei klar: Nach der Pandemie sind sie wieder auf jede helfende Hand angewiesen. "Insofern ist die Motivation der Wirtschaft, Ausbildungsplätze anzubieten, ungebrochen hoch. Die Frage ist nur, wann eine verlässliche Planung wieder möglich ist."

So sei es jetzt umso wichtiger, Jugendliche weiter im Prozess der Berufsfindung zu begleiten. "Da bieten wir einiges, beispielsweise die persönliche, beziehungsweise virtuell-persönliche Beratung zum Ausbildungsangebot oder auch zu einzelnen Berufen", so Silberer. Für Väter und Mütter, die Unterstützung bei der Berufsfindung ihrer Kinder brauchen, wurde eine Eltern-Hotline eingerichtet. Hier informieren die Ausbildungsberater der IHK nicht nur über die verschiedenen Ausbildungsberufe, sondern geben auch Tipps zu den Bewerbungsunterlagen der Sprösslinge. Über die IHK-Lehrstellenbörse können junge Leute freie Stellen finden. Und damit es dann mit der Einstellung klappt, biete die IHK ein Online-Bewerbungstraining für Schulklassen an.

"Und falls jemand noch gar nicht weiß, was sein oder ihr Traumberuf ist, kann er oder sie das kostenlose IHK-Berufsprofiling machen. Das ist ein dreistündiger Kompetenztest, bei dem Fähigkeiten, aber auch Interessen und Talente abgefragt werden", so Silberer. Letztlich findet am 18. Und 19. Mai das Projekt "It’s a Match" statt, eine Art Speeddating zwischen Jugendlichen und Unternehmen.

Wer jetzt noch keinen Ausbildungsplatz gefunden habe, für den gelte laut Silberer: "Wichtigster Rat: Nicht aufgeben. Und falls es mit dem Wunschberuf nicht klappt, sollten die jungen Leute auch offen für Alternativen sein. Die müssen ja auch gar nicht so weit weg sein vom Wunschberuf. Da gilt, und das ist der zweitwichtigste Rat: Gut informieren."