Noch in der Phase des frühen Picasso

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Mi, 27. März 2019

Lörrach

Ausstellung "In eigener Sache" mit Werken aus dem Atelier Frida der Lebenshilfe im Glashaus.

LÖRRACH. Bei der Ausstellung "In eigener Sache" im Café-Bistro Glashaus zeigt das Atelier Frida zum vierten Mal Werke von künstlerisch begabten Mitarbeitern der Lebenshilfe Lörrach, dieses Mal von Sandra Stankiewitz, Peter Ehrlich, Carmen Schäuble und Simona Picona. Im auf dem ehemaligen Schöpflinareal in Brombach beheimateten Atelier entwickeln Künstler mit Behinderung unter Anleitung von Kunstpädagogin Christiane Puppel ihre Fähigkeiten weiter.

Bei der Vernissage verglich Lebenshilfe-Geschäftsführer Helmut Ressel Christiane Puppel mit einer Gärtnerin, welche die Samen – Menschen mit Behinderung, die sich künstlerisch ausdrücken können – düngt und pflegt, so dass sie schön wachsen können. Wie gut ihr das gelingt, sehe man an den Bildern der Ausstellung, die erneut Kathrin Schröder-Meiburg kuratiert hat. "Es tut gut, so erfolgreich zu sein und die Wertschätzung zu spüren, die der sehr gute Besuch der Ausstellungseröffnung beweist", freute sich Puppel. Die sogenannte Outsider-Kunst müsse ganz weg kommen vom sozialen Bonus, forderte sie, und die Künstler dort eingereiht werden, wo sie hingehören: in dieselbe Linie mit allen Künstlern. "Die sind so begabt, dass das kein Problem ist."

Nicht von ungefähr ist die Outsider-Kunst in den Museen angekommen und erzielt mancherorts höchste Preise. "Wir sind noch in der Phase des frühen Picasso, als der noch froh war, seine Bilder überhaupt zeigen zu können", stellte Helmut Ressel fest. Das Atelier Frida könne deshalb nicht wirtschaftlich arbeiten und werde mit Hilfe von Spenden betrieben. Wie Christiane Puppel erklärte, gebe es bei den vier beteiligten Künstlerinnen und Künstlern immer noch ein Staunen darüber, dass sie so begabt sind. Sie müsse es ihnen immer wieder sagen. Peter Ehrlich zum Beispiel, der ein äußerst talentierter, feinsinniger, vielseitiger Zeichner für Motive jeglicher Art ist. Zuletzt hat er sich der pointillistischen Malweise zugewandt und der Darstellung von Vögeln.

Sandra Stankiewitz ist eine der ersten Atelier-Frida-Künstlerinnen und deshalb nicht bloß im Glashaus keine Unbekannte mehr. Sie lässt sich gerne von Referenzbildern stimulieren und bringt diese in ihrem ganz eigenen Malstil zu Papier. Ausdrucksstark, farbig, expressiv und figürlich ziehen die Werke den Betrachter mit Witz und Charme in ihren Bann.

Talent und Begabung dürfen wachsen

Noch nicht so lange ist Carmen Schäuble dabei. Sie belebt die Gruppe durch ihre überwiegend abstrakten Bilder und einen für das Atelier Frida ganz neuen Stil. Auch sie beweist in ihren meist großformatigen Gemälden ein bemerkenswertes gestalterisches Talent. Die Vierte im Bunde der Ausstellenden und die Einzige, die aus Krankheitsgründen bei der Vernissage in der vergangenen Woche nicht anwesend sein konnte, ist Simona Picone. Die Künstlerin beobachtet ihre Umwelt genau und setzt das, was sie sieht, bildnerisch um – am liebsten mit Aquarellfarbe. Ihr Werk "Mein Team II" zeigt ihre Mitarbeiter in der Lebenshilfe-Werkstatt in Haagen so genau, dass etwa der Fahrer die Einzelnen spontan erkannte.

Termine: In eigener Sache, Werke von Sandra Stankiewitz, Peter Ehrlich, Carmen Schäble, Simona Picone, bis 21. Juni, Café-Bistro Glashaus am Chesterplatz.