Nebenwirkungen

Norwegen und Deutschland untersuchen Todesfälle nach Corona-Impfungen

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Do, 21. Januar 2021 um 14:44 Uhr

Gesundheit & Ernährung

In Norwegen könnten 13 hochbetagte Menschen aufgrund der Nebenwirkung des Vakzins gestorben sein. Auch aus Deutschland sind Fälle bekannt. Diese werden nun geprüft.

Gesundheitsbehörden in Norwegen und Deutschland gehen einer Reihe von Todesfällen nach, die im Zusammenhang stehen könnten mit einer Injektion des Corona-Impfstoffs der Firma Biontech. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts geht es in Deutschland um sieben Todesfälle, in Norwegen werden 13 in einen solchen Zusammenhang gebracht, weitere zehn Fälle werden geprüft. Die ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut wie auch die norwegischen Behörden sehen derzeit keinen Grund, ihre Impfstrategie zu ändern.

Alle Todesfälle in Norwegen betreffen nach Angaben der Gesundheitsbehörde FHI betagte Bewohner von Pflegeheimen, die in Norwegen wie in anderen Ländern vorrangig geimpft werden. Dabei seien Nebenwirkungen aufgetreten, die stärker ausfielen als üblich. Alle Verstorbenen wiesen nach FHI-Angaben erhebliche Vorerkrankungen auf oder waren akut krank, unter ihnen befanden sich auch Krebs- und Herzpatienten sowie Patienten mit chronischen Lungenkrankheiten, die genau deshalb vorrangig geimpft werden sollten. Der Direktor der Arzneimittelbehörde "Legemiddelverket", Steinar Madsen, riet im norwegischen Rundfunk, Ärzte sollten sorgfältig überlegen, wer geimpft werden soll. "Es scheint, dass einige dieser Patienten so schwere Nebenwirkungen in Form von Fieber und Unwohlsein bekommen können, dass eine sehr schwere Krankheit noch schwerwiegender werden kann, was zum Tod führen kann." Die Impf-Empfehlungen wurden entsprechend ergänzt.

Ob es einen Zusammenhang zwischen der Impfung und den Todesfällen gibt, ist unklar

Gegenüber dem British Medical Journal betonte Madsen zugleich: "Es gibt keinen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen den Todesfällen und der Impfung. Es kann ihn geben, aber wir sind nicht sicher." Und eine Untersuchung der Todesfälle durch das Norwegian Institute of Public Health (NIPH) kommt zum Schluss, man habe keinen kausalen Zusammenhang zwischen den Corona-Impfungen und den Todesfällen feststellen können, wird die NIPH-Leiterin Sara Viksmoen Watle in einer Mitteilung zitiert. Laut FHI wurde das Vakzin in Norwegen bisher mehr als 25 000 Menschen gespritzt. Zuletzt starben pro Woche im Durchschnitt 400 Bewohner von Pflegeheimen, es gebe also keinen signifikanten Anstieg. Nach Einschätzung der FHI gelte "für die überwiegende Mehrheit der älteren Menschen, die mit Gebrechlichkeit leben, (dass) alle Nebenwirkungen des Impfstoffs durch ein geringeres Risiko einer schweren Erkrankung an Covid-19 mehr als ausgeglichen" werden.

Kein Anlass, die Impfempfehlung zu ändern

In Deutschland wurden dem für die Zulassung von Impfstoffen zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bis 10. Januar 325 Verdachtsfälle mit 913 "unerwünschten Reaktionen" gemeldet. "In 51 Fällen wurde über schwerwiegende Reaktionen berichtet", heißt es im Sicherheitsbericht des Instituts, der künftig wöchentlich erscheinen soll. Umgerechnet seien dies 0,53 Fälle pro 1000 Impfdosen, bezogen auf schwere Nebenwirkungen ist das Verhältnis 0,08 Verdachtsfällen pro 1000 Impfdosen. Das liege im Rahmen der Erwartungen. In sieben Todesfällen geht das Institut von einem Zusammenhang aus, in weiteren sehe man diesen nicht.

Die Arzneimittelbehörde in Oslo wie auch das PEI verweisen darauf, dass im Zulassungsverfahren nur sehr wenige Daten für den jetzt betroffenen Personenkreis der gebrechlichen, akut erkrankten oder hochbetagten Menschen erhoben worden seien. Daher sehe man bei der Ständigen Impfkommission keinen Anlass, die Impfempfehlung zu ändern.

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