Fisfüz

ORIENTAL JAZZ: Neue Höhenflüge

Stefan Franzen

Von Stefan Franzen

Mi, 20. März 2019

Rock & Pop

Fast jeder kennt den Gassenhauer "Tulpen aus Amsterdam". Dass die Tulpe ("Lale") in der Türkei und anderen östlichen Gefilden schon viel länger verehrt wird, hat das Ensemble FisFüz im 20. Jahr seines Bestehens zu neuen künstlerischen Höhenflügen inspiriert. In einem wiegenden aserbaidschanischen Volkslied wird der Frühling eingeläutet, mit süffiger Klarinette, elegant schnipsender Perkussion und leutseligem Gesang. Versonnen-melancholisch kreist Murat Coskuns Komposition "Lale", in der Gitarre und Hang behutsam hervortreten. Schon lange ist das Prädikat "Oriental Jazz" beim Trio glatte Untertreibung, so auch hier: Um die gewundenen Pfade der Tulpe nachzuzeichnen, haben sie in "Eurasiana" den russischen Hornisten Arkadi Shilkloper zu einem komplex gebauten Klangtableau zwischen slawischem Galopp und französischem Flair eingeladen. Die Glocken des Kremls dienen Coskun als Grundbeat für eine Tour de Force durch verschiedene Schlagwerk-Kulturen, während einer "Kolomeyka" werden die ukrainischen Kosaken mit einer immer ordentlicheren Prise Klezmer konfrontiert. Und in einem georgischen Hirtenlied gestalten Gürkan Balkans Oud und Annette Mayes Klarinette einen ergreifenden Intro-Dialog vor Coskuns rasendem Schellentrommeltanz.

Ensemble FisFüz: Lale – Colours Of Eurasia (Pianissimo/Edel). Konzerte: So, 24. März, Freiburg, E-Werk, 19 Uhr; 18. Mai, Schopfheim, St. Agathen, 20 Uhr.