Ärgernis

Pfusch am Maulburger Bahnhofsgebäude kostet 20.000 Euro

Gerald Nill

Von Gerald Nill

Mi, 15. September 2021 um 07:07 Uhr

Maulburg

Das erst vor drei Jahren sanierte Maulburger Bahnhofsgebäude hat ein Schimmelproblem. Der Gemeinderat fragt nach Verantwortlichkeiten, stimmt einer Behebung für 20.000 Euro aber zu.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels wurde als Summe 200.000 Euro angeben. Allerdings summieren sich die zusätzlichen Sanierungskosten auf lediglich 20.000 Euro. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Schimmelbefall in einer Wohnung des erst vor drei Jahren sanierten Bahnhofsgebäudes in Maulburg, das der Gemeinde gehört, beschäftigte die Gemüter bei der Gemeinderatssitzung. Man fragte sich, wer für den Pfusch verantwortlich ist und wer dafür finanziell belangt werden kann.

Das Bahnhofsgebäude wurde 2018 zu einem Mehrfamilienhaus mit vier Wohneinheiten umgebaut. In den Räumen unter der Terrasse wurde 2019 Schimmel festgestellt. Von Seiten des Bauamtes wurde zuerst auf das richtige Lüftungsverhalten verwiesen. Trotz dieser Maßnahmen verbesserte sich die Situation nicht.

Um Klarheit für die Ursache des Befalls zu bekommen, schaltete die Gemeinde einen Gutachter ein. Dessen Untersuchung ergab, dass geometrische Wärmebrücken an den Fensterlaibungen und den Ecken der Außenwände die Schäden verursacht haben. Durch eine reduzierte Oberflächentemperatur könne es an diesen Stellen zu Kondensatbildung auf der Oberfläche und Schimmelpilzbefall kommen, hieß es. Durch das Aufbringen eines vier Zentimeter starken, feuchteregulierenden mineralischen Hochleistungsdämmputz sollen die Wärmebrücken behoben werden.

Wärmebrücken hätte man erkennen müssen

Für die Verwaltung präzisierte Birgit Bergmann, dass es sich um die untere rechte Wohnung im Bahnhofsgebäude handelt. Auf Nachfrage von SPD-Fraktionschef Christian Leszkowski, ob man die Wärmebrücken schon vor drei Jahren hätte erkennen müssen, antwortete sie mit einem klaren Ja. Christian Speck (fraktionslos) wollte wissen, wen man für die Gewährleistung haftbar machen könne. Antwort: Die Handwerker nicht, die hätten nur ausgeführt, womit sie beauftragt wurden. Also das involvierte Planungsbüro? Im Prinzip ja, meinte Bürgermeister Jürgen Multner.

Gemeinde ist als Vermieterin in der Pflicht

Er gab aber erstens zu bedenken, dass es sich bei dem Umbau um eine Umnutzung mit neuen bauphysikalischen Eigenschaften gehandelt habe. Zweitens stellte er die rechtliche Umsetzbarkeit eines Regresses in Frage. Rainer Sänger (Freie Wähler) fragte, ob eine weitere Wohnung von Schimmel betroffen sei, was Birgit Bergmann einräumen musste, nämlich links im Flur, was man zunächst mit einem Trocknungsgerät in den Griff zu bekommen versuche. Zu den zusätzlichen Sanierungskosten in Höhe von knapp 20.000 Euro meinte Bürgermeister Multner abschließend: "Wir sind als Vermieter in der Pflicht und haben keine Entscheidungsfreiheit." Dem schlossen sich die Gemeinderäte dann auch bei einer Enthaltung an. Die Ausführung der Arbeiten sollen unverzüglich beginnen.