Pitbull-Staffordshire-Mischling

Polizisten erschießen Kampfhund in Offenburg auf offener Straße

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Do, 25. Juli 2019 um 11:44 Uhr

Offenburg

Der Rüde hatte einen Kater getötet, der unter einem Auto hervorgekommen war. Den sogenannten Wesenstest hatte das Tier allerdings bestanden – dennoch sahen die Beamten keine andere Möglichkeit.

Mehrere Pistolenschüsse haben am frühen Mittwochnachmittag Bewohner der Oststadt aufgeschreckt. Zwei Polizeibeamte haben dort gegen 14.40 Uhr einen gemeinhin als Kampfhund bezeichneten Pitbull-Staffordshire-Mischling erschossen. Der Rüde hatte in der Friedrichstraße einen Kater getötet.

Die Besitzerin des Hundes hatte in ihrer Mittagspause das Tier durch die Oststadt ausgeführt. Kurz vor 14.30 Uhr kam der Kater unter einem Auto hervor – vor dem zufällig vorbeispazierenden angeleinten Hund. Beide Tiere hätten sich über die Begegnung erschrocken, so Zeugen der Szene. Seinen Reflexen folgend packte der Hund zu, der nach Auskunft der Polizei den für sogenannte Kampfhunde erforderlichen Wesenstest bestanden hatte.

Die Hundebesitzerin versuchte, die Tiere zu trennen, griff ins Hundemaul und wurde dabei sowohl von Hund als auch von dem verzweifelten Kater gebissen, wie sie auf Anfrage mitteilte. Da ihre Bemühungen erfolglos blieben und um die Zeit der großen Mittagshitze zunächst niemand auf der Straße war, rief sie laut um Hilfe. Die Katzenbesitzer eilten herbei. Ein Passant und eine Passantin kamen ebenfalls zur Hilfe. Einer der Katzenbesitzer alarmierte schließlich mit Zustimmung der Hundebesitzerin um 14.30 Uhr per Notruf die Polizei, weil es ihnen nicht gelang, die Tiere zu trennen. "Mit der Gehhilfe einer älteren Passantin gelang es mir schließlich doch, das Maul des Hundes aufzuhebeln", sagte die Hundebesitzerin am Tag danach. Doch der Kater war bereits tot. Es handelte sich um ein 13 Jahre altes Tier, um das die Trauer seiner Besitzerfamilie groß ist. "Wir haben erst letzte Woche unseren 18 Jahre alten Kater verloren", sagt die tief betroffene Tierfreundin.

Wie ein Sprecher der Polizei erklärt, knieten beim Eintreffen der beiden herbeigeeilten Streifenbeamten, die Hundebesitzerin und ein Passanten auf dem Hund um das Tier, das sich heftig wehrte, niederzuhalten. "Auf dem Straßenpflaster sind sogar Kratzspuren von den Hundekrallen zu sehen", erklärt Rüdiger Schaupp von der Medienstelle des Polizeipräsidiums Offenburg.

"Ich hatte auch darum gebeten, den Tierarzt anzurufen, bei dem wir noch am Montag in der Sprechstunde waren, weil mein Hund Fieber hatte", erklärt die Hundebesitzerin weiter. Der habe auch zugesagt, dass er sofort kommen wolle. "Ich wollte, dass der Arzt meinem Hund eine Betäubungsspritze gibt, damit er nicht auf offener Straße erschossen wird." Doch die Polizisten hätten so lange nicht warten wollen. "Sie haben mich mehrfach aufgefordert, aufzustehen und den Hund frei zu geben", so die Zeugin.

Als sie sich erhob, sei für die Kollegen nicht erkennbar gewesen, ob der Hund "in seinem Rausch", so Polizeisprecher Schaupp, sich wieder auf den toten Kater, auf die Beamten oder auf die umstehend Passanten habe stürzen wollen. Sie hätten sich deshalb für das sofortige Töten des Hundes entschieden. Mit "mehreren Schüssen" aus beiden Dienstwaffen, so Schaub hätten sie ihn niedergestreckt. "Weil er auf die ersten Treffer keine Reaktion gezeigt hat", so der Polizeisprecher. Aber die Schmerzunempfindlichkeit sei bei dieser Hunderasse bekannt.

Kurz nach den Schüssen, so die Hundehalterin, sei der Tierarzt eingetroffen, aber da waren sowohl der Kater als auch der Hund schon tot.