Umbau dringend nötig

Problemhunde machen dem Tierheim in Weil am Rhein immer mehr zu schaffen

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Fr, 17. Januar 2020 um 08:33 Uhr

Weil am Rhein

Das Tierheim in Weil am Rhein muss sich um immer mehr auffällige Hunde kümmern. Diese sind schwer zu vermitteln. Nun wird der Platz im Zwinger knapp. Ein Aufnahmestopp steht im Raum.

Im Emma Paolini Tierheim im Sohleck hegt man deshalb Umbaupläne, die vor allem die Zwingeranlage für Hunde im hinteren Bereich betreffen. Diese ist derzeit restlos besetzt – vor allem mit verhaltensauffälligen Hunden, die schwer vermittelbar sind. Die derzeit 15 Hunde werden vom Team um Tierheimleiterin Leonie Moser versorgt. Ebenso wie die 17 Katzen, sieben Kaninchen und eine Wasserschildkröte. Bei Katzen, Nagern – und auch bei Hundewelpen – gibt es momentan keine Vermittlungsprobleme.

Immer mehr Problemhunde

"Wir haben immer mehr schwierige Hunde, für die sich kaum ein geeignetes neues Zuhause finden lässt und die deshalb Langzeitinsassen sind", schildert Leonie Moser. Den traurigen Rekord hält derzeit ein Rottweilermischling, der bereits seit fünf Jahren im Tierheim im Sohleck lebt. "Ich weiß nicht, wo das noch hinführen soll", sagt die Tierheimchefin, denn diese Hunde – zumeist junge, kastrierte Rüden mit hohem Aggressionspotenzial – stellen auch für ihr Team eine Herausforderung dar. So absolvierten Leonie Moser und ihre Stellvertreterin Isabelle Rupp eigens einen speziellen Lehrgang zum Umgang mit auffälligen Hunden.

Einige Besitzer hätten ihre aggressiven Hunde sogar mit der Aussage vorbeigebracht, dass sie die Tiere einschläfern lassen würden, wenn das Tierheim sie nicht aufnehme, erinnert sich Leonie Moser. Während es für Problemhunde, die einzeln im Zwinger untergebracht werden müssen, praktisch einen Aufnahmestopp gebe, finde man für pflegeleichtere Exemplare immer eine Lösung, ergänzt sie. Meist ließen sich diese ins "Bürorudel" integrieren.

Umbaupläne für Zwinger

Gerade im Winter werde ihr Herz abends noch schwerer, wenn sie das Tierheim verlasse, sagt Moser. Denn die Unterbringung in den sechs Zwingern, die meist nur notdürftig mit Wärmelampen ausgestattet sind, komme einer Kältehaltung gleich, da die zum Teil vorhandenen Einzelheizungen defekt seien. "Eine Bodenheizung wäre ein kleiner Traum", sagt Moser. Ein Architekt prüfe derzeit, was auf der begrenzten Fläche machbar sei. Vielleicht könne man durch Umorganisierungen auch mehr Zwingerplätze schaffen. Selbstverständlich werde man die Umbaupläne im Detail mit der Stadt absprechen. Da der Tierschutzverein das geschätzte Kostenvolumen von 500.000 Euro unmöglich selbst aufbringen kann, hofft er auf Spenden sowie Zuschüsse der Stadt und des Tierschutzbundes.

Zweigstelle als Vision

Das Projekt befindet sich noch in der Anfangsphase. Es gebe neben der Finanzierung noch viel abzuklären – etwa, wie die Unterbringung der Hunde während der Umbauphase organisiert werde. Für die Tierheimleiterin ist damit klar, dass eine Realisierung bis zum kommenden Winter wohl nicht möglich sein wird. Langfristig ist es ein Traum von Moser, die auch Vorsitzende des Tierschutzvereins ist, in der Stadt oder im Umland eine Außenstelle zu eröffnen. Sie weiß jedoch, wie schwer es ist, dafür eine Immobilie außerhalb der Wohnbebauung zu finden.

Fast ein Gnadenhof

Auffällige Hunde können nur in die Hände erfahrener und sehr geduldiger Hundehalter gegeben werden, in deren Haushalt keine Kinder leben und die bereit sind, die Hundeschule zu besuchen. Da solche Hundefreunde kaum noch zu finden seien, bestehe die Gefahr, dass das Tierheim für einige Vierbeiner zum Gnadenhof werde, befürchtet Moser.

Erstmals ein Auszubildender

Stolz ist man im Tierheim, dass die Einrichtung mit Jan Schirmacher aus Lörrach erstmals in ihrer Geschichte über einen Lehrling verfügt. Über Praktikum und Bundesfreiwilligendienst hatte er das Tierheim zuvor kennengelernt. Seit September bildet ihn Leonie Moser nun zum Tierpfleger aus.
Weitere Infos unter: www.tierschutzverein-weil.de.