Profiteure der Privatisierung und Putin-Freunde

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Von dpa & BZ-Redaktion

Do, 23. Juni 2022

Wirtschaft

Die Anfänge des Reichtums vieler russischer Oligarchen reichen in die 1990er-Jahre zurück, andere haben einen guten Draht zum Kreml.

"Russische Eliten und Oligarchen sind vermutlich unter den Besten auf der Welt darin, ihren Reichtum zu verbergen", sagte der Washington Post ein ranghoher Beamter des US-Finanzministeriums, der eine führende Rolle bei der Umsetzung der Sanktionen gegen Moskau spielt.

Woher stammt das Vermögen der Oligarchen? Die Anfänge ihres Reichtums reichen in die 1990er-Jahre zurück. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden zuvor staatseigene Betriebe privatisiert. Zum Konzept der Reformer unter Präsident Boris Jelzin gehörten Wertschecks, die an Bürger verteilt wurden und bei Privatisierungsauktionen eingesetzt werden konnten. Doch nach einer von teils brutaler Gewalt begleiteten Umverteilung landete die Kontrolle über Großbetriebe lukrativer russischer Industrien bei einer Handvoll Unternehmern. Sie wurden Oligarchen genannt – von Oligarchie, dem altgriechischen Begriff für die Herrschaft Weniger.

Längst freilich ist die Macht dieser Wirtschaftselite beschränkt. Präsident Wladimir Putin und der russische Staat können ihnen alles nehmen. So war der Putin-Kritiker Michail Chodorkowski Ölmilliardär und der reichste Mann Russlands, bevor er wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt wurde und rund ein Jahrzehnt im Gefängnis verbrachte. 2013 wurde Chodorkowski begnadigt und ging ins Exil. Die Botschaft: Wer sein Geld behalten will, muss sich aus der Politik heraushalten. Zuletzt musste der Milliardär Oleg Tinkow nach eigenen Angaben wegen einer Verstaatlichungsdrohung seinen Anteil an der Tinkoff-Bank zu einem Bruchteil des Werts verkaufen, nachdem er den Ukraine-Krieg kritisiert hatte. Käufer: Nickel-Milliardär Wladimir Potanin. Der hegt beste Beziehungen zu Putin. Auch viele alte Gefährten des Präsidenten stiegen zu Oligarchen auf, oft über lukrative Posten in staatlichen oder halbstaatlichen Unternehmen oder Staatsaufträge. Dazu gehören die Brüder Boris und Arkadi Rotenberg, Jugendfreunde Putins aus gemeinsamen Judo-Tagen.