Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung

Prozessprotokoll: Staatsanwalt verliest Anklagen im Hans-Bunte-Fall

Florian Kech, Joachim Röderer

Von Florian Kech & Joachim Röderer

Mi, 26. Juni 2019 um 15:00 Uhr

Freiburg

BZ-Plus Der Fall erregt bundesweit Interesse: Vor dem Freiburger Landgericht müssen sich ab heute elf Männer verantworten. Sie sollen beim Hans-Bunte-Areal eine damals 18-Jährige vergewaltigt haben.

Der erste Prozesstag im Überblick Am Morgen begann die Verhandlung mit fast einer Stunde Verspätung, weil mehrere Gefangenentransporte im Stau gestanden hatten. Am Vormittag sind die Anklagen verlesen worden: Den Hauptangeklagten Majd H. und Alaa M. wird Vergewaltigung in Tateinheit mit unterlassener Hilfeleistung und gemeinschaftliches Handeln mit Rauschmitteln zur Last gelegt. Bei Majd H. kommt die Anstiftung zur Vergewaltigung erschwerend hinzu. Mehrere Anwälte sehen die Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens gefährde. Sie begründen das mit einer übermäßigen Berichterstattung und kritisieren die Ermittler. Die Angeklagten werden wohl bis auf Timo P. die Aussage zur Sache verweigern. Am Nachmittag begannen die Befragungen zur Person. Diese werden voraussichtlich bis in den zweiten oder dritten Verhandlungstag hinein andauern.
15 Uhr: Als letzter Angeklagter für heute wird Jekar D. befragt. Der Kurde spricht fließend Deutsch. Er gibt an, 30 Jahre alt zu sein. Er wurde in Syrien geboren, ging mit 18 zur Armee, arbeitete vorübergehend im Libanon und gründete in Syrien eine Firma für Handys und Computer. Einen Schulabschluss oder Ausbildung habe er nicht, aber er sei als Koch angelernt worden. Er spricht über die Flucht nach Deutschland vor rund sechs Jahren. Er habe unter anderem in einem Restaurant und einem Freizeitpark gearbeitet. Auf die Fragen des Richters gibt er bereitwillig Auskunft. Seinen Antworten merkt man an, dass er reifer ist als seine Vorredner.

Seit drei Jahren lebt er in einer Beziehung. Er wünsche sich, mit seiner Freundin eine Familie zu gründen und sie zu heiraten. "Wenn ich entlassen werde", sagt er. Seine Chancen könne er nicht abschätzen, aber er gebe die Hoffnung nicht auf.

Der Richter stellt die obligatorische Drogenfrage. D. sagt, er habe eine Zeit lang viel getrunken und täglich gekifft, um zu vergessen. "Aber sie hatten doch gute äußere Bedingungen", wendet der Richter ein. "Ich hatte Arbeit, Freundin, alles. Das stimmt", sagt D., aber was passiert ist, könne er nicht vergessen. Er meint damit wohl belastende Erfahrungen mit dem IS in Syrien.

Er habe Fußball gespielt und Billard, früher in Syrien. In Deutschland habe er nur gearbeitet. Während D. seine Angaben macht, feixen einige der Mitangeklagten. Ein Verteidiger bittet, die Verhandlung für eine Toilettenpause seines Mandanten zu unterbrechen.

Der Richter trifft schließlich die Entscheidung, angesichts der schwülen Temperaturen eine halbe Stunde früher Schluss zu machen. Von den Prozessbeteiligten gibt es keine Einwände. Am Montag wird die Verhandlung fortgesetzt. Der Tag wird mit der Vernehmung des Angeklagten Timo P. beginnen.

14.30 Uhr: Der zweite Angeklagte, Mustafa I., wird vernommen. Er spricht abwechselnd Deutsch und Arabisch. I. wurde im Irak geboren, ist 23 Jahre alt, und im ...

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