Elektrischer Supersportler

Michael Gebhardt (SP-X)

Von Michael Gebhardt (SP-X)

Sa, 04. Januar 2020

Auto & Mobilität

NEUVORSTELLUNG: Porsche Taycan.

Nach einigen Jahren Vorarbeit ist der Porsche Taycan jetzt da. Der Stromer ist eine Bilderbuch-Sportlimousine und verdammt schnell. Die Basisversion wird noch nachgereicht.

Nun steht der Tesla-Model-S-Jäger Taycan in den Startlöchern mit Preisen die zunächst bei 152 136 Euro beginnen. Als Taycan Turbo leistet er dann 460 kW/625 PS. Wer sich für den Turbo S entscheidet – die Motorbezeichnungen hat man aus alter Tradition von den Verbrennern übernommen – muss mindestens 185 456 Euro investieren und erhält dank kurzzeitiger Overboost-Leistung bis zu 560 kW/761 PS. Bis zu 450 Kilometer soll der schwächere der beiden Stromer fahren können, beim Turbo S sollen es maximal 412 Kilometer sein. Mitte des Jahres ergänzt der 4S die Familie zu Preisen ab 105 607 Euro.

Der viertürige Taycan ist optisch eine Mischung aus Panamera und 911, mit tiefer Sitzposition, je einem Kofferraum vorne und hinten und fast fünf Meter Länge. Große Fahrer finden vorne ein ordentliches Platzangebot vor, auf der Rückbank wird es eher kuschelig. Dazu kommen straffe Sitze und ein moderne Cockpitgestaltung, die Porsche-Traditionen aber nicht verleugnet.

Wer es drauf anlegt, kann den Turbo S dank Launch Control in 2,8 Sekunden auf Tempo 100 bringen und weiter auf bis zu 260 km/h beschleunigen. Wenn die beiden den Allradantrieb garantierenden Elektro-Motoren an Vorder- und Hinterachse zusammen für zweieinhalb Sekunden ihre maximal 560 kW/761 PS freisetzen und den mindestens 2,3 Tonnen schweren Stromer nach vorne katapultieren, bekommt man eine ungefähre Ahnung davon, wie sich ein Space-Shuttle-Start anfühlen muss.

Während andere Stromer auf den Kavalierstart oder anhaltende Vollgasbeschleunigung erst mit Überhitzung und dann einer merklichen Reduzierung der Leistung reagieren, lässt sich das Spektakel im Porsche annähernd beliebig oft wiederholen. Möglich macht es die 800-Volt-Technik: Die gegenüber anderen E-Autos doppelt so hohe Spannung im Antriebsnetz erlaubt es, salopp gesagt, mit der halben Stromstärke zu arbeiten, und die ist am Ende für die Wärmeentwicklung verantwortlich.

Der Elektro-Porsche mit Allradantriebfährt sich luftgefedert so, wie sich in bester Porsche-Manier: leichtfüßig, agil, behände. Vor allem sein, nicht nur im Vergleich mit Audis E-tron, niedriger Schwerpunkt kommt ihm beim Handling zu Gute; der liegt sogar noch tiefer als beim 911er.

Das Aufladen des 93,4-kWh-Akkus geht in Windeseile: Eine entsprechende Gleichstrom-Ladesäule vorausgesetzt, verleibt sich der Taycan mit bis zu 270 kW Ladeleistung neue Energie ein. Den Sprung von fünf auf 80 Prozent Ladestand schafft er auf diese Weise theoretisch in 23 Minuten.