Mehr Geld und Bonuspunkte

Birgit Wilke

Von Birgit Wilke (kna)

Sa, 11. Mai 2019

Beruf & Karriere

Ein FSJ sollte sich jeder leisten können.

Abitur in der Tasche, und dann? Viele Jugendliche entscheiden sich für ein freiwilliges Jahr, sie möchten etwas Praktisches machen, sich orientieren. Bei so manchen scheitert dieser Wunsch aber daran, dass sie sich nicht auf ein ganzes Jahr festlegen wollen oder können.

Die Bundesregierung will das ändern. Noch vor Weihnachten 2018 verabschiedete das Kabinett einen Gesetzentwurf. An schlechten Rahmenbedingungen dürfe ein Dienst an der Gemeinschaft nicht scheitern, so Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), aus deren Haus der Entwurf stammt. Der Entwurf setzt weiter auf Freiwilligkeit und soll Schritt für Schritt umgesetzt werden.

Laut Giffey machen jährlich mehrere Zehntausend junge Menschen einen Freiwilligendienst in Deutschland. Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Freiwilligendiensten: Die Mehrzahl absolviert demnach ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), rund 3000 ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) und rund 27 000 den Bundesfreiwilligendienst, den es seit der Abschaffung der Wehrpflicht und damit des Zivildienstes gibt. Dazu kommt ein freiwilliger Dienst im Ausland und seit einigen Jahren ein freiwilliges Jahr im kulturellen, politischen oder naturwissenschaftlichen Bereich.

Nach Giffeys Einschätzung könnte die Zahl der Freiwilligen größer sein, wenn die Rahmenbedingungen verbessert würden: Deshalb will sie in einem ersten Schritt die Zahl der Plätze erhöhen. 2019 soll es unter anderem beim Bundesfreiwilligendienst 5000 mehr Plätze geben, beim FÖJ 625. Zudem sollen die Bedingungen für Menschen mit Behinderungen verbessert werden, die ein solches Jahr ableisten wollen.

Dauer des Einsatzes flexibler fassen

Darüber hinaus sollen die Freiwilligendienste flexibilisiert werden: Die starren Vorgaben eines Zeitraums von einem Jahr beim FSJ sollen gelockert werden. Das Konzept sieht vor, dass junge Menschen den Dienst auch in Teilzeit absolvieren können oder auch nur ein halbes Jahr.

Nach Berechnungen könnten von den jährlich rund 800 000 Schulabgängern rund 120 000 motiviert werden, ein solches Jahr zu machen. Für den Ausbau der Plätze will der Bund mehr Geld in die Hand nehmen. So standen 2018 rund 263 Millionen Euro im Haushalt zur Verfügung. Für 2019 sieht der Haushalt zusätzliche Mittel von rund 65 Millionen Euro vor. Mittelfristig soll der Bund nach Vorstellungen Giffeys auch die finanziellen Bedingungen für einen solchen Freiwilligendienst verbessern und ein bundesweit einheitliches Freiwilligengeld von 402 Euro zahlen. Zudem soll es Zuschüsse für ein Monatsticket im öffentlichen Nahverkehr geben. Derzeit variiert die Höhe, beträgt aber maximal 391 Euro.

Davon verspricht sich Giffey, den Dienst auch für Jugendliche attraktiver zu machen, deren Eltern kein Geld zuschießen können, wenn der Dienstort in einer anderen Stadt liegt und das Taschengeld zusammen mit dem Wohnkostenzuschuss nicht ausreicht. Auch Schüler mit anderen Schulabschlüssen sollen geworben werden; etwa dadurch, dass junge Menschen nach einem Jahr ein Zertifikat erhalten, das ihnen Pluspunkte bei einer Bewerbung für eine Arbeitsstelle oder im Studium bringen soll.