Neue Arbeitswelten

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 07. September 2019

Beruf & Karriere

BZ-GASTBEITRAG VON HEIKE BRUCH über die Auswirkungen von New Work.

Waren steile Hierarchie und enge Kontrolle in der Vergangenheit der Normalfall, so finden wir heute einen Trend hin zu flachen Strukturen und netzwerkartigen Organisationsformen. New Work beinhaltet eine grundlegende Veränderung der Zusammenarbeit. Mit den neuen Arbeitsformen wird Arbeit ortsungebunden, flexibel und digital.

Unternehmen versprechen sich von New Work eine erhöhte Reaktions- und Anpassungsgeschwindigkeit, eine größerer Agilität in dem, was sie tun, mehr Tempo in der Umsetzung. Aber: Empirisch konnten wir feststellen, dass 75 Prozent der Unternehmen noch traditionell arbeiten (Bruch, Block & Färber, 2016). Von den 25 Prozent der Unternehmen, die bereits den Schritt in die neue Arbeitswelt gemacht haben, ist nur ein Viertel erfolgreich. Das heißt, absolut sind es nur sechs Prozent der Unternehmen, die bisher erfolgreich in der neuen Arbeitswelt arbeiten und tatsächlich den gewünschten Effekt realisieren. Diese sogenannten erfolgreichen Pioniere sind charakterisiert durch erhöhtes Tempo, höhere Innovationsleistung und eine stärkere Mitarbeiterbindung.

Dreiviertel der Unternehmen, die in die neue Arbeitswelt eintreten, also absolut 19 Prozent aller Unternehmen, arbeiten noch nicht erfolgreich in dieser. Diese so genannten modern überforderten Unternehmen erleben einen Rückschritt durch die neuen Arbeitsformen, weil sie in Überhitzung oder in chaotische Formen der Zusammenarbeit geraten. In der Konsequenz findet man bei ihnen ausgeprägte Werte der Beschleunigungsfalle, eine hohe Kündigungsabsicht der Mitarbeitenden und reduzierte Leistung.

New Work allein führt also nicht zu Schnelligkeit und Erfolg. Im Gegenteil, bei falscher Nutzung werden Unternehmen sogar langsamer und weniger erfolgreich. Doch worin unterscheiden sich die erfolgreichen Pioniere von den modern überforderten Unternehmen? Was sind die Erfolgsfaktoren von New Work?

Zunächst ist besonders wichtig, dass Unternehmen New Work gezielt einsetzen. Was ist das Ziel, das Warum für New Work? Es sollte genau geprüft werden, wo klassische und wo netzwerkartige Arbeitsformen im Unternehmen angemessen sind? Wann braucht es agile Methoden und wann klare Zielvorgaben? Ferner ist es wichtig, die Führungskräfte und Mitarbeitenden mitzunehmen. Das heißt, dass man die Arbeitsformen soweit wie möglich gemeinsam gestaltet und Wahlmöglichkeiten einräumt, aber auch auf neue Arbeitsformen vorbereitet und die nötigen Kompetenzen entwickelt. Passiert dies nicht, kann es dazu führen, dass die New-Work-Transformation als verunsichernd und chaotisch erlebt wird. Dies kann insbesondere bei Mangel an notwendigen Kompetenzen gravierende Folgen haben. Die unvorbereitete Einführung neuer Arbeitsformen führt also eher dazu, dass Unternehmen sich in den neuen Strukturen überhitzen und dadurch ausgebremst werden.

Bei erfolgreichen Pionieren ist Führung ausgeprägt und weniger Management. Sie geben Mitarbeitenden ein positives Zukunftsbild, inspirieren und wertschätzen die Menschen im Unternehmen. Empirisch zeigt sich dies vor allem darin, dass bei erfolgreichen Pionieren zwei Arten von Führung stark ausgeprägt sind: inspirierende Führung und geteilte Führung. Diese Kombination von Orientierung einerseits und Ermächtigung und Stärkung von Selbstführung andererseits zeigt sich für den Erfolg von Unternehmen in der neuen Arbeitswelt als Schlüsselmerkmal und macht sie zusätzlich schnell (Bruch, Färber & Block, 2018). Inspirierende oder auch transformationale Führung ist eine der erfolgreichsten Führungsformen in Unternehmen, denn sie fördert das emotionale Einbeziehen, die Ausrichtung auf eine gemeinsame Vision und die Ermächtigung. Dies wird umso wichtiger im Kontext von New Work, da Mitarbeitende oft virtuell, in wechselnden Teams oder mobil arbeiten. Gleichzeitig müssen Führungskräfte loslassen und Mitarbeitenden einen größeren Verantwortungsbereich geben, an welchem sie wachsen können. Führungskräfte sollten dementsprechend auch die geteilte Führung in Teams gezielt fördern.

New Work kann mit der richtigen Führung und der richtigen Denkweise zum Erfolg führen und die Geschwindigkeit in Unternehmen fördern. Entscheidend dafür ist, dass Führungskräfte den Schritt in Richtung neue Arbeitswelt proaktiv und und verantwortungsvoll gestalten.