Kurz gemeldet: Immunwächter vermessen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 07. Dezember 2019

Bildung & Wissen

Studie Freiburger Forscher.

Ein internationales Forscherteam hat das hirneigene Immunsystem des Menschen im gesunden und erkrankten Gehirn neu vermessen. Leiter des Projektes ist Marco Prinz, Ärztlicher Direktor des Instituts für Neuropathologie in Freiburg und Mitglied im Exzellenzcluster CIBBS, der für seine Forschung am Donnerstag mit dem höchsten deutschen Forschungspreis, dem Leibnizpreis, geehrt wurde.

Die Forscher fanden laut Mitteilung der Uniklinik Freiburg überraschend viele unterschiedliche Erscheinungsformen von Immunzellen, Mikroglia genannt. "Der Zustand der Zellen wird offensichtlich stark durch Faktoren wie Altern, Tumoraktivität und umgebende Zellen beeinflusst", sagt Prinz. "Die Vielfalt der Immunzellen eröffnet neue Therapieansätze gegen Hirntumore oder neurodegenerative Erkrankungen", so Prinz weiter.

Mikroglia, die Immunwächter im Gehirn, übernehmen während der Hirnentwicklung wie auch im Erwachsenengehirn viele Aufgaben, von der Ernährung bis hin zur Gewebereparatur. Ihnen wird auch eine Rolle bei der Entstehung zahlreicher degenerativer Hirnerkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, aber auch bei Hirntumoren zugeschrieben.

Die Untersuchung wurde laut Mitteilung dank neuer Einzelzell-Analysen möglich. Damit haben die Forscher die Genaktivität sowie die Proteinausstattung einzelner aus dem Hirngewebe extrahierter Zellen ermitteln können. Die Methoden erlaubten ein wesentlich präzisere zelluläres Bild komplexer Gewebe, so Dominic Grün vom ebenfalls beteiligten Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. Er hat die Technik mitentwickelt. Die Studie erschien im Fachmagazin Nature Neuroscience, beteiligt war neben dem Uniklinikum auch die Charité-Universitätsmedizin Berlin.