Natur

Wie kann man Igeln durch den Winter helfen?

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

So, 08. Dezember 2019 um 11:13 Uhr

Bildung & Wissen

Der Sonntag Spätestens jetzt, mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, sollten sich Igel warm eingemuggelt im Winterschlaf befinden. Manche Tiere irren aber noch immer durch die Gegend und drohen zu erfrieren. Wer helfen will, muss einiges beachten.

Beim Spazieren am Sonntagabend durch den Freiburger Stadtteil St. Georgen, es ist bereits dunkel und eisig kalt, hat ein Paar, Frank und Gabi Meier, auf einer Mauer einen Igel entdeckt. Das stachelige Tier bewegt sich nicht, sondern lugt nur ängstlich, wie Frau Meier interpretiert, aus seinen Knopfaugen. Es igelt sich auch nicht ein, als sich Gabi Meier ihm nähert und es anstupst. Sie schlussfolgert: "Dem müssen wir helfen."

Doch nicht alle Igel, die noch unterwegs sind, brauchen Hilfe. Auch wenn sich sogenannte Braunbrustigel im Oktober und November allmählich ihr Winterquartier suchen, können sie im Dezember immer noch nach Futter oder einem geeigneten Versteck suchen – auch tagsüber, obwohl Igel sonst dämmerungs- und nachtaktiv sind.

Grundlegend stehen Igel als Wildtiere unter Naturschutz. Sie mitzunehmen, ist strafbar. Anzeichen dafür, dass sie Hilfe benötigen und in Obhut genommen werden müssen, sind Verletzungen, etwa durch Autos, oder Krankheit, was sich durch Husten äußert. Vor dem Winter benötigen meist Jungigel mit einem Gewicht unter 500 Gramm Hilfe. Ihnen fehlt die Fettreserve für den Winterschlaf und sie drohen zu erfrieren.

So schätzt Gabi Meier auch ihr Fundtier ein, stülpt ihm ihre Wollmütze über und trägt es nach Hause. Frank Meier betrachtet das "verlauste Vieh" skeptisch. Tatsächlich haben Igel immer Flöhe, fast immer Zecken und Würmer. Deshalb sind ein geschützter, trockener Ort im Garten, ein Holzstapel oder ein Laubhaufen besser, als den Igel ins Haus zu bringen. Gabi Meier tut’s trotzdem. Sie wiegt das Tier, das sie auf den Namen Iggy getauft hat, samt Mütze in einer Küchenwaage: 400 Gramm.

Gefangenschaft ist für Igel Stress, deshalb benötigen sie ein gut zwei Quadratmeter großes Gehege. Weil sie gut klettern können, sollte die Seitenwand mindestens 40 Zentimeter hoch sein. Die Meiers setzen Iggy in einen mit Zeitung ausgelegten Karton. Das muss reichen, tags drauf wollen sie ihn ins Tierheim bringen. Damit es der Igel warm hat, stellt Gabi Meier den Karton vor die Heizung. Auch eine Wärmflasche ginge, aber das Wasser darf nicht zu heiß sein.

Iggy bekommt ein Schälchen Wasser ins Gehege, auf keinen Fall Milch, hat Gabi Meier im Internet recherchiert. Igel sind Insektenfresser. Zu essen eignet sich auch Katzenfutter. Weil die Meiers keine Katze haben, bereitet Gabi Meier Iggy ein Rührei zu. Igel essen auch gegartes Hackfleisch, wichtig ist: nicht würzen.

Tatsächlich bringt das Iggy wieder zu Kräften. Nachts klopft und kruschtelt er in seinem Karton. Am Morgen muss Gabi Meier die Zeitungen wechseln, weil Iggy alles vollgemacht hat. Dann wird es ruhig im Igelkarton und Iggy schläft.

Als die Meiers mit ihm später beim Tierschutzverein Freiburg ankommen, steigt ein Paar, das auch einen Igel abgeben wollte, gerade ins Auto. Sie wurden abgewiesen, weil der Igel außerhalb gefunden wurde und Freiburg nicht zuständig ist. Sie hätten besser vorher angerufen.

Iggy wird aufgenommen. Das Tierheim Freiburg hat eine Igelstation mit 32 Boxen und Platz für bis zu hundert Igel. Rund 70 Tiere sind schon da. "An manchen Tagen kamen zehn Igel", sagt Mitarbeiter Pascal Witte. Langsam sei der große Ansturm aber vorbei. Dann trägt er Iggy zu den anderen. Hier wird er auf sein Winterschlafgewicht gebracht und bis zu seiner Auswilderung im Frühjahr versorgt.
Tierschutzvereine in Südbaden informieren über geeignete Hilfe für Igel und vermitteln zu entsprechenden Igelstationen: Lörrach, Weil am Rhein, Rheinfelden: 0 76 21/ 5 14 11; Ehrenkirchen, 0 76 64/ 70 96; Stadt Freiburg, 07 61/ 84 44 und Emmendingen, 0 76 41/ 29 81.